• 10.02.2026 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Telefonbetrug belastet Apotheken, Kommunen ringen um Versorgung, Forschung stärkt Prävention.

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DocSecur® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-Nachrichten von heute sind Telefonbetrug belastet Apotheken, Kommunen ringen um Versorgung, Forschung stärkt Prävention.

 

Heute verdichten sich Rezeptbetrug, Versorgungsdruck und Präventionsdaten zu einem Risikoatlas für Apotheken.

Stand: Dienstag, 10. Februar 2026, um 18:50 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Manchmal klingt Risiko wie ein ganz normaler Anruf: „Wir würden das gern kurz vorbestellen.“ In München reicht diese Stimme, um eine Kette aus Fälschung, Abholung und Versand anzuschieben, während Apotheken nebenbei weiter das tun müssen, was niemand in Statistiken sieht: Menschen versorgen, Engpässe erklären, Konflikte abfedern. Gleichzeitig sitzt die Versorgungspolitik im Landkreis am Tisch und merkt, wie schnell „Daseinsvorsorge“ zum Wort wird, wenn die letzte Tür im Ort nicht mehr aufgeht. Und über all dem läuft die stille Gegenbewegung: Prävention, die nicht dramatisiert, sondern über Jahre beweist, dass sie wirkt – wenn man sie rechtzeitig ernst nimmt. Der Tag fühlt sich deshalb nicht nach acht Einzelmeldungen an, sondern nach einem einzigen Prüfpunkt: Wie viel Druck hält Nähe aus, bevor Vertrauen zur Reparatur wird.

 

Telefonvorbestellungen treiben Rezeptfälschungen, Paketwege bündeln Hochpreiser, Festnahmen legen die Arbeitsteilung offen.

In München beginnt die Spur nicht mit einem großen Knall, sondern mit einer Alltagsszene, die gerade deshalb gefährlich ist: Ein Anrufer kündigt ein hochpreisiges Arzneimittel an, die Vorbestellung soll „nur kurz“ vorbereitet werden, und zwei Tage später steht jemand in der Offizin mit einem Rezept, das sich als Fälschung entpuppt. In Unterföhring fällt der Betrug auf, der Mann geht ohne Beute. Dass das Team den Bruch im Papier erkennt, ist der erste Zufall, der aus einer Routine einen Ermittlungsansatz macht.

Kurz danach wiederholt sich das Muster an anderer Stelle, diesmal am Laimer Platz. Wieder wird ein gefälschtes Rezept vorgelegt, wieder wirkt es zunächst wie ein normaler Abholvorgang, bis ein Mitarbeiter die Polizei verständigt und der Tatverdächtige noch vor Ort festgenommen wird. Ab diesem Moment lässt sich die Geschichte nicht mehr als isolierter Versuch erzählen, weil der Zugriff eine Person greifbar macht, an der weitere Fälle festgezurrt werden können.

Der Festgenommene ist 25 Jahre alt, moldauischer Staatsangehöriger und ohne festen Wohnsitz in Deutschland. Diese Details sind in Ermittlungen oft mehr als Biografie, weil sie erklären, warum Täterketten so schwer zu stoppen sind: Wer ohne festen Anker arbeitet, kann schnell wechseln, Orte tauschen, Rollen abstreifen. Genau das ist der Vorteil solcher Modelle, und genau deshalb braucht es bei der Aufklärung mehr als den einen Treffer am Tresen.

Die Ermittlungen führen von den Münchener Einzelfällen zu einem Anrufer in Berlin, der nach Polizeiangaben täglich viele Apotheken im gesamten Bundesgebiet kontaktierte. Das Telefon wird zum Drehpunkt: Nicht das gefälschte Rezept allein bringt den Erfolg, sondern die Kombination aus Vorarbeit und Taktung. Wer systematisch vorbestellt, testet Abläufe, prüft, ob Ware bereitgestellt wird, und verkürzt dann am Abholort die Zeit, in der eine Prüfung überhaupt noch möglich ist.

Sichtbar wird die zweite Ebene über Postsendungen, die aus dem gesamten Bundesgebiet nach Berlin unterwegs sind und von Ermittlern aufgegriffen werden. In den Paketen finden sich Hochpreiser, die über gefälschte Rezepte in Baden-Württemberg und Niedersachsen illegal beschafft worden sein sollen. Damit verändert sich das Bild: Es geht nicht nur um den einzelnen Abholer, sondern um eine Logistikkette, die Ware sammelt, verschickt und an anderer Stelle wieder ausgibt.

Über einen Durchsuchungsbeschluss für einen Absender wird ein 35-jähriger Ukrainer mit Wohnsitz in Hessen ermittelt; bei ihm werden Arzneimittel und gefälschte Rezepte gefunden, Untersuchungshaft folgt. Aus einer Reihe von Vorfällen wird ein arbeitsteiliges System, in dem Rollen klar verteilt sind: Anrufe, Abholung, Versand, Lager. Die Polizei beziffert den Warenwert der sichergestellten Arzneimittel und noch nicht eingelösten Rezepte auf einen sechsstelligen Bereich – eine Größenordnung, die zeigt, dass hier nicht improvisiert, sondern gerechnet wird.

Der auffälligste Baustein ist ein 15-jähriger Schüler, der als Anrufer überführt wird. Er wird am 21. November in seiner Schule festgenommen, in der elterlichen Wohnung werden das Handy und die SIM-Karte gefunden, mit denen die Anrufe gelaufen sein sollen, und nach den polizeilichen Maßnahmen wird er wieder entlassen. Für die Täterlogik ist das nicht nebensächlich: Wer den Anrufkanal auf einen Minderjährigen legt, setzt auf Unauffälligkeit, Austauschbarkeit und die Hoffnung, dass sich die Konsequenzen leichter verwässern lassen als bei einem erwachsenen Organisator.

Im Dezember folgt eine zweite Welle der Maßnahmen, diesmal mit Durchsuchungen in Berlin, weiteren Sicherstellungen und Festnahmen. Ein 25-jähriger Ukrainer wird bereits am Vortag einer Durchsuchungsserie beim Versuch erwischt, ein Rezept einzulösen; bei ihm findet sich eine Postquittung für ein Paket nach Berlin. Kurz darauf wird ein 33-jähriger moldauischer Staatsbürger ohne festen Wohnsitz bei der Abholung eines Pakets festgenommen, in seinem Zugriff liegen Packungen von Krebsmedikamenten und mehr als 20 gefälschte Rezepte in vorbereiteten Versandumschlägen – der Versand ist also kein Nebenschauplatz, sondern Teil des Designs.

Im Januar wird ein 32-jähriger Tatverdächtiger festgenommen, als er von einer mehrtägigen Beschaffungsfahrt zurückkehrt; im Auto werden Blankorezepte und gefälschte Rezepte gefunden, in den durchsuchten Räumen wird ein weiterer Tatverdächtiger beim Erstellen gefälschter Rezepte an Laptop und Drucker angetroffen. Spätestens hier wird klar, warum der Modus gefährlich bleibt, selbst wenn einzelne Personen in Haft gehen: Die Werkzeuge sind klein, die Orte wechselbar, der Ablauf standardisiert, und die Zielarzneien verschieben sich bereits – von Abnehmspritzen hin zu Krebsmedikamenten, Wachstumshormonen und Präparaten für schwere chronische Erkrankungen.

Der zweite Blick auf diese Serie liegt nicht in der Strafakte, sondern in der Belastung, die sie im Alltag erzeugt. Dieses System lebt davon, dass es die Prüfung in ein Zeitfenster presst, in dem Teams zwischen Service und Kontrolle entscheiden müssen, und dass es den Beweiswert des Augenblicks ausnutzt: Ein Anruf, eine Vorbestellung, ein Abholer – und die Hoffnung, dass irgendwann einmal niemand den Haken setzt. Dass die Ermittler von Hinweisen auf Weiterverkauf ins Ausland und nach Russland sprechen, macht die Dimension noch härter, weil damit aus dem lokalen Betrug ein grenzüberschreitender Markt wird, der neue Bestellungen und neue Listen produziert.

Und genau da liegt der Punkt, an dem solche Fälle aus dem „Krimi-Fach“ herausfallen und zur Strukturfrage werden: Wenn Betrug über Routine skaliert, wird Routine zur Angriffsfläche. Die Festnahmen zeigen, dass sich diese Ketten brechen lassen, aber sie zeigen auch, wie schnell sie sich neu zusammensetzen, wenn Telefon, Drucker und Versand wieder ineinandergreifen. Wer das unterschätzt, verhandelt am Ende nicht über einzelne gefälschte Rezepte, sondern über ein Geschäftsmodell, das sich jeden Tag neu an die engste Stelle im Ablauf anpasst.

 

Apothekenschließungen zerreißen Nahversorgung, Kommunalpolitik sucht Halt, eine fragile Struktur wird im Alltag sichtbar.

Wenn eine Apotheke schließt, wirkt das nach außen oft wie eine betriebliche Entscheidung. Für die Menschen in einer Gemeinde ist es aber eher ein Schnitt durch den Alltag: Wege werden länger, Beratung wird zur Terminfrage, und die Versorgung rutscht schleichend aus der Nähe. Genau diese Perspektive treibt Dr. Nojan Nejatian, Inhaber der Heegbach Apotheke in Erzhausen, in ein Gespräch mit dem Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg, Klaus Peter Schellhaas, und der Sozial- und Jugenddezernentin Christel Sprößler.

Nejatian setzt dabei nicht auf Nostalgie, sondern auf einen Begriff, den Kommunalpolitik sofort versteht: Daseinsvorsorge. Eine verlässliche Versorgung im direkten Lebensumfeld sei zentral für Lebensqualität, sagt er, und sie sei keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis von langfristigem politischem Engagement und stabilen Strukturen. Dass Apotheken „für immer“ schließen, ist in dieser Logik kein Randthema der Branche, sondern ein Hinweis darauf, wie schnell eine Grundstruktur kippen kann, wenn an zu vielen Stellen gleichzeitig gezogen wird.

Im Kern geht es um die Fragilität eines Netzes, das lange als gegeben galt. Der demografische Wandel verschärft das Problem, weil er die Zahl der Menschen erhöht, die kurze Wege und niedrigschwellige Hilfe brauchen, während das Netz zugleich ausdünnt. Eine Schließung in der Umgebung ist dann nicht nur ärgerlich, sondern kann einen Ort in eine Versorgungslücke schieben, die im Alltag erst sichtbar wird, wenn Medikamente fehlen, Arzttermine ausweichen und Angehörige Fahrdienste organisieren müssen.

Schellhaas wird in dem Gespräch als jemand beschrieben, der sich über Jahre konsequent für die Gesundheitsversorgung im Kreis eingesetzt habe, unter anderem durch die Gründung zweier Medizinischer Versorgungszentren. Nejatian verknüpft das ausdrücklich mit der Apothekenstruktur: MVZ und Apotheken ermöglichen schnelle, persönliche, unbürokratische Versorgung – und genau dieses „Noch!“ setzt er als Warnsignal. Es geht nicht um Schuldzuweisung, sondern um die nüchterne Frage, wie lange ein Netz trägt, wenn ein Teil nach dem anderen verschwindet.

Sprößler, als Landratskandidatin, greift den Gedanken als sozialen Auftrag auf. Sie spricht davon, heute den Grundstein für kommende Generationen zu legen, was im kommunalen Sprachraum nach Verantwortung klingt, aber auch nach Priorisierung: Was wird vor Ort wirklich als Infrastruktur behandelt, und was wird stillschweigend dem Markt überlassen? Die Apothekenfrage wird damit zu einem Prüfstein, weil sie zwischen Gesundheitspolitik, Wirtschaftlichkeit und Alltagsrealität liegt.

Nejatian bleibt dabei pragmatisch. Er bittet darum, bei Neugründungen von MVZ auch an Apotheken zu denken, die integriert werden könnten. Das ist mehr als eine Standortidee; es ist der Versuch, Versorgung räumlich und organisatorisch wieder zusammenzuziehen, damit die Wege für Patientinnen und Patienten kurz bleiben und die Schnittstellen weniger Reibung erzeugen. Gleichzeitig steckt darin die Sorge, dass neue Zentren entstehen, während die wohnortnahe Apothekenlandschaft ausdünnt und am Ende genau das verschwindet, was die Versorgung für viele erst handhabbar macht.

Die eigentliche Schärfe liegt in der Aussage, dass das Apothekensterben nicht nur ein Trend, sondern ein Strukturbeweis sei. Wenn eine Apotheke weg ist, wird sichtbar, wie viel an ihr hängt: Beratung ohne Termin, akute Versorgung im Quartier, Orientierung bei Lieferengpässen, Unterstützung für Menschen, die sich im System nicht sicher bewegen. Dass all das politisch oft erst dann zählt, wenn es fehlt, ist der Grund, warum Nejatian den direkten Kontakt zu lokalen Entscheidern sucht.

Der zweite Blick auf diese Begegnung ist weniger die Frage, ob Kommunen Apotheken „retten“ können, sondern welche Sprache sie dafür brauchen. Daseinsvorsorge ist ein starker Rahmen, aber er verlangt nach konkreten Instrumenten: Flächenplanung, Erreichbarkeitsziele, Einbindung in lokale Gesundheitsstrategien, und vor allem ein realistischer Blick darauf, was passiert, wenn ein Standort wegbricht. In dieser Perspektive wird jede Schließung zur Datenspur, die zeigt, wo das Netz bereits zu dünn ist, um Ausfälle zu verkraften.

Am Ende bleibt die politische Botschaft, die im Gespräch mitschwingt, ohne dass sie als Parole ausgesprochen werden muss: Wenn man die Grundstruktur der Apothekenversorgung nicht bewusst stabilisiert, stabilisiert sie sich nicht von selbst. Das ist keine Drohung, sondern eine Beobachtung aus der Fläche, und sie trifft deshalb so hart, weil sie nicht theoretisch ist. Sie beginnt immer gleich: mit einer Tür, die nicht mehr aufmacht, und einem Alltag, der plötzlich weiter weg liegt.

 

Thüringen testet Versorgungsläden, Telemedizin rückt in Dorfräume, Drohnenfantasien stoßen auf den Realitätscheck.

In Thüringen soll die Frage, wie Versorgung auf dem Land künftig überhaupt noch sichtbar bleibt, nicht nur in Konzeptpapieren beantwortet werden, sondern in Gebäuden. Ministerpräsident Mario Voigt beschreibt nach einer Kabinettssitzung in Eisenach „Thüringen-Läden“ als Orte, die mehr sind als ein Dorfladen. Ein Raum, der auch Arztzimmer sein kann. Und ein Schalter, der plötzlich Behörde wird.

Der Kern des Modells ist die Verdichtung knapper Infrastruktur. Ein 24-Stunden-Angebot auf der einen Seite, dazu Dienstleistungen wie Post, Apotheke oder Internetzugang zur Verwaltung auf der anderen. Das soll nicht romantisch wirken, sondern pragmatisch: Wenn Fläche fehlt, muss Funktion geteilt werden. Genau darin steckt die Verlockung.

Voigt spricht offen aus, worum es politisch auch geht: Gleichwertigkeit von Stadt und Land, nicht als Gefühl, sondern als Möglichkeit. In der Stadt kauft man am Sonntag am Bahnhof ein, im Dorf geht das meist nicht. Der „Thüringen-Laden“ soll diese Lücke im Kleinen schließen, ohne dass gleich ein komplettes Zentrum neu gebaut werden muss. Das klingt nach schneller Lösung.

Dazu passt die Idee, telemedizinische Erstaufnahmen in solche Orte zu holen. Ein eigener Raum, erste Messungen, ein digitaler Kontakt in eine Praxis oder ein MVZ. Das ist kein vollwertiger Arztbesuch, aber es kann eine Schwelle senken. Gerade dann, wenn der nächste Termin weit weg ist.

Am stärksten wirkt das Bild der Drohnenlieferung aus der Apotheke in den ländlichen Raum. Ein Paket, das nicht über Landstraße, sondern über Luftlinie kommt. Das klingt nach Zukunft. Gleichzeitig ist es ein empfindlicher Teil des Plans, weil Logistik in der Realität nicht nur Technik ist, sondern Verantwortung: Wetter, Sicherheit, Zustellung, Nachweis, Haftung, Datenschutz – und am Ende die Frage, wer den Betrieb bezahlt.

Die Regierung verankert das Vorhaben im Rahmen eines „Thüringenplan 2026“, der als Arbeitskompass dienen soll. In der Koalitionslogik ist das Modell schon länger angelegt, nun soll in diesem Jahr erstmals mit Anbietern praktisch erprobt werden. Der Zeitdruck ist spürbar. Denn jede Verzögerung lässt die klassische Fläche weiter ausdünnen.

Von der Opposition kommt deshalb der Vorwurf, bisher seien es Worthülsen statt Maßnahmen. Christian Schaft von der Linke-Fraktion kritisiert, man könne sich nicht auf den Markt verlassen, wenn es um bezahlbare Wohnungen, Energiesperren oder Arbeitsplätze gehe. Sein Punkt trifft auch die Versorgung: Ein „stimmiges Lebensgefühl“ ersetzt keine Strukturen. Ein Satz, der hängen bleibt.

Der zweite Blick auf das Konzept ist weniger technisch als sozial. Solche Multifunktionsorte können Treffpunkt werden, ja. Aber sie können auch zum Ersatzraum werden, in dem man Verwaltungen und Gesundheit so lange „hineinoptimiert“, bis am Ende niemand mehr klar sagen kann, wer wofür zuständig ist. Das ist nicht automatisch schlecht, es verlangt nur klare Regeln und verlässliche Betreiber.

Und genau dort entscheidet sich, ob Thüringen-Läden ein Pilot sind oder ein Feigenblatt. Wenn sie echte Prozesse abnehmen, Wege verkürzen und Verantwortung sauber regeln, können sie den Alltag stabilisieren. Wenn sie nur das Versprechen verteilen, dass Technik die Fläche ersetzt, bleibt am Ende eine hübsche Hülle zurück, in der die Versorgung zwar vorgesehen ist, aber nicht mehr selbstverständlich passiert.

 

Duplexregeln schlagen Bauchgefühl, Bedienungsanleitung setzt den Maßstab, grobes Mitverschulden kippt jeden Ersatzanspruch.

Wer in einer Duplex-Garage parkt, mietet nicht nur Fläche, sondern akzeptiert ein System, das nach festen Endstellungen funktioniert. Genau daran ist ein Kläger vor dem Landgericht Waldshut-Tiengen gescheitert, weil er sein Fahrzeug auf einer Hebebühne nutzte, obwohl die zulässige Maximalhöhe laut Bedienungsanleitung überschritten war. Sein Auto war 1.580 Millimeter hoch, erlaubt waren 1.500 Millimeter, und damit war das Risiko nicht abstrakt, sondern eingebaut.

Weil er wusste, dass es eng wird, versuchte der Mann die Technik mit eigener Logik zu bändigen. Er brachte am unteren Stellplatz ein Hinweisschild an, in grellen Farben, und markierte eine Zwischenposition, bis zu der der Nutzer der unteren Plattform die Hebebühne seiner Vorstellung nach hochfahren sollte. Das Problem daran: Diese Zwischenposition war gerade das, was die Anleitung untersagte, weil die Anlage konstruktiv auf die Endstellungen ausgelegt ist und nur dort die Sicherungsmechanismen vollständig greifen.

Am 18. Februar 2025 wollte der Nutzer des unteren Stellplatzes sein Fahrzeug aus der Garage holen. Dafür musste er die Hebebühne bedienen, auf der das darüber geparkte Auto stand. Er fuhr die Plattform vollständig hoch, so wie es die Anlage vorsieht, und dabei wurde das Glasdach des oberen Fahrzeugs beschädigt. Der Eigentümer verlangte später rund 3.590 Euro Reparaturkosten und zusätzlich einen Nutzungsausfall von 4.522 Euro, weil das Auto mehrere Wochen nicht zur Verfügung gestanden habe.

Vor Gericht ging es deshalb nicht um die Frage, ob die Bedienung kausal war, sondern ob sie schuldhaft war. Der Beklagte schilderte, er sei Auszubildender in einem Betrieb, der den unteren Stellplatz nutze, und er habe die Hebebühne an diesem Abend zum ersten Mal bedient. Das Hinweisschild habe er nicht gesehen, und aus seiner Position habe er auch nicht erkennen können, dass das Hochfahren das Glasdach des darüber stehenden Fahrzeugs beschädigen würde. Erst die Splittergeräusche hätten ihm gezeigt, was passiert war.

Das Landgericht wies die Klage mit Urteil vom 3. Februar 2026 (Az. 4 O 116/25) ab und verneinte einen Anspruch aus § 823 Absatz 1 BGB. Zwar sei das Eigentum des Klägers beschädigt worden, aber ein Fahrlässigkeitsvorwurf gegen den Beklagten lasse sich nicht begründen. Die Richter ordneten die Bedienung der Hebebühne als alltäglichen, automatisierten Vorgang ein, bei dem die Sicherheitsvorgaben der Bedienungsanleitung einzuhalten seien. Wer sich daran hält, dürfe darauf vertrauen, dass dadurch kein Schaden entsteht.

Damit verschiebt sich die Verantwortung dorthin, wo sie technisch hingehört. Der Nutzer einer Tiefgarage müsse nicht vor und während der Bedienung aktiv prüfen, ob andere Fahrzeuge die Maximalhöhe einhalten oder ob bei sachgemäßer Nutzung irgendwo ein Sonderrisiko lauert. Gerade weil die Anlage nach standardisierten Abläufen funktioniert, kann man nicht verlangen, dass jeder Nutzer die privaten Sonderbedingungen anderer mitdenkt, die den offiziellen Regeln widersprechen.

Auch das Übersehen des Hinweisschilds wertete das Gericht nicht als Sorgfaltspflichtverletzung. Das Schild sei klein und unauffällig gewesen, während die Bedienungsanleitung groß und in Signalfarben gestaltet sei. Ein gewissenhafter Nutzer müsse nicht damit rechnen, dass andere Personen eigene Regeln aufstellen, die die Vorgaben des Herstellers unterlaufen. Das klingt wie eine Detailfrage, ist aber im Alltag entscheidend: In gemeinschaftlich genutzten Systemen gilt die offizielle Regel, nicht die improvisierte Nebenordnung.

Selbst wenn man auf Beklagtenseite einen geringen Sorgfaltsverstoß annehmen wollte, stellte das Gericht dem ein grobes Mitverschulden des Klägers nach § 254 Absatz 1 BGB entgegen. Der Kläger wusste, dass sein Fahrzeug die zulässige Höhe überschreitet, nutzte den Stellplatz dennoch und verletzte damit seine eigene Schadenminderungspflicht in erheblichem Maß. Das selbst angebrachte Hinweisschild wurde zum Beleg dafür, dass er das Risiko kannte und in Kauf nahm.

Besonders hart ist der Nebenbefund: Nach der Bedienungsanleitung sei sogar die Nutzungsberechtigung erloschen, wenn die Sicherheitsvorgaben bewusst missachtet werden. Damit wird das Urteil zu einer Warnung, die über den Einzelfall hinausgeht. Wer technische Grenzen überschreitet und dann versucht, den Rest der Welt über selbstgemalte Regeln zu steuern, steht im Schadenfall mit leeren Händen da.

Die zweite Erzählspur liegt in der Logik, die das Gericht setzt. Es schützt nicht denjenigen, der am lautesten warnt oder am grellsten markiert, sondern denjenigen, der sich an die einzige Regel hält, die für alle sichtbar und verbindlich ist: die Bedienungsanleitung. In Zeiten, in denen viele Systeme automatisiert, standardisiert und geteilt genutzt werden, ist das mehr als Garagenrecht. Es ist ein Grundsatz darüber, wie Verantwortung verteilt wird, wenn eine private Abkürzung zur offiziellen Gefahrenquelle wird.

 

Kassen setzen auf Verträge und Lager, Hersteller warnen vor Abhängigkeit, Logistiker drängen Resilienz in die Realität.

Bei der Handelsblatt-Jahrestagung „Pharma 2026“ wirkte die Debatte über Lieferfähigkeit wie ein Streit über Begriffe, aber sie war in Wahrheit ein Streit über Risiken. Auf der einen Seite steht die Industrie, die Abhängigkeiten offen benennt und daraus einen politischen Handlungsauftrag ableitet. Auf der anderen Seite steht die Kasse, die sich Zahlen und Bestände anschaut und darin eher Beruhigung als Alarm erkennt. Dazwischen sitzt die Logistik, die das Ganze so betrachtet wie Strom aus der Steckdose: Jeder merkt erst, wie wichtig sie ist, wenn sie fehlt.

Thomas Weigold, Deutschlandchef von Sandoz/Hexal, sagt klar, dass es in bestimmten Bereichen keine Resilienz gibt, und nennt Antibiotika als Beispiel, bei denen man hochgradig von China abhängig sei. Sein Argument ist nicht diplomatisch, sondern strategisch: Es reiche nicht, das Problem im Dialog zu lösen oder in Einzelfällen zu reagieren; Europa müsse sich selbst aufstellen. Resilienz ist für ihn kein Lager, sondern eine Fähigkeit, die in Entwicklungs- und Produktionsentscheidungen steckt.

Tim Steimle, Fachbereichsleiter Arzneimittel bei der Techniker Krankenkasse, kontert mit einem Blick in die eigene Sommerlage. Man habe konkret analysiert, in welchen Bereichen man versorgt sei, und dabei festgestellt, dass Lager aufgebaut wurden, passend zu der politischen Vorgabe einer sechsmonatigen Vorratshaltung. Seine Botschaft: Es ist nicht so dramatisch, wie es dargestellt wird, und es droht eine Überhitzung der Debatte. Das Wort „Panikmache“ steht im Raum und ist nicht zufällig gewählt, weil es die Deutungshoheit über die Lage angreift.

Dr. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des BPI, widerspricht nicht nur, er verschiebt den Rahmen. Generische Industrie sei keine Prepper-Szene, sagt er, und eine pauschale Vorratshaltung ergebe für viele Geschäftsmodelle keinen Sinn. Gleichzeitig insistiert er darauf, dass die Versorgung nicht resilient sei und dass man das Thema nicht als Nebenschauplatz behandeln dürfe: Gesundheitspolitik sei Standortpolitik, und Standortpolitik werde zur Sicherheitspolitik. Wer diesen Satz sagt, will, dass Arzneimittel auf dieselbe mentale Ebene rücken wie Energie, Halbleiter oder Verteidigung.

Kerem Inanc, CEO von Alliance Healthcare Deutschland, setzt genau dort an, wo in solchen Debatten oft stillschweigend angenommen wird, es werde schon funktionieren: bei der Logistik. Einkauf, dezentrale Lagerung, Belieferung der Apotheken – das werde behandelt, als sei es selbstverständlich. Inanc widerspricht der Idee, eine sechsmonatige Lagerhaltung löse das Problem. Lager sind ein Puffer, ja, aber sie sind nicht die Struktur, die Abhängigkeiten verändert, und sie beantworten nicht die Frage, welche Szenarien man überhaupt absichern will.

Als es um Freihandelsabkommen geht, wird der Konflikt schärfer. Steimle findet das geplante Abkommen mit Indien zunächst gut, weil Kooperationen Versorgung über den wichtigen indischen Generikamarkt stabilisieren könnten. In seiner Logik sind Lieferverträge der Hebel, und wenn die Versorgung stimmt, ist die Kasse zufrieden. Weigold hält dagegen, dass ein Handelsabkommen wirtschaftspolitisch sinnvoll sein könne, für Resilienz im Generikabereich aber das Gegenteil bewirken könne, weil es neue Abhängigkeiten verstetigt. Die Frage, wer die Kosten einer Lagerhaltung bezahlt, hängt wie ein Schatten über der Runde: „Irgendwo hinschicken“ würde er die Rechnung gerne, sagt Weigold, und meint damit das System, das Resilienz fordert, aber Preis- und Vergütungslogiken stabil hält.

Im Zentrum steht dabei das Vertragsdesign. Steimle sagt, Rabattverträge hätten sich zu Lieferverträgen weiterentwickelt, und er widerspricht der These, dass Rabattverträge den Markt verengen. Joachimsen wiederum nennt Open-House-Modelle eine weichere Alternative, Steimle nennt sie „Larifari“, weil sie keine verbindliche Liefersicherheit böten. Hinter dieser Wortwahl steckt ein echter Zielkonflikt: Wettbewerb über den Preis kann die Zahl der Anbieter reduzieren, Mehranbieter-Modelle können Sicherheit erhöhen, kosten aber Geld und brauchen Regeln, die nicht nur auf Einsparung zielen.

Die Industrie zieht zur Begründung gerne die Halbleiterkrise heran. Joachimsen erinnert an die Pandemie und daran, wie er in Gremien versuchte, Ware zu horrenden Preisen zu bekommen, und er setzt die Priorität hart: Auf einen Mixer könne man verzichten, auf Arzneimittel nicht. Solche Beispiele sind nicht nur Rhetorik, sie sind ein Versuch, Resilienz als moralische und staatliche Aufgabe zu markieren. Weigold geht noch weiter und fordert, kritische Medikamente müssten Teil der Sicherheitsarchitektur Deutschlands werden, weil Abhängigkeiten in geopolitischen Konflikten Druckmittel sind.

Der zweite Blick zeigt, warum die Lagerfrage allein als Beruhigung gefährlich werden kann. Sechs Monate Bestand sind nur dann eine echte Sicherheit, wenn man vorher weiß, welche Produkte kritisch sind, wie schnell Nachschub überhaupt möglich ist und wie sich eine Krise real entwickelt. Inanc beschreibt das Risiko über die Transportwege: Ein Großteil der Weltgüter läuft über wenige Schiffe, und die Sicherheit dieser Wege hänge stark von den USA ab. Wer das ernst nimmt, erkennt, dass Resilienz nicht nur Lager im Inland ist, sondern eine Kette aus Produktion, Vorprodukten, Transport, Finanzierung und politischer Handlungsfähigkeit.

Und genau dort treffen sich die Linien, auch wenn die Akteure es ungern zugeben. Die Kassen wollen Verlässlichkeit und Planbarkeit, die Industrie will Investitionssignale und Schutz vor einem System, das immer billiger einkauft, während Regulierungskosten steigen. Die Logistik will, dass ihre Rolle als kritische Infrastruktur nicht nur rhetorisch anerkannt wird, sondern in Verträgen und Szenarien sichtbar wird. Resilienz ist am Ende keine Meinung, sondern eine Priorität, die irgendwo bezahlt werden muss, und die Frage ist nur, ob man das Geld im Frieden organisiert oder im Ernstfall hektisch sucht.

 

HPV-Impfung wirkt über Jahre gegen Krebs, frühe Impfung verstärkt den Schutz, Langzeitdaten machen Prävention messbar.

Seit 2007 ist die HPV-Impfung in Deutschland zugelassen, doch der entscheidende Nachweis ihrer Krebsprävention braucht Zeit. Gebärmutterhalskrebs entsteht langsam, und deshalb sind es gerade die langen Beobachtungsräume, die über Glaubwürdigkeit entscheiden. Jetzt liegen nach rund zehn Jahren Beobachtungszeit mehrere große Auswertungen vor, die den vorsorgenden Effekt nicht nur plausibel machen, sondern in Langzeitdaten abbilden: Die Impfung senkt das Risiko von Krebsvorstufen und kann die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs deutlich reduzieren.

Die Grundlage ist medizinisch banal und gesellschaftlich kompliziert. Humane Papillomviren sind weit verbreitet, fast jeder Mensch infiziert sich im Lauf des Lebens, und ein Teil der über 200 HPV-Typen wird sexuell übertragen. Einige Typen können Krebs auslösen, auch wenn bösartige Tumoren insgesamt selten sind. Genau diese Mischung aus Häufigkeit der Infektion und Seltenheit der schlimmsten Folge ist der Grund, warum das Thema in Familien oft aufgeschoben wird: Die Gefahr wirkt abstrakt, solange sie nicht konkret erlebt wird.

Die Impfempfehlung ist deshalb bewusst früh angesetzt. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission die Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren; bis zum 18. Geburtstag kann sie auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen nachgeholt werden. Das ist nicht nur eine organisatorische Regel, sondern ein medizinischer Hebel: Je früher die Impfung erfolgt, idealerweise vor dem ersten sexuellen Kontakt, desto stärker ist der vorbeugende Effekt, weil der Körper die relevanten Virustypen abfangen kann, bevor sie sich festsetzen.

Im Impfregime zeigt sich, dass Prävention in der Praxis auch von Details lebt. Bis 14 Jahre sind in der Regel zwei Impfungen im Abstand von fünf bis dreizehn Monaten vorgesehen. Ab 15 Jahren oder bei zu kurzem Abstand werden drei Dosen empfohlen. Für Eltern klingt das nach Kalenderarbeit, für das System ist es ein Versuch, den Schutz möglichst stabil aufzubauen, bevor Jugendliche in eine Lebensphase kommen, in der Arzttermine häufiger verschoben werden und Gesundheitsentscheidungen weniger begleitet stattfinden.

Den wissenschaftlichen Kern liefern zwei Übersichtsarbeiten und eine große Bevölkerungsstudie, die nach zehn Jahren Beobachtung den entscheidenden Schritt schaffen: Sie verbinden Impfung, weniger Vorstufen und weniger invasive Erkrankung in einem Zeitraum, der für Gebärmutterhalskrebs relevant ist. Eine große Auswertung unter dem Titel „Prophylactic vaccination against human papillomaviruses to prevent cervical cancer and its precursors“ bestätigt nach zehn Jahren, dass die Impfung nicht nur Vorstufen reduziert, sondern auch die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs verhindern kann. Für Präventionsmedizin ist das die eigentliche Währung: nicht nur ein Laborparameter, sondern ein harter Endpunkt.

Besonders deutlich wird der Vorteil in Daten, die den Zeitpunkt der Impfung berücksichtigen. In Studien aus Schweden, Schottland und Indien zeigt sich, dass Mädchen, die vor ihrem 16. Geburtstag geimpft wurden, zehn bis 14 Jahre später ein deutlich geringeres Risiko für invasive Erkrankungen haben als nicht geimpfte Mädchen. Das ist kein moralischer Appell, sondern ein Timing-Befund: Die Impfung wirkt, und sie wirkt am stärksten, wenn sie nicht „später irgendwann“ geschoben wird, sondern früh abgeschlossen ist.

Hinzu kommt ein Effekt, der gesellschaftlich schwerer zu vermitteln ist, aber politisch hochrelevant: Herdenschutz. Eine schwedische Untersuchung zur Herdenimmunität bei HPV 16 und 18 stützt die Beobachtung, dass in Altersgruppen mit hoher Impfquote auch ungeimpfte Frauen seltener schwere Zellveränderungen entwickeln. Das spricht dafür, dass die Impfung nicht nur individuell schützt, sondern die Viruszirkulation in der Bevölkerung insgesamt senkt. Prävention wird damit von der privaten Entscheidung zur kollektiven Infrastruktur.

Neben der Wirksamkeit bleibt das Sicherheitsprofil zentral, weil Vertrauen nicht allein aus Zahlen wächst. Eine weitere Übersichtsarbeit zur Wirksamkeit und Sicherheit prophylaktischer HPV-Impfstoffe mit über 157.000 Teilnehmenden aus 60 Studien bestätigt, dass die Präparate zuverlässig vor Infektionen schützen und die Zahl der Vorstufen senken. Die typischen Nebenwirkungen sind lokal und kurzfristig, etwa Schmerzen, Schwellungen oder Rötung an der Einstichstelle. Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen traten nicht häufiger auf als nach einer Scheinimpfung. Das ist die nüchterne Nachricht, die vielen Debatten den Boden entzieht.

Der zweite Blick auf diese Daten zeigt, warum die HPV-Impfung ein Lehrstück für moderne Prävention ist. Der Nutzen entsteht zeitversetzt, er lässt sich nicht in einem Quartal bilanzieren, und er hängt an einer Lebensphase, in der Jugendliche gesund sind und deshalb selten „dringend“ wirken. Genau diese Konstellation macht Prävention im Alltag fragil. Gleichzeitig zeigen die Langzeitdaten, dass frühe, konsequente Impfprogramme nicht nur einzelne schützen, sondern die Krankheitslast in der Bevölkerung verschieben können. Damit wird aus einer Impfung, über die man diskutiert, ein Instrument, das über Jahre hinweg stille Arbeit leistet und gerade dadurch seine Stärke beweist.

 

Adipositas verschärft Infektionen bis zum Tod, große Kohorten zeigen den Sprung, Prävention wird zur Kapazitätsfrage im System.

Dass starkes Übergewicht bei Covid-19 schwere Verläufe begünstigt, ist vielen in Erinnerung geblieben. Neu ist an der jetzt ausgewerteten Datenlage weniger die Intuition als die Breite: Eine Analyse von Gesundheitsdaten aus Großbritannien und Finnland mit insgesamt mehr als 540.000 Patientinnen und Patienten zeigt, dass Adipositas nicht nur bei einem einzelnen Virus, sondern bei Infektionen insgesamt mit einem deutlich höheren Risiko für Krankenhausaufenthalt und Tod verbunden ist. Der Befund ist damit weniger pandemiespezifisch als grundsätzlich.

Die Studie, veröffentlicht in The Lancet, arbeitet mit einem klaren Stufenbild. Leichtes Übergewicht erhöht das Risiko schwerer oder tödlicher Infektionsverläufe nur moderat, in den Daten um etwa zehn bis dreizehn Prozent. Ab Adipositas der Kategorie 1 wird der Sprung deutlich: Der Anstieg liegt in den analysierten Populationen bereits bei knapp der Hälfte über dem Risiko normalgewichtiger Personen. Am drastischsten ist der Effekt bei Adipositas der Kategorie 3, also einem Body-Mass-Index ab 40, wo das Risiko etwa drei Mal so hoch ist wie bei Normalgewichtigen. Das Entscheidende ist nicht die absolute Zahl, sondern die Form der Kurve: Sie steigt nicht gleichmäßig, sondern kippt in einem Bereich, der klinisch längst als Hochrisiko gilt.

Die Autoren nehmen damit eine Frage ernst, die nach Covid offen blieb. Damals war unklar, ob das höhere Risiko bei Übergewicht eine Besonderheit des Sars-CoV-2-Virus war oder ob es ein breiteres Muster beschreibt. Indem die Analyse verschiedene Infektionen in großen Datenbanken betrachtet, wird die Antwort plausibler: Adipositas ist nicht nur ein Begleitfaktor, sondern ein Risikotreiber, der die Wahrscheinlichkeit schwerer Verläufe grundsätzlich erhöht.

Die Erklärung wird vorsichtig formuliert, weil die Daten vor allem Zusammenhänge zeigen. Dennoch ist die biologische Plausibilität stark: Adipositas kann die Immunabwehr schwächen, sie geht mit Insulinresistenz und erhöhter Blutzuckerlast einher, und sie erzeugt chronische, unterschwellige Entzündung. Dazu kommt ein Milieu, das Keimen günstige Bedingungen bieten kann. Die Forscher betonen gleichzeitig, dass die genauen Ursachen nicht vollständig geklärt sind, was in der Öffentlichkeit manchmal als Unsicherheit missverstanden wird. In der Praxis bedeutet es vor allem: Der Zusammenhang ist robust, die Mechanik ist plausibel, aber nicht auf einen einzigen Hebel reduzierbar.

Interessant ist, dass andere Einflussgrößen das Bild kaum verwässern. Geschlecht, Alter oder sozioökonomischer Status veränderten das Ergebnis nur wenig, was den Befund weniger als Lifestyle-Zuschreibung erscheinen lässt, sondern eher als strukturelles Risiko, das sich quer durch Gruppen zieht. Das macht die Schlussfolgerung unbequem: Wenn der Effekt nicht „nur“ ein Thema bestimmter Milieus ist, muss Prävention breiter gedacht werden.

Die Forscher übertragen ihre Erkenntnisse außerdem auf internationale Krankheitslastdaten, um abzuschätzen, wie viele Todesfälle nach Infektionen mit Adipositas zusammenhängen könnten. Für Deutschland wird für das Jahr 2023 ein Anteil genannt, der deutlich macht, dass es nicht um Einzelfälle geht, sondern um eine relevante Größenordnung im Gesamtgeschehen. Gleichzeitig zeigen internationale Vergleiche, dass Länder sehr unterschiedlich betroffen sind. Das ist politisch heikel, weil es sofort in Rankings und Schulddebatten rutscht, aber epidemiologisch sinnvoll, weil es zeigt, wie stark Prävalenz und Versorgungssysteme die Last beeinflussen.

Im Hintergrund verändert sich auch das Bild von Fettgewebe. Es ist nicht nur „Speicher“, sondern ein aktives Organ, das Botenstoffe produziert und damit im ganzen Körper wirkt. Besonders das viszerale Bauchfett spielt dabei eine Rolle. Diese Erkenntnis ist längst nicht neu, aber sie erklärt, warum Übergewicht nicht nur das Herz-Kreislauf-System oder den Stoffwechsel betrifft, sondern auch die Reaktionsfähigkeit auf Infektionen. Wer das einmal verstanden hat, sieht in den Zahlen weniger Überraschung und mehr Konsequenz.

Die Autoren warnen, dass sich die Situation verschärfen könnte, weil die Adipositasraten weltweit voraussichtlich steigen. Damit wächst nicht nur ein individuelles Gesundheitsrisiko, sondern auch eine Systemlast: mehr schwere Verläufe, mehr Krankenhausaufenthalte, mehr Intensivkapazität, mehr Reha-Bedarf. Das klingt abstrakt, ist aber im Alltag der Kliniken ein sehr konkretes Problem, weil Infektionswellen ohnehin in kurzen Zeitfenstern drücken und nicht freundlich auf Personal- oder Bettenpläne warten.

Der zweite Blick auf die Studie ist deshalb kein moralischer, sondern ein organisatorischer. Wenn Adipositas die Schwere von Infektionen systematisch nach oben verschiebt, dann verändert sich die Risikoverteilung im Gesundheitssystem. Prävention wird dann nicht nur „nice to have“, sondern ein Mittel, um Kapazitäten zu schützen. Gleichzeitig muss jede Kommunikation aufpassen, nicht in Stigmatisierung zu kippen, weil Schuldzuweisungen Prävention eher blockieren als fördern. Die nüchterne Schlussfolgerung lautet: Adipositas ist ein eigenständiger Verstärker schwerer Infektionsverläufe, und wer das ignoriert, plant Versorgung mit einem zu optimistischen Blick auf die nächste Welle.

 

Meningokokken treffen Säuglinge hart, Berlin meldet einen Todesfall, Impfempfehlungen rücken in den Fokus.

Ein seltener Erreger wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft erst dann real, wenn er plötzlich in einer Familie auftaucht. In Berlin ist ein etwa drei Monate altes Baby nach einer Meningokokken-Infektion gestorben, wie es in einem Bericht des Landesamts für Gesundheit und Soziales beschrieben wird. Der Fall ist medizinisch tragisch und organisatorisch aufwühlend, weil er zeigt, wie schnell aus unspezifischen Symptomen ein akuter Notfall werden kann.

Nach den Angaben kam der Säugling am 24. Januar in eine Notaufnahme; die Situation entwickelte sich rasch, und das Kind verstarb im Krankenhaus. Eine Sprecherin bestätigte, dass der Tod einen Tag nach der Aufnahme eingetreten sei. Schon diese wenigen Sätze machen klar, warum Meningokokken trotz ihrer Seltenheit als besonders gefährlich gelten: Der Verlauf kann in sehr kurzer Zeit kippen.

Hinzu kommt, dass in dem beschriebenen Umfeld ein weiteres, mit dem Säugling verwandtes dreijähriges Kind wenige Tage später ebenfalls erkrankte. Das Kind entwickelte schwere Komplikationen und wurde intensivmedizinisch behandelt, der Zustand habe sich inzwischen stabilisiert. Bei solchen Konstellationen rückt neben der individuellen Behandlung automatisch das Umfeld in den Blick, weil Infektionen, die über Tröpfchen übertragen werden, Kontaktketten erzeugen, die schnell geprüft und unterbrochen werden müssen.

Die Berliner Zahlen unterstreichen, dass man es nicht mit einem Massenphänomen zu tun hat, aber mit einem Risiko, das in der Spitze hart zuschlägt. Seit 2021 gab es in Berlin elf Todesfälle im Zusammenhang mit Meningokokken, sechs davon bei Säuglingen unter einem Jahr. In den vergangenen zehn Jahren wurden in Berlin je nach Jahr zwischen wenigen und mehreren Dutzend Erkrankungen gemeldet, und bundesweit werden ebenfalls jährlich Fälle registriert. Selten heißt hier nicht harmlos, sondern: unberechenbar im Einzelfall.

Für die Einordnung ist die Schwere der möglichen Verläufe entscheidend. Meningokokken können eine Hirnhautentzündung oder eine Blutvergiftung auslösen; beides sind Erkrankungen, die rasch eskalieren können und in der Akutmedizin sofortige Entscheidungen erfordern. Das Robert Koch-Institut nennt eine relevante Sterblichkeit und weist darauf hin, dass Überlebende teils schwere Langzeitfolgen behalten können. Gerade bei Säuglingen ist das ein Grund, warum Ärztinnen, Ärzte und Gesundheitsämter bei Verdachtsfällen keine Zeit verlieren.

Impfprävention bekommt in diesem Kontext eine besondere Bedeutung, weil sie nicht im Moment des Notfalls wirkt, sondern davor. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission seit 2024 eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B für Säuglinge ab zwei Monaten. Zusätzlich wird seit Oktober 2025 standardmäßig für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren eine Impfung gegen die Serogruppen A, C, W und Y empfohlen. Damit wird die Vorsorge breiter aufgestellt: früh im Leben gegen eine zentrale Serogruppe, später ergänzend gegen weitere.

Der zweite Blick auf diesen Berliner Fall zeigt, dass das eigentliche Problem nicht nur „Impfung ja oder nein“ ist, sondern die praktische Kette aus Aufmerksamkeit, Zugang und Umsetzung. Wenn der Impfstatus in akuten Meldungen zunächst unklar bleibt, ist das kein Vorwurf, sondern ein Hinweis darauf, wie schnell Vorsorge im Alltag untergeht. Gleichzeitig verdeutlichen solche Ereignisse, warum Empfehlungen in Altersfenstern formuliert sind: Nicht, weil man Eltern drängen will, sondern weil das Risiko in bestimmten Lebensphasen besonders hoch und der Nutzen der frühen Immunisierung entsprechend groß ist.

Und noch etwas wird sichtbar, wenn man die Perspektive weitet: Seltene, aber schwere Infektionen testen das System an seinen Rändern. Sie verlangen schnelle Diagnostik, klare Meldewege, sauberes Kontaktmanagement und eine Impfkommunikation, die weder verharmlost noch Panik erzeugt. Der Berliner Fall ist deshalb mehr als eine einzelne Nachricht; er ist eine harte Erinnerung daran, dass Prävention dann am stärksten ist, wenn sie unspektakulär bleibt und trotzdem konsequent passiert.

 

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Manchmal beginnt ein Risiko nicht mit einem Knall, sondern mit einer Stimme, die höflich klingt und Zeit spart. Ein Anruf, eine Vorbestellung, ein vermeintlich normaler Ablauf. Gleichzeitig sitzen in Landkreisen Menschen zusammen, die merken, dass Versorgung kein abstraktes Wort ist, sondern davon abhängt, ob eine Tür offen bleibt oder für immer schließt. Und während Kontrolle immer mehr Minuten frisst, wird Nähe politisch, Verantwortung verschiebt sich und Prävention arbeitet leise im Hintergrund weiter – ohne Applaus, ohne Eile, aber mit einem langen Gedächtnis. Der Tag fühlt sich deshalb nicht wie eine Abfolge einzelner Nachrichten an, sondern wie ein gemeinsamer Druckpunkt, an dem sichtbar wird, wie eng Betrug, Struktur und Vorsorge inzwischen zusammenliegen.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Denn wenn Systeme gleichzeitig schneller, knapper und anfälliger werden, entscheidet nicht mehr der einzelne Vorfall, sondern ob vorher genug Zeit, Vertrauen und Vorsorge investiert wurden. Apotheken stehen dabei nicht im Mittelpunkt, weil sie laut sind, sondern weil sie dort stehen, wo alles zusammenläuft: Alltag, Risiko und die Frage, ob ein System trägt, wenn es nicht mehr bequem ist.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Heute zeigt sich, wie Betrug, Struktur und Prävention denselben Belastungspunkt im Apothekenalltag auslösen.

 

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