• 12.02.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Honorarappell und dm-Klage, eHBA-Tausch und PTA-Vertretung.

    ARZTPRAXIS | Medienspiegel & Presse | Maßstab bleibt die Versorgungsordnung, nicht die Lautstärke einzelner Akteure.

DocSecur® OMNI
All-Inklusive Versicherung für alle betrieblichen Gefahren
DocSecur® FLEX
Die flexible Versicherung für alle betrieblichen Gefahren
DocSecur® JURA
Rechtsschutz gibt es nicht auf Rezept!
DocSecur® CYBER
Arztpraxen sicher im Netz

Für Sie gelesen

Sehr geehrte Ärzte,
hier ist der vollständige Text für Sie:

DocSecur® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-Nachrichten von heute sind Honorarappell und dm-Klage, eHBA-Tausch und PTA-Vertretung.

 

Politikdruck, Rechtsgrenzen und Digital-Ausfälle prägen den Tag, während Resilienz und Forschung neue Stellschrauben zeigen.

Stand: Donnerstag, 12. Februar 2026, um 17:21 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Der Tag beginnt mit einer Botschaft, die nach innen mobilisiert und nach außen eine Zahl festnagelt: 9,50 Euro sollen nicht länger Argument sein, sondern Verpflichtung. Gleichzeitig läuft in Karlsruhe ein Verfahren an, das den Onlinehandel zwingt, seine Trennlinien zu erklären, bevor er sie verschiebt. Und mitten hinein platzt eine Sicherheitslücke, die nicht wie ein IT-Problem wirkt, sondern wie eine Drohung gegen Alltagstakt und Signaturfähigkeit, bis zum 30. Juni als harte Kante. Dazu kommt die Reformidee, PTA kurzzeitig in Leitungsnähe zu bringen, die in der Praxis nur dann trägt, wenn sie nicht zur Light-Struktur umkippt. Im Hintergrund wird Resilienz zur politischen Überschrift, während ein Maskenkomplex zeigt, wie schnell Logistikfehler in Milliardenrisiken kippen können. Und am Rand öffnen zwei Studien den Blick: einmal auf Biofilm als unsichtbare Barriere in der Wundheilung, einmal auf die Frage, warum innere Schmerzen nicht nur stärker empfunden, sondern auch stärker mitgefühlt werden.

 

Apothekenkampagne fordert 9,50 Euro, Preis erhöht den Druck, Koalition gerät in Verzug.

Thomas Preis wählt in seiner Videobotschaft eine klare Linie: Nicht noch einmal über das „Ob“ reden, sondern über das „Jetzt“. Er legt den Finger auf die Lücke zwischen Versprechen und Kontostand, und er sagt es so, dass es im Teamzimmer hängen bleibt: Die wirtschaftliche Stärkung sei im Koalitionsvertrag zugesagt, daraus werde eine politische Verpflichtung. Der Betrag fällt bewusst als harte Marke – 9,50 Euro statt 8,35 Euro – und er stellt ihn als überfällig dar, nicht als Wunschzettel.

Die Botschaft arbeitet mit einer Umdeutung, die im Hintergrund viel erklärt. Protest wird nicht als Angriff gerahmt, sondern als Rückendeckung: Warken stehe hinter der Verpflichtung, heißt es, und genau deshalb seien die Maßnahmen ein Signal an die Politik, die Ministerin „in ihrem Ziel zu bestärken“. Das ist rhetorisch geschickt, weil es den Konflikt verschiebt. Nicht „die Apothekerschaft gegen das Ministerium“, sondern „die Basis hilft, eine Zusage gegenüber anderen Kräften durchzusetzen“.

Gleichzeitig ist spürbar, dass Preis die Erwartungskurve nach oben ziehen will, ohne den Ausgang garantieren zu können. Er spricht von „dringend“, er spricht von „sofort handeln“, und er kündigt die nächste Stufe an: eine Online-Petition in „wenigen Tagen“. Damit wird Tempo erzeugt, aber es wird auch ein Zeitfenster aufgemacht, in dem die Frage entsteht, ob aus dem Signal eine konkrete Entscheidung wird – oder nur eine weitere Runde Kommunikation.

Die operative Last landet dabei unmittelbar in den Betrieben. Handzettel, Plakate, digitale Medien: Das klingt nach Kampagne, ist aber am Ende Arbeitszeit, die neben Rezeptbetrieb, Personallücken und Beratung laufen muss. Preis setzt darauf, dass genau diese Reibung zum politischen Argument wird: Wenn Teams zusätzlich mobilisieren müssen, ist das bereits ein Symptom für die Schieflage, die er beschreibt.

Bemerkenswert ist der Fokus auf das Gespräch mit Patientinnen und Patienten. Die Petition soll nicht nur unterschrieben werden, sie soll als Türöffner dienen, „ins Gespräch zu kommen“, heißt es sinngemäß. Das ist eine Strategie, die aus dem reinen Appell an die Regierung ein gesellschaftliches Narrativ machen will: Die Honorardebatte wird vom Fachthema zur Alltagsfrage, die an der Kasse, im Wartezimmer, am Küchentisch stattfinden soll.

Damit wird aber auch eine Grenze sichtbar. Wer eine politische Zusage als Verpflichtung ausruft, erhöht den Erwartungsdruck im eigenen Lager. Wenn die Umsetzung ausbleibt, kippt das schnell in Frustration – nicht abstrakt, sondern sehr konkret: Teams haben mobilisiert, Kundschaft wurde angesprochen, und am Ende steht wieder ein „später“. Genau deshalb ist die Wahl der Worte so hart; sie soll verhindern, dass das Thema im Nebel der vielen Baustellen verschwindet.

In der ersten Erzählspur ist Preis der Antreiber, der auf die Koalitionslogik pocht. In der zweiten Erzählspur wirkt er wie ein Risikomanager, der die Verantwortung bewusst verteilt. Er sagt nicht: „Die Zentrale regelt das“, sondern er baut eine Kette, die von der Standesvertretung über die Teams bis in die Öffentlichkeit reicht. Das schützt ihn vor dem Vorwurf, man habe zu spät oder zu leise reagiert, und es bindet die Basis an einen gemeinsamen Takt.

Warkens Rolle bleibt dabei der neuralgische Punkt. Wenn sie tatsächlich „in vielen Gesprächen“ Rückendeckung gegeben hat, entsteht daraus eine Erwartung an sichtbares Handeln – und zwar bald, weil die Kampagne bewusst auf Frühling und Signalwirkung setzt. Wenn die Zusage nur politisches Gesprächsgut war, droht eine Belastungsprobe für das Vertrauen zwischen Berufsstand und Politik, weil dann nicht nur Geld fehlt, sondern Verlässlichkeit.

Warkens Rolle bleibt der neuralgische Punkt. Wenn sie tatsächlich wiederholt Rückendeckung signalisiert hat, entsteht daraus eine konkrete Erwartung an sichtbares Handeln – nicht irgendwann, sondern in absehbarer Zeit. Bleibt es bei Gesprächszusagen, verschiebt sich der Druck wieder zurück in die Betriebe. Zwischen politischer Verpflichtung und betrieblicher Realität liegt kein symbolischer Raum, sondern der Alltag am HV-Tisch.

 

Apothekenrecht im Onlinehandel, dm und Wettbewerbszentrale, Karlsruhe klärt die Grenze.

Die Wettbewerbszentrale zieht vor das Landgericht Karlsruhe und macht aus einem einzelnen Geschäftsmodell eine Grundsatzfrage. Im Kern steht nicht ein einzelnes Produkt, sondern die Architektur: Medikamente, die apothekenpflichtig sind, werden im Webauftritt einer Drogeriekette so angeboten, dass sie für Kundinnen und Kunden wie Teil eines einheitlichen Einkaufs wirken. Formal soll der Versand über eine konzerneigene tschechische Versandapotheke laufen – genau diese Trennung auf dem Papier hält die Klägerseite für eine Umgehung.

Der entscheidende Satz der Wettbewerbszentrale zielt auf den Schutzgedanken hinter der Apothekenpflicht. Arzneimittel seien gerade deshalb nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit anderen Konsumgütern anzubieten, weil Fehl- oder Mehrgebrauch verhindert werden soll. Das klingt zunächst wie eine alte Debatte aus dem stationären Handel, aber es wird im Verfahren in die Online-Logik übertragen: Wenn eine „Apothekenecke“ im Laden unzulässig ist, dann dürfe die digitale Verwobenheit mit dem Drogeriesortiment nicht plötzlich zulässig sein, nur weil der Checkout am Bildschirm stattfindet.

Damit bekommt der Streit eine zweite Ebene, die im Versandhandel immer wieder auftaucht, aber selten so scharf adressiert wird: Wer betreibt eigentlich die Versandapotheke, und wer wirkt in einer Weise mit, die mit Unabhängigkeits- und Beteiligungsregeln kollidieren könnte. Die Wettbewerbszentrale spricht dm eine Form der Beteiligung oder Einflussnahme zu, die mit dem apothekenrechtlichen Leitbild nicht vereinbar sei. Der Umweg über eine ausländische Einheit wird dadurch nicht zum Detail, sondern zum Prüfstein: Ist es ein legitimes EU-Setting – oder ein Konstrukt, das bewusst auf deutsche Verbraucher ausgerichtet ist, um deutsche Schutzvorkehrungen zu unterlaufen.

Auffällig ist, wie konkret die Klägerseite die Folgen für die Versorgungsordnung beschreibt. Es geht nicht nur um „Wer darf was verkaufen“, sondern um die Kombination aus Apothekenpflicht, Sortimentstrennung, Unabhängigkeit und freier Wahl. Sobald der Arzneimittelteil im Drogerieauftritt aufgeht, verändert sich die Wahrnehmung von Beratung und Risiko. OTC wirkt dann wie ein Regal neben Shampoo, und genau dieser Kontext ist aus Sicht der Wettbewerbszentrale der Punkt, an dem der Schutzmechanismus ausgehöhlt wird.

Für den Markt ist das Verfahren deshalb mehr als ein Streit mit einem großen Namen. Die Wettbewerbszentrale sagt offen, dass viele Einzelhändler über den Einstieg nachdenken und auf ein Signal warten, ob ein solches Modell rechtlich zulässig und wirtschaftlich tragfähig ist. Das ist der Druck, der zwischen den Zeilen steht: Fällt die Schranke, wird das nicht bei einem Anbieter bleiben. Bleibt sie stehen, ist das nicht nur eine Niederlage eines Modells, sondern eine klare Ansage an alle, die ähnliche Konstruktionen in der Pipeline haben.

Hinzu kommt, dass dm bereits an anderer Stelle mit der Wettbewerbszentrale im juristischen Modus steckt. Im Stoff ist von einem laufenden Verfahren zu Augenscreenings vor den Landgerichten Düsseldorf und Karlsruhe die Rede; eine finale Entscheidung steht dort noch aus. Das verstärkt die Lage, weil es ein Muster erzeugt: Wieder geht es um die Frage, welche Gesundheitsnähe der Drogeriemarkt anbieten darf, ohne in den Kernbereich regulierter Versorgung hineinzuwachsen. Karlsruhe wird damit nicht nur ein Ort der Entscheidung, sondern ein wiederkehrender Prüfpunkt für Grenzverschiebungen.

In der ersten Erzählspur wirkt das wie ein klassischer Angriff auf ein neues Vertriebsmodell. In der zweiten Erzählspur ist es eine Auseinandersetzung darüber, wie Recht seine Schutzlogik in die digitale Oberfläche übersetzt. Denn Onlinehandel ist nicht nur Versand, sondern Inszenierung: Produktnähe, Warenkorb, Empfehlungen, Suchfelder, „gleich mit“-Impulse. Wenn apothekenpflichtige OTC in diese Mechanik eingebettet werden, wird aus einer Norm wie Sortimentstrennung eine Frage, ob sie auch gegen Interface-Tricks standhält.

Für den Markt bedeutet das Verfahren vor allem eines: Unsicherheit mit Signalwirkung. Wer ähnliche Modelle plant, wird die Begründung aus Karlsruhe genau lesen müssen, weil sich daran entscheidet, wie weit digitale Oberflächen reichen dürfen. Die Frage bleibt nicht theoretisch, sondern operativ – sie betrifft Sortimentslogik, Markenführung und die Grenze zwischen Kontext und Kontrolle.

 

eHBA-Sicherheitslücke erzwingt Kartentausch, D-Trust setzt Frist, Apotheken riskieren Ausfall.

Die Mailformel klingt nach Routine, der Inhalt ist es nicht: „schnellstmöglich erforderlich“. D-Trust informiert über eine bekannt gewordene Sicherheitslücke und macht daraus eine harte Konsequenz, die im Betrieb nicht verhandelbar ist. Betroffene Heilberufsausweise sollen ausgetauscht werden, auch wenn die Karten eigentlich noch gültig wären. Der Satz trifft einen wunden Punkt, weil er das Versprechen „Restlaufzeit“ praktisch entwertet: Sicherheit schlägt Kalender.

Die Frist setzt den Takt. Bis spätestens 30. Juni sollen die betroffenen Karten sukzessive und unwiderruflich gesperrt werden. Wer bis dahin nicht umgestellt hat, verliert nicht irgendeinen Komfort, sondern den Schlüssel zur Telematikinfrastruktur. Damit steht plötzlich sehr konkret im Raum, was sonst abstrakt bleibt: Ohne eHBA kein Zugang zur TI, kein E-Rezept-Prozess, keine qualifizierte elektronische Signatur. In Apotheken ist das kein IT-Thema, das ist Betriebsfähigkeit.

Dazu kommt die zweite Falle, die erst beim Lesen der Bedingungen sichtbar wird. Kostenfrei bleibt der Austausch nur, wenn sich an den Antrags- und Zertifikatsdaten nichts geändert hat. Wer umgezogen ist oder andere Daten anpassen müsste, rutscht aus dem Austauschpfad in den Neuantrag – und dann werden rund 500 Euro fällig. Das macht aus einem Sicherheitsereignis ein Kostenereignis, und zwar ausgerechnet bei Menschen, die sich nicht „freiwillig“ für eine neue Karte entschieden haben.

Die Mechanik ist dabei unerquicklich. Für eine Ersatzkartenbestellung mit Restlaufzeit soll keine Identifizierung nötig sein, für den neuen Antrag aber schon. Das trennt die Betroffenen in zwei Gruppen: die, die durchlaufen können, und die, die in einen formellen Prozess mit Ident-Schritt, Bearbeitungszeit und Rechnung geraten. Dass diese Rechnung auch dann kommt, wenn die alte Karte noch Jahre hätte laufen können, verstärkt den Eindruck, dass hier ein Systemfehler nicht dort landet, wo er entstanden ist.

Parallel steigt der operative Druck durch die schiere Menge. Die Kammern raten, schnell zu reagieren, und gleichzeitig wird eingeräumt, dass bei vielen zu tauschenden Karten längere Bearbeitungszeiten nicht auszuschließen sind. Das ist die klassische Engpass-Lage: Eine Frist wird gesetzt, während die Abwicklungskapazität begrenzt ist. Wer spät reagiert, riskiert Sperre. Wer früh reagiert, riskiert dennoch Wartezeit. In beiden Fällen hängt über dem Betrieb die Frage, ob die Karte rechtzeitig da ist.

Die genannte Größenordnung – rund 80.000 betroffene eHBA – macht deutlich, dass es nicht um Einzelfälle geht. Je größer die Welle, desto größer das Risiko, dass das Problem nicht nur einzelne Apothekerinnen und Apotheker trifft, sondern ganze Prozesse in der Fläche. Wenn ein Teil der Signatur- und E-Rezept-Funktionalität zeitgleich wackelt, wird die TI-Stabilität wieder zur Alltagserfahrung, nicht zur IT-Legende.

Dass D-Trust inzwischen auf Chips eines anderen Herstellers umgestellt hat, wirkt wie die leise Bestätigung, dass es nicht bei einem Randphänomen geblieben ist. Die Ursache wird im Stoff über einen betroffenen Chiptyp beschrieben; für die Betroffenen ist das jedoch zweitrangig. Im Betrieb zählt nicht, welcher Chip welche Schwachstelle hatte, sondern ob am Ende der Zugang funktioniert, ohne dass man nebenbei in ein Gebührenregime rutscht.

In der ersten Erzählspur ist der Kartentausch eine reine Sicherheitsmaßnahme: Risiko erkannt, Risiko geschlossen, Ende. In der zweiten Erzählspur zeigt sich die Systemseite: Wer trägt die Folgekosten eines Sicherheitsproblems, wenn das Sicherheitsniveau nur durch Austausch zu erreichen ist. Die 500 Euro sind dabei nicht nur ein Betrag, sondern ein Signal. Er steht für das Gefühl, dass eine Pflichtmaßnahme privat finanziert wird, obwohl der Nutzen systemisch ist.

Die Austauschaktion wird deshalb weniger an der Formulierung der Sicherheitswarnung gemessen als an der praktischen Abwicklung. Tempo, Transparenz und Kostenzuordnung entscheiden darüber, ob der Vorgang als notwendige Stabilisierung oder als zusätzliche Belastung wahrgenommen wird. Für die Betriebe zählt allein, ob Signatur, Rezeptabruf und TI-Zugang ohne Unterbrechung weiterlaufen.

 

Apothekenreform prüft PTA-Vertretung, Praxis warnt vor Light-Modell, Verantwortung bleibt strittig.

Helga Schick spricht ohne Pathos, aber mit der Ruhe von vier Jahrzehnten im Handverkauf. Sie würde sich die Chefvertretung zutrauen, sagt sie, und man glaubt ihr das sofort. Gleichzeitig setzt sie eine klare Grenze: Eine Apotheke ganz ohne Apotheker, wochenweise geführt wie ein Selbstbedienungsmarkt, das sei ein „No-Go“. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Reformdebatte – zwischen praktischer Entlastung und strukturellem Tabubruch.

Das Bundesgesundheitsministerium hält an der Idee einer befristeten Vertretung durch PTA fest, auf Probe und vor allem auf dem Land. Der Fachkräftemangel drückt, besonders in Regionen, in denen die Personaldecke ohnehin dünn ist. Die Erprobung soll Luft verschaffen, nicht das Leitbild kippen. Doch genau hier beginnt die eigentliche Auseinandersetzung: Wie weit darf Entlastung gehen, ohne das Berufsbild zu verschieben?

Schick beschreibt eine Lösung, die bewusst klein bleibt. Kein wochenweiser Ersatz, sondern klar definierte Zeitfenster: ein Nachmittag, ein Nacht- oder Notdienst, ein paar Stunden, in denen die Leitung telefonisch erreichbar ist. Das ist ein anderes Bild als das Schlagwort „Light-Apotheke“. Es ist eine pragmatische Antwort auf Ausfälle, keine neue Struktur. Entscheidend sei, dass Erfahrung und Weiterbildung Voraussetzung werden – mindestens zehn Jahre Berufspraxis nennt sie als Maßstab.

Damit rückt die Debatte von der bloßen Frage „Dürfen PTA vertreten?“ weg hin zur Frage „Unter welchen Bedingungen?“ Weiterbildung, digitale Zugänglichkeit der Kurse, keine Hürden durch zentrale Präsenzformate mit hohen Reisekosten. Wenn Qualifizierung Voraussetzung ist, darf sie nicht selbst zum Engpass werden. Und wenn Verantwortung wächst, dann müsse sich das auch im Gehalt widerspiegeln. Sonst bleibt das Modell eine Last ohne Anreiz.

In der ersten Erzählspur geht es um Personal und Versorgungssicherheit. In der zweiten Erzählspur geht es um Haftung und Wahrnehmung. Wer trägt die Verantwortung, wenn in einer Vertretungsphase ein Fehler passiert? Wie wird die Rolle der Apothekerkammern geregelt, wenn kurzfristige Einsätze möglich sein sollen, ohne jedes Mal eine Genehmigung einzuholen? Schick plädiert für Meldepflicht statt Einzelfall-Erlaubnis – weniger Bürokratie, mehr Klarheit.

Auffällig ist, dass die Diskussion nicht nur defensiv geführt wird. Schick sieht auch Potenzial bei pharmazeutischen Dienstleistungen. PTA führen bereits bestimmte Beratungen durch, etwa bei Inhalativa. Hier könne man weiter öffnen, sagt sie, ohne die Kernverantwortung der Apothekerinnen und Apotheker zu untergraben. Das ist eine andere Stoßrichtung als die Leitungsfrage, aber sie hängt damit zusammen: Mehr Kompetenz im Alltag stärkt die Argumentation für punktuelle Vertretung.

Gleichzeitig bleibt die Sorge, dass aus einer befristeten Erprobung ein schleichender Standard werden könnte. Was heute als Ausnahme gedacht ist, könnte morgen zur Regel greifen, wenn wirtschaftlicher Druck steigt. Genau deshalb ist die Wortwahl „auf Probe“ so wichtig – und zugleich so fragil. Probeläufe in der Versorgung neigen dazu, sich zu verstetigen, wenn sie erst einmal funktionieren.

Die Reformidee bewegt sich damit in einem sensiblen Korridor. Wird die Vertretung klar begrenzt, qualifiziert und vergütet, kann sie Entlastung schaffen. Werden die Leitplanken unscharf, entsteht eine Debatte über Verantwortung und Berufsbild, die über einzelne Notdienste hinausreicht.

 

Lieferketten als Staatsaufgabe, Philippi besucht TAD, GMK setzt Resilienz nach vorn.

Wenn ein Gesundheitsminister durch eine Produktionshalle geht, ist das selten nur Fototermin. Dr. Andreas Philippi, in diesem Jahr Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz, stellt seinen Besuch beim Generikahersteller TAD in einen größeren Rahmen: Resilienz in der Arzneimittelversorgung soll auf der GMK sichtbar nach oben rücken. Das Wort fällt nicht als Floskel, sondern als politischer Anspruch, der aus Lieferengpässen und Abhängigkeiten gelernt haben will.

Seine zentrale Setzung ist bemerkenswert schlicht: leistungsfähige Produktion und gut abgestimmte Logistik seien von hoher Priorität für verlässliche Versorgung und für die Stabilität des Gesundheitssystems. Damit wird ein Perspektivwechsel markiert. Nicht nur Preis, Erstattung, Rabattvertrag, sondern auch Produktionskapazität, Standortlogik und Transportfähigkeit werden zu harten Variablen, die über Versorgung entscheiden.

Der Stoff, auf den Philippi sich stützt, ist bekannt, aber in dieser Kombination politisch wirksam. Lieferengpässe treten nicht mehr als „Störung“ auf, die man wegmoderiert, sondern als Strukturproblem einer globalen Arbeitsteilung. Wenn Wirkstoffe und Vorprodukte in wenigen Regionen konzentriert sind, genügt ein Bruch in Transport, Energie, Geopolitik oder Qualitätssicherung, und das System wird nervös. Genau an dieser Stelle setzt seine Forderung an: deutsche und europäische Produktionskapazitäten stärken, externe Abhängigkeiten reduzieren, Lieferketten strukturell widerstandsfähiger machen.

TAD dient dabei als Beispielerzählung. Ein Hersteller vor Ort, Einblick in die Herstellung, die Botschaft: Es geht, wenn man es will und wenn Rahmenbedingungen passen. Der Werksbesuch soll zeigen, dass Arzneimittelproduktion nicht nur Industriepolitik ist, sondern Versorgungspolitik. Das klingt banal, ist aber in einem System, das jahrzehntelang vor allem über Kostendämpfung organisiert wurde, eine Reibung.

Denn Resilienz hat eine unbequeme Eigenschaft: Sie kostet Geld, bevor sie Nutzen zeigt. Produktionskapazitäten aufzubauen oder zu halten bedeutet Investitionen, Redundanz, möglicherweise höhere Stückkosten. Gleichzeitig erwarten Politik und Kassen oft den kurzfristigen Effekt niedriger Preise. Philippis Ansatz steht damit automatisch im Zielkonflikt, auch wenn er ihn nicht ausbuchstabiert: Wer Resilienz will, muss erklären, wie sie finanziert und gesteuert wird, ohne dass am Ende nur ein Leitbild übrig bleibt.

Gerade deshalb ist die GMK-Ankündigung mehr als ein Satz. Die Gesundheitsministerkonferenz kann zwar keine Gesetze machen, aber sie kann Agenda setzen, Erwartungsdruck erzeugen und Bund-Länder-Linien sortieren. Wenn Resilienz dort zum Schwerpunkt wird, ist das ein Signal an mehrere Adressaten: an das BMG, an Beschaffer und Kostenträger, an die Industrie, aber auch an die Versorgungsakteure, die jeden Engpass in der Fläche ausbaden.

In der ersten Erzählspur wirkt Philippi wie der Minister, der die Engpassjahre in eine politische Sprache übersetzt. In der zweiten Erzählspur wirkt er wie jemand, der die Architektur des Systems verschieben will: weg von der Idee, dass Markt und Globalisierung schon liefern werden, hin zu einer Versorgung, die sich selbst als kritische Infrastruktur begreift. Diese zweite Spur ist der eigentliche Kern, weil sie die Frage aufmacht, ob Deutschland und Europa bereit sind, Versorgungssicherheit als strategisches Gut zu behandeln, nicht nur als Ergebnis von Ausschreibungen.

Das Risiko liegt dabei nicht im Wort „Resilienz“, sondern in seiner Verwässerung. Wenn die Prioritätserklärung keine Instrumente nach sich zieht, wird der Werksbesuch zur Kulisse. Wenn sie aber in konkrete Pfade übersetzt wird, entstehen sofort Folgefragen: Welche Wirkstoffe, welche Produktionsstufen, welche Lager- und Logistikreserven, welche Vergütungs- oder Anreizmodelle, welche Anforderungen an Daten und Transparenz entlang der Kette. Genau dort entscheidet sich, ob Resilienz als Politikfeld ernst gemeint ist.

Die Priorisierung von Resilienz wird sich daran messen lassen müssen, ob aus der politischen Setzung konkrete Instrumente folgen. Produktionskapazitäten, Lagerhaltung und Lieferkettenstruktur sind keine abstrakten Leitbilder, sondern Investitionsentscheidungen. Zwischen Kostendruck und Versorgungssicherheit verläuft die eigentliche Konfliktlinie.

 

Maskendeals kippen in Prozessrisiko, EY belastet Fiege, Spahn bleibt im Sog.

Die Maskenaffäre lässt sich nicht totstellen, weil sie längst nicht mehr nur politischer Stoff ist. Sie ist juristisch geworden, teuer geworden und sie hängt an Prozessen, die man in der Krise unterschätzt hat: Avisierung, Wareneingang, Daten, Fristen. Jetzt kommt ein neues Element hinzu, das wie ein Keil in die offizielle Erzählung wirkt: Ein internes Papier der Beratungsgesellschaft EY soll den Logistiker Fiege früh als Problemknoten identifiziert haben – während die Bundesregierung später auf parlamentarische Fragen teils mit Formeln reagierte, nach denen keine Erkenntnisse vorlägen.

Der Konflikt beginnt mit einer scheinbar technischen Frage: Warum wurden Maskenhändler verspätet bezahlt, und wer trug daran Anteil? Die Antwortlinie im politischen Raum lautete: nichts bekannt, laufende Verfahren, Verweis auf alte Drucksachen. Doch der Spiegel berichtet von einem Dokument, das genau diese Unkenntnis untergräbt. Wenn EY bereits 2020 auf ein „beachtenswertes Prozessrisiko“ hingewiesen hat, dann ist das nicht nur eine Sachinformation. Es ist eine Aussage über Governance: Wer wusste was, wann, und warum wurde dennoch nicht konsequent reagiert.

Was im Kern beschrieben wird, wirkt wie das Protokoll eines überlasteten Systems. Lastwagen stauen sich vor Lagern, weil Liefertermine nicht sauber vereinbart werden können. Händler sollen Ware „fristgerecht und korrekt“ avisieren, doch der Prozess ist offenbar so unklar oder so überfordert, dass Streitfälle entstehen, bevor überhaupt gezählt wird. Zeitweise sollen über 400 unbearbeitete Anfragen aufgelaufen sein, die nur ein Ziel hatten: einen Anliefertermin zu bekommen. Das ist nicht der Rand, das ist der Eingang in das System.

Noch schwerer wiegt die Datenebene. Die Erfassung der gelieferten Masken sei in hohem Maße unvollständig, zeitverzögert und fehlerhaft gewesen, heißt es. Und trotz Zusicherung soll Fiege dem Bund zum größten Teil keine verwertbaren Wareneingangsdaten geliefert haben. In der Krise wirkt so etwas wie ein IT-Problem; im Rechtsraum ist es ein Beweisproblem. Wer nicht sauber dokumentiert, wann was eingegangen ist, verliert Zeit, verliert Fristen, verliert Hebel.

Der Stoff nennt eine Zahl, die zeigt, wie sehr die Verwaltung am Nacharbeiten war: Bis zum Tag des EY-Reports seien „1060 Einzelsachverhalte und Rückfragen“ an Fiege adressiert worden. Das ist ein Bild von Dauerintervention statt Steuerung. Und es erklärt, warum Vertragsrechte, etwa Rücktrittsrechte, nicht einfach „ausgeübt“ werden: Sie hängen an Nachweisen, an Fristen, an geordneten Prozessketten. Wenn die Kette reißt, werden Rechte zwar theoretisch vorhanden, praktisch aber schwer durchsetzbar.

Aus diesem Prozessversagen ist eine Klagewelle entstanden. Mehr als 100 Maskenhändler verklagen den Bund auf Milliardenzahlungen. Die Streitfrage ist oft banal und deshalb so gefährlich: Wann konnte die Ware angeliefert werden, wer hat was wann angekündigt, wer hat es angenommen, wer hat es erfasst. In normalen Zeiten klärt man das im Wareneingang. In dieser Affäre wird daraus eine Milliardenfrage, weil Verzugsschäden im Raum stehen und weil jede unsaubere Schnittstelle die Angriffsfläche vergrößert.

Das führt zurück zu Jens Spahn, der damals als Gesundheitsminister den Logistiker aus seinem Nachbarwahlkreis beauftragen ließ. Sein Name bleibt in der Erzählung, weil die Entscheidung personifiziert ist, auch wenn die Schäden am Ende prozessual entstehen. Politisch wird das jetzt wieder aufgeladen: Die Grünen verweisen auf ihre 90 Fragen, auf dürftige Antworten, und sie drehen die Schraube mit dem Vorwurf, es gebe eine Diskrepanz zwischen Aktenlage und Kommunikation. Paula Piechotta spricht von „Listen“, die Fehler aufzählen sollen; Janosch Dahmen legt die Messlatte auf Verantwortung und Konsequenzen.

Fiege wiederum weist die Vorwürfe zurück und erklärt, man habe sie widerlegt. Das ist wichtig, weil es zeigt, wie offen die Auseinandersetzung juristisch bleibt. Aber selbst wenn einzelne Behauptungen strittig sind, bleibt das Grundproblem bestehen: Der Bund soll bereits 2020 Hinweise auf Risiken gehabt haben, zugleich wurde später die Kenntnis verneint oder in Nebel verpackt. Dieser Widerspruch ist der eigentliche Sprengsatz, weil er Vertrauen beschädigt, unabhängig vom Ausgang einzelner Verfahren.

In der ersten Erzählspur ist das die nächste Episode einer Corona-Nachgeschichte. In der zweiten Erzählspur ist es eine Lektion darüber, wie Krisenbeschaffung in Rechtsstaatlichkeit zurückfällt. Ein Staat kann in der Not schnell kaufen, schnell beauftragen, schnell lagern – aber er kann nicht schnell die Beweislastregeln abschalten. Wenn Prozesse und Daten nicht stimmen, wird aus Tempo später ein Kostentreiber. Die Rechnung kommt verzögert, aber sie kommt in Form von Klagen, Vergleichsdruck und politischer Erosion.

Der Maskenkomplex zeigt, wie eng Entscheidung, Logistikdesign und Dokumentation miteinander verknüpft sind. Wenn Schnittstellen nicht belastbar sind, entstehen Beweisprobleme, die erst Jahre später sichtbar werden. Prozessrisiken wachsen nicht spektakulär, sondern schleichend – bis sie in Gerichtssälen auftauchen.

 

Chronische Wunden blockieren im Biofilm, Würzburger Team setzt Probiotika ein, Pseudomonas verliert Halt.

Chronische Wunden sind kein Randthema, sie sind ein stilles Massenproblem. Im Stoff steht die Zahl von rund 900.000 Betroffenen in Deutschland, und sie passt zu dem Eindruck aus der Versorgung: Das sind Patientinnen und Patienten, die immer wieder kommen, die lange versorgt werden, die Ressourcen binden und bei denen am Ende oft nicht die Größe der Wunde entscheidet, sondern der Mechanismus dahinter. Einer dieser Mechanismen heißt Pseudomonas aeruginosa – ein Keim, der sich nicht nur einnistet, sondern sich schützt.

Der Schutz ist kein abstraktes Wort, sondern ein Biofilm, eine Art Barriere, die den Zugriff erschwert. Immunzellen, Antibiotika, Antiseptika erreichen den Erreger schlechter. Gleichzeitig arbeitet der Keim aus diesem Milieu heraus gegen die Heilung: Er setzt Toxine und Enzyme frei, die gesundes Gewebe abbauen und Zellen schädigen, die für die Regeneration gebraucht werden. Die Folge ist eine Wunde, die in einer Entzündungsphase festhängt, als hätte jemand die Uhr angehalten.

Genau hier setzen die Würzburger Forschenden an, und der Ansatz ist so ungewöhnlich wie pragmatisch: probiotische Milchsäurebakterien, also lebende Mikroorganismen, die man sonst eher mit Darm und Vaginalflora verbindet. In der beschriebenen Fallbeobachtung wurde ein Lactobacillus-haltiges Pulver eingesetzt, und die Ergebnisse klingen fast zu glatt, um nicht skeptisch zu werden: Nach einer Behandlungsdauer von ein bis zwei Wochen war Pseudomonas in Kontrollabstrichen nicht mehr nachweisbar, gleichzeitig zeigte sich neues Gewebe.

Der Ansatz wirkt nicht wie „wir töten den Keim“, sondern wie „wir nehmen ihm die Bühne“. Lactobazillen sollen den Biofilm stören, den Erreger verdrängen und die interzelluläre Kommunikation des Problemkeims schwächen. Wenn der Biofilm seine Stabilität verliert, verliert Pseudomonas den Vorteil, den er in chronischen Wunden so gnadenlos ausspielt: die Distanz zu allem, was ihn sonst erreicht. Dazu kommt, dass Entzündungen reduziert werden sollen und Zellen der Wundheilung aktiviert werden. Im Stoff wird unter anderem Interleukin-6 als Signalpfad genannt, der die Aktivität von Haut- und Bindegewebszellen ankurbelt.

Die beschriebenen Fälle geben dem Ganzen eine klinische Kontur. Ein Patient litt an Pyoderma gangraenosum, einer seltenen, autoimmunvermittelten Erkrankung, die zwar Geschwüre erzeugt, aber keine klassische Infektion ist. Der andere hatte ein venöses Beingeschwür. Beide Wunden waren mit Pseudomonas besiedelt. Die Versorgung blieb handwerklich nachvollziehbar: tägliche Reinigung mit steriler Kochsalzlösung, nicht haftende Wundauflage, beim venösen Ulkus zusätzlich mehrschichtige Kompression. Und darüber hinaus die tägliche Behandlung mit einem Präparat mit Milchsäurebakterien in hoher Keimzahl.

Das klingt zunächst nach einem Zusatz, den man „auch noch“ macht. Aber genau diese Ergänzungslogik ist der Punkt. Probiotika könnten, wenn sich der Effekt bestätigt, eine Lücke schließen: Biofilme sind in der Praxis oft der Grund, warum klassische Maßnahmen zwar ordentlich aussehen, aber nicht durchschlagen. Wenn ein relativ einfacher Zusatz den Biofilm destabilisiert, könnte das Wundmanagement an Geschwindigkeit gewinnen, ohne automatisch in die nächste Antibiotikarunde zu rutschen. Im Stoff wird explizit darauf verwiesen, dass ein solcher Ansatz das Risiko von Antibiotikaresistenzen nicht in derselben Weise antreibt wie wiederholte antimikrobielle Eskalation.

Gleichzeitig ist die Warnung im Material wichtig, weil sie das Thema vor der falschen Euphorie schützt. Lebende Probiotika bergen theoretische Risiken, betont die Autorin, und deshalb sei ärztliche Überwachung notwendig. Das ist keine Floskel. Eine Wunde ist kein steriler Versuchsraum, sondern ein vulnerables Milieu, oft bei Menschen mit Diabetes, Gefäßproblemen, Immunsuppression oder multiplen Begleiterkrankungen. Was bei zwei Fällen gut aussieht, muss in breiten Studien erst zeigen, dass es sicher und reproduzierbar bleibt.

In der ersten Erzählspur ist das eine faszinierende Biologiegeschichte: ein Keim baut einen Schutzschild, andere Bakterien stören ihn, die Wunde kommt wieder in Bewegung. In der zweiten Erzählspur ist es eine Versorgungsgeschichte über Pragmatismus und Grenzen. Wenn die Methode funktioniert, wird sie nicht deshalb relevant, weil sie spektakulär ist, sondern weil sie in ein Setting passt, das ohnehin aus täglichen Routinen besteht. Ein Pulver, ein zusätzlicher Schritt, ein überschaubarer Aufwand – das ist im Alltag oft mehr wert als die perfekte Hightech-Idee, die niemand implementiert.

Die beschriebenen Mechanismen liefern einen plausiblen biologischen Hebel, ersetzen jedoch keine breitere Evidenz. Entscheidend wird sein, ob sich der Effekt in größeren Studien reproduzieren lässt und unter welchen Sicherheitsbedingungen der Ansatz tragfähig bleibt. Zwischen Fallbeobachtung und Standardtherapie liegt ein Prüfweg, der noch gegangen werden muss.

 

Bauchschmerz trifft tiefer, Bochumer Studie misst Empathie, Nähe verstärkt den Effekt.

Es ist eine dieser Alltagsbeobachtungen, die man selten sauber ausspricht: Bauchschmerz wirkt anders als eine verbrannte Fingerspitze. Nicht nur, weil es „innen“ ist, sondern weil es sich bedrohlicher anfühlt, schwerer zu greifen, schwerer zu ignorieren. Genau dieses Gefühl nimmt eine Forschungsgruppe der Ruhr-Universität Bochum als Ausgangspunkt und zeigt, dass der Unterschied nicht bei der eigenen Wahrnehmung endet. Er schlägt auch auf das Mitgefühl durch – und zwar deutlich.

Die Studie arbeitet mit einer kleinen, aber klar definierten Stichprobe: 30 Teilnehmende, alle in einer Partnerschaft. Das Setting ist wichtig, weil es Nähe nicht nur behauptet, sondern strukturell im Design verankert. Die Forschenden untersuchen, wie Menschen auf Schmerzen reagieren, die als viszeral beschrieben werden – also als innere Beschwerden wie Bauchschmerzen – im Vergleich zu somatischen, äußeren Schmerzen wie einer Verbrennung. Das Ergebnis im Stoff ist eindeutig: Innere Schmerzen rufen stärkere empathische Reaktionen hervor.

Bemerkenswert ist, dass der Effekt nicht an die Realität des Moments gebunden ist. Es spielt offenbar keine entscheidende Rolle, ob die Teilnehmenden den Schmerz selbst real erlebten, sich an ihn erinnerten oder ihn sich nur vorstellten. Der Körper kann im Kopf bleiben, und trotzdem reagiert das soziale System. Das deutet darauf hin, dass viszerale Signale im mentalen Modell schneller als „Bedrohung“ codiert werden, während äußere Schmerzen eher als lokal begrenztes Ereignis erscheinen, das man zwar unangenehm findet, aber leichter kontrollieren kann.

Der stärkste Verstärker ist die Nähe zur betroffenen Person. Je vertrauter die Person, desto heftiger die empathische Reaktion, heißt es. Und besonders ausgeprägt wird der Effekt, wenn Teilnehmende die Perspektive des Partners oder der Partnerin einnehmen. Das ist psychologisch naheliegend, aber als Befund trotzdem relevant: Empathie ist nicht nur ein moralisches Gefühl, sie ist ein Mechanismus, der unter bestimmten Bedingungen regelrecht anspringt – und „innen“ plus „nah“ scheint eine solche Bedingung zu sein.

Die Forschenden leiten daraus Hinweise ab, wie innere körperliche Bedrohungen psychosoziale Prozesse beeinflussen. Das klingt akademisch, hat aber eine praktische Spitze. In der Versorgung erlebt man oft, dass viszerale Beschwerden nicht nur Schmerzen sind, sondern auch Unruhe auslösen: bei Betroffenen, aber genauso bei Angehörigen. Wenn das Mitgefühl stärker ist, ist die Belastung stärker. Und wenn die Belastung stärker ist, verändern sich Kommunikation, Geduld, Konflikte und die Bereitschaft, Hilfe zu organisieren.

Das bedeutet nicht automatisch etwas Gutes. Mehr Empathie kann unterstützen, aber sie kann auch überfordern, gerade bei Personen, die ohnehin Pflege- oder Sorgearbeit leisten. Wenn der Partner mit Bauchschmerz leidet und die andere Person „mit-leidet“, entsteht eine doppelte Belastung, die in Haushalten schnell zu Erschöpfung führen kann. Der Befund liefert damit auch einen Erklärrahmen, warum bestimmte Beschwerden im Umfeld mehr Unruhe erzeugen als andere, obwohl die medizinische Dringlichkeit nicht zwingend höher ist.

In der ersten Erzählspur ist das eine Studie über Schmerzqualität und Empathie. In der zweiten Erzählspur ist es eine Studie über Beziehungssysteme. Viszeraler Schmerz ist oft diffus, schwer zu lokalisieren, schwer zu vergleichen, und genau diese Diffusität kann im Gegenüber Alarm auslösen: Was ist, wenn es etwas Ernstes ist? Diese Frage steckt nicht als Satz im Stoff, aber sie ist als Mechanik plausibel, weil innere Schmerzen kulturell schnell mit Gefahr assoziiert werden.

Natürlich bleiben Grenzen. Dreißig Teilnehmende sind kein Abbild der Bevölkerung, und Partnerschaft ist eine spezifische Näheform. Dazu kommt, dass Labor- und Vorstellungssettings nie eins zu eins in Klinik oder Pflegealltag übertragbar sind. Aber der Befund hat eine Stärke: Er zeigt eine Richtung, die in der Praxis ständig vermutet wird, und macht sie messbar.

Der Befund verschiebt den Blick auf das soziale Umfeld von Schmerz. Viszerale Beschwerden betreffen nicht nur den Körper der Betroffenen, sondern verändern die emotionale Dynamik in Beziehungen. Wie stark diese Resonanz im Alltag wirkt, hängt weniger von der Intensität als von der Nähe ab.

 

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Ein Tag, der wie acht verschiedene Schauplätze wirkt, zieht am Ende an denselben Nähten: Zusagen werden zu Erwartungen, Modelle werden zu Prozessen, Prozesse werden zu Haftung, und Haftung wird zu Kosten, die niemand gern übernimmt. Wenn Honorar in eine Petition übersetzt wird, geht es nicht nur um Geld, sondern um das Risiko, dass ein Versprechen öffentlich gemacht wird, bevor es politisch eingelöst ist. Wenn ein Drogerie-Frontend apothekenpflichtige Ware in den Warenkorb zieht, wird Recht zur Frage der Oberfläche: nicht nur wer versendet, sondern wie es sich für Verbraucher anfühlt, entscheidet über die Zumutbarkeit. Wenn eHBA-Karten getauscht werden müssen, zeigt sich, wie dünn der digitale Boden wird, sobald Identität und Fristen zusammenfallen und ein Betrag von rund 500 Euro plötzlich darüber entscheidet, ob Austausch als Sicherheit oder als Strafe erlebt wird. Und wenn die Reform PTA-Vertretung testet, wird aus Personalmangel ein Ordnungsproblem: Entlastung kann stabilisieren, aber sie kann auch still die Verantwortung verschieben, wenn Regeln zu weich werden. Resilienzpolitik klingt groß, doch sie wird in der Fläche an einem simplen Satz gemessen: Lieferung klappt oder nicht. Der Maskenstreit erinnert daran, dass fehlende Daten im Wareneingang später nicht nachgetragen werden können, sondern als Prozessrisiko wiederkehren. Und die Forschungsthemen setzen einen Kontrapunkt: Manchmal braucht es nicht mehr Druck, sondern einen anderen Hebel — Biofilm stören statt blind eskalieren, Empathie verstehen statt sie nur zu fordern.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Heute zeigt sich, wie schnell Versorgung von Regeln, Chips und Schnittstellen abhängt, während Politik und Praxis gleichzeitig um Tragfähigkeit ringen. Wer den Tag nur als Aneinanderreihung von Meldungen liest, übersieht das Gemeinsame: Systeme werden nicht in Reden stabil, sondern an den Stellen, an denen Prozesse, Zuständigkeit und Kosten eine eindeutige Richtung bekommen.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Heute steht die Frage im Vordergrund, wo Zusage, Recht und Technik im Alltag gleichzeitig reißen können.

 

Zurück zur Übersicht

Kontakt
Jetzt Ihr persönliches Angebot anfordern!
Rückrufservice
Gerne rufen wir Sie zurück!
Suche
  • Die Versicherung mit Konzept

    DocSecur® OMNI | Für alles gibt es eine Police - wir haben eine Police für alles.

Wir kennen Ihr Geschäft, und das garantiert Ihnen eine individuelle und kompetente Beratung

Sie haben einen Beruf gewählt, der weit mehr als reine Erwerbstätigkeit ist. Sie verfolgen im Dienste der Bevölkerung hohe ethische Ziele mit Energie, fachlicher Kompetenz und einem hohen Maß an Verantwortung. Um sich voll auf Ihre Aufgabe konzentrieren zu können, erwarten Sie die optimale Absicherung für die Risiken Ihrer Berufsgruppe.

Sie suchen nach Möglichkeiten, Ihre hohen Investitionen zu schützen und streben für sich und Ihre Angehörigen nach einem angemessenen Lebensstandard, auch für die Zukunft.

  • Die DocSecur® FLEX

    Eine flexible Versicherung für alle betrieblichen Gefahren

Unter der kostenfreien Telefonnummer 0800. 919 0000 oder Sie faxen uns unter 0800. 919 6666, besonders dann, wenn Sie weitere Informationen zu alternativen Versicherern wünschen.

Mit der DocSecur FirmenGruppe steht Ihnen ein Partner zur Seite, der bereits viele Mediziner in Deutschland zu seinen Kunden zählen darf. Vergleichen Sie unser Angebot und Sie werden sehen, es lohnt sich, Ihr Vertrauen dem Versicherungsspezialisten für Ihren Berufsstand zu schenken.

Aktuell
Ratgeber
Vergleich
Beratung
Kontakt
  • Die DocSecur® CYBER

    Eine einzige Versicherung für alle Internetrisiken

Beratungskonzept

DocSecur® RISKM: Professionelles Sicherheitsmanagement
DocSecur® CHECK: Geld sparen mit dem richtigen Überblick
DocSecur® KOMPASS: Die umfassenden Lösungen der DocSecur
DocSecur® LEITFADEN: Das Leben steckt voller Risiken - Wir begleiten Sie sicher in Ihre Zukunft
DocSecur® BUSINESS: Ihr betriebliches Sicherheitspaket
DocSecur® PRIVATE: Ihr privates Sicherheitspaket
DocSecur® TEAM: Versicherungslösungen speziell für Angestellte
DocSecur® OMNI: Eine einzige Versicherung für alle betrieblichen Gefahren
DocSecur® FLEX: Versicherungskonzept, flexibel wie Ihre Arztpraxis
DocSecur® JURA: Mit berufsständischem Rechtsschutz immer auf der sicheren Seite
DocSecur® CYBER: Eine einzige Versicherung für alle Internetrisiken

Sicher in die Zukunft – www.docsecur.de

QR Code
Startseite Impressum Seitenübersicht Lexikon Checklisten Vergleichsrechner