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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Montag, 16. Februar 2026, um 15:57 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
Am Rand von Aschaffenburg wird eine Entscheidung sichtbar, die inzwischen in vielen Städten fällt: Eine Apotheke stellt auf Fünf-Tage-Woche um, weil Personal fehlt, Freizeit verschwindet und die Rechnung am Samstag nicht mehr aufgeht. Es ist keine große Reformmeldung, sondern eine kleine Verschiebung im Alltag – und genau deshalb wirkt sie so stark: Eine Öffnungsstunde weniger ist für den einzelnen Betrieb Entlastung, für das Umfeld aber ein Signal. Denn Samstage sind kein „Bonus“, sie sind der Puffer zwischen Routine und Notfall, zwischen Arztpraxis-Woche und Wochenendwirklichkeit. Wenn dieser Puffer verschwindet, wandert Druck nicht ins Nichts, sondern zu den verbliebenen Betrieben, in den Notdienst und in die Erwartung, dass es „irgendwie“ schon geht. Die Magie liegt nicht in der Geste, sondern in der stillen Konsequenz: Eine einzelne Tür, die am Samstag zu bleibt, verändert nicht nur Laufwege – sie verändert Verantwortung.
Samstagmorgen, kurz nach neun, bleibt in Obernau eine Tür zu, die früher zuverlässig offen war. In Aschaffenburg hat die Bavaria-Apotheke ihre Öffnungszeiten geändert, Inhaber Thomas Mucha stellt auf eine Fünf-Tage-Woche um. Nicht, weil er den Samstag „abschaffen“ will, sondern weil der Samstag ihn abschafft: zu wenig Personal, zu viel Last, zu wenig planbare Wirtschaftlichkeit. In der Anzeige, mit der er den Schritt öffentlich macht, steckt weniger Protest als Erschöpfung.
Mucha ist allein in der Verantwortung, sagt er, niemand könne ihm etwas abnehmen. Früher half der Vater mit, diese Stütze ist weg. Das Team ist klein: zwei PTA, drei Helferinnen, dazu eine Pharmazeutin aus dem Iran, die auf dem Weg zur deutschen Approbation begleitet wird. Das klingt nach Aufbau und Integration, ist im Alltag aber auch ein Hinweis darauf, wie knapp der Markt geworden ist. Wer heute eine approbierte Kraft sucht, findet oft keine, und wer eine findet, muss sie dauerhaft bezahlen können.
Genau dort liegt der Samstag als Sollbruchstelle. Die Lage der Apotheke ist dörflich am Rand der Stadt, die Frequenz schwankt. Manche Samstage sind stark, etwa vor Feiertagen, andere sind dünn. Diese Unberechenbarkeit ist an sich nichts Neues, neu ist die Kombination mit einer Regel, die keine Schwankung kennt: Für die Öffnung muss permanent eine approbierte Person vor Ort sein. Wenn dafür ein angestellter Apotheker eingeplant werden müsste, rechnet sich der Tag aus Muchas Sicht nicht mehr. Die Entscheidung fällt dann nicht zwischen „Service“ und „Bequemlichkeit“, sondern zwischen „durchhalten“ und „abschneiden, was nicht mehr trägt“.
Um Aschaffenburg herum ist Mucha nicht der Einzige, der den Samstag streicht. Mitbewerber in Großwallstadt und Niedernberg machen es bereits, die Kundschaft zeigt mehrheitlich Verständnis. Das klingt zunächst nach lokaler Anpassung, hat aber eine systemische Logik: Wenn mehrere Betriebe am Samstag schließen, verschiebt sich die Nachfrage zu den wenigen, die noch offen haben. Das Kundenplus ist dann kein Geschenk, sondern ein Stresstest, weil es auf Betriebe trifft, die oft selbst personell eng stehen. Mehr Menschen vor dem HV bedeutet nicht automatisch mehr Versorgung, wenn die Kapazität im Team die gleiche bleibt.
Mucha benennt nicht nur Personalmangel, sondern auch die wachsende Notdienstbelastung und ausufernde Bürokratie. Das sind keine Nebengeräusche. Notdienstlast macht die Woche länger, Bürokratie frisst Zeit, die nicht abrechenbar ist, und jede zusätzliche Pflicht verengt den Raum, in dem ein Inhaber überhaupt noch steuern kann. In dieser Mischung wird der Samstag zur Frage: Wo entsteht der größte Druck pro Stunde, ohne dass der Nutzen für die Versorgung stabil planbar wäre?
Damit rückt eine Grundfrage nach vorn, die sonst hinter Öffnungszeiten verschwindet: Was ist der Versorgungsauftrag des Staates, wenn Versorgung in der Fläche faktisch von privaten Betrieben getragen wird, deren Belastungsgrenzen über Dienstpläne sichtbar werden? Der Staat kann Anwesenheit verlangen, Mindestöffnungszeiten festlegen und Notdienste organisieren. Er kann aber nicht per Verordnung zusätzliche approbierte Menschen herbeiverordnen, und er kann nicht verhindern, dass wirtschaftliche Unwucht an den Randzeiten zuerst sichtbar wird.
Der Samstag ist deshalb nicht nur ein Wochentag, sondern ein Frühindikator. Er zeigt, ob die Versorgung noch aus eigener Kraft stabil bleibt oder schon auf Ausnahmen angewiesen ist. Denn die Samstagsöffnung ist nicht einfach frei gestaltbar, sie ist grundsätzlich Pflicht und kann nur mit Genehmigung verkürzt werden. Die Befreiung setzt voraus, dass eine andere Apotheke im näheren Umkreis die Versorgung in dieser Zeit sicherstellt. Das klingt nach Absicherung, ist aber zugleich ein Spiegel der Realität: Die Fläche gilt als „gesichert“, solange der Umkreis noch trägt. Je mehr Betriebe sich befreien lassen, desto kleiner wird der Kreis derjenigen, die die Lücke schließen müssen.
In der zweiten Blickrunde wird sichtbar, warum Mucha zugleich vorsichtig und deutlich ist. Er spricht sich prinzipiell für eine befristete Vertretungsmöglichkeit durch PTA in Notfällen und für kurze Zeit aus, aber nicht über Tage oder Wochen. Er nennt die Dammbruchgefahr selbst, weil er weiß, dass jede Lockerung der Präsenzpflicht nicht nur Entlastung, sondern auch Missbrauchsrisiko bedeutet. Genau dieses Spannungsfeld prägt die Reformdebatte: Auf der einen Seite die Warnung vor „Apotheke ohne Apotheker“, auf der anderen Seite die Idee, in engen Situationen befristet zu überbrücken, weil sonst Öffnungszeiten wegbrechen.
Das Problem ist, dass beide Seiten Recht haben können, ohne dass daraus eine tragfähige Praxis entsteht. Eine starre Präsenzpflicht schützt Qualität und Verantwortung, kann aber in einem ausgedünnten Arbeitsmarkt dazu führen, dass gar nicht mehr geöffnet wird. Eine Vertretungsregel kann Öffnung sichern, kann aber das Vertrauen und die Berufslogik beschädigen, wenn sie zur Dauerlösung wird. In der Fläche ist es dann nicht mehr die ideale Regel, die zählt, sondern die Frage, welche Regel unter realen Bedingungen mehr Versorgung ermöglicht, ohne Verantwortung zu verwässern.
Der Fall Aschaffenburg zeigt außerdem, dass die Debatte nicht nur ländlich ist. Die Region liegt nahe Frankfurt am Main, also nicht in einem abgelegenen Winkel, sondern in einem Raum, in dem man Versorgung intuitiv für stabil hält. Wenn selbst dort Samstagsöffnungen kippen, ist das kein Randphänomen, sondern ein Zeichen, dass das System an einer Stelle nachgibt, an der es früher Reserven hatte.
Wenn das Schule macht, entsteht eine neue Normalität: Fünf-Tage-Apotheken werden häufiger, Samstagsversorgung wird zur Umverteilung auf wenige Standorte, Notdienste werden stärker als Ersatzversorgung genutzt, und der Weg zur Arzneimittelversorgung wird für manche Menschen länger, unplanbarer und abhängig vom Umkreis. Das trifft nicht alle gleich. Wer mobil ist, weicht aus. Wer eingeschränkt ist, wer mit Kindern unterwegs ist, wer akut etwas braucht, erlebt die Verschiebung als reale Hürde.
Am Ende bleibt deshalb keine reine Öffnungszeitendebatte, sondern eine staatliche Zumutung an die Wirklichkeit: Der Versorgungsauftrag lebt nicht von Paragrafen, sondern von Personal, Arbeitszeit, Bezahlbarkeit und einer Regelarchitektur, die nicht nur moralisch richtig, sondern praktisch tragfähig ist. Der Samstag macht sichtbar, wo diese Tragfähigkeit zuerst reißt, weil dort die Kosten sofort, die Nachfrage schwankend und die Regeln unnachgiebig sind. Und genau deshalb trägt dieser Stoff weiter, weil er nicht über „Wünsche“ spricht, sondern über die Stelle, an der Versorgung im Alltag entschieden wird: im Plan, im Team und in der Frage, wer am Ende überhaupt noch da ist, wenn die Tür aufgehen soll.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Ein Samstag ist im System ein unscheinbarer Prüfstein: Er zeigt, ob Versorgung als Auftrag getragen wird oder nur als Ergebnis von Überlastung noch zustande kommt; er zeigt, ob Präsenzpflicht Schutz bedeutet oder Fessel wird; er zeigt, ob Planungssicherheit existiert oder nur Durchhalteparolen. In Aschaffenburg steckt in einer Zeitungsanzeige mehr Staatsfrage als in mancher Kommissionsrunde, weil sie den Konflikt offenlegt, den alle kennen und niemand sauber auflöst: Wer die Fläche will, braucht Spielräume, und wer Spielräume verweigert, bekommt am Ende Schließtage – erst vereinzelt, dann als Gewohnheit. Das ist kein Dammbruch, der mit einem Knall kommt, sondern einer, der sich wie ein Kalender füllt.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn Samstage aus dem Raster fallen, verschiebt sich die Wahrheit der Versorgung in die Zwischenräume: in die Minuten vor Ladenschluss, in die längeren Wege, in die Warteschlangen der wenigen, die übrig bleiben. Die Präsenzpflicht wirkt dann nicht mehr wie ein Qualitätsanker, sondern wie ein Kostenanker, der genau dort zieht, wo ohnehin niemand mehr nachkommt. Und der Versorgungsauftrag bleibt formal bestehen – nur die Frage wird lauter, wer ihn praktisch noch tragen kann, wenn die Regel das Personal bindet, aber die Wirklichkeit es aufreibt.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Der Kern ist, ob Verantwortung im System bleibt oder in den Alltag einzelner Betriebe abwandert.
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