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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Montag, 02. Februar 2026, um 18:20 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
Man spürt es an ganz unterschiedlichen Stellen, aber es ist dieselbe Bewegung: dm macht aus Nähe ein Versprechen und aus dem Versprechen einen Eintritt in den OTC-Versand, während viele zugleich spüren, wie leicht sich Vertrauen in Kompetenz verwandelt, bevor überhaupt geprüft wird. In Bielefeld wird das greifbar, wenn aus vier Standorten in einem Stadtteil eine letzte Adresse wird und die Forderung nach rechtlich abgesicherter Preisbindung nicht wie Politik klingt, sondern wie Überlebenslogik im Betrieb. Parallel rückt die Knappschaft in den Hilfsmittelanlagen an den Pflichten herum, nimmt Nachweise heraus, sortiert Anlagen neu, und lässt damit eine Wahrheit aufscheinen: Entlastung ist im Alltag nie nur Erleichterung, sondern auch neue Verantwortung, weil Prozesse und Dokumentation sich anders absichern müssen. Und während ein unverzichtbares Depot-Penicillin nur noch über Importware aus Portugal in den Markt zurückfindet, wird sichtbar, wie schnell “wirtschaftlich” in der Herstellung zu “kritisch” in der Versorgung wird. Gleichzeitig laufen in der Union und im Umfeld des Wirtschaftsrats Debatten über Mehrarbeit, Kürzungen und den Leistungskatalog, die das Solidarsystem nicht frontal stürzen, aber Stück für Stück als Verhandlungsmasse behandeln. Sogar der Frühaufsteher-Trend passt in dieses Bild, weil er dieselbe Zumutung ästhetisch verpackt: Disziplin soll Biologie überstimmen, bis Müdigkeit nicht mehr privat bleibt, sondern die Stimmung, die Entscheidungskraft und die gesellschaftliche Reibung mitprägt.
Seit Mitte Dezember läuft der Versand nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel über dm-med, und allein dieser Schritt reicht, um in vielen Vor-Ort-Apotheken Alarm auszulösen. Nicht, weil hier ein klassischer Preisbrecher antritt, sondern weil der Einstieg aus einer anderen Ecke kommt: aus einer Marke, die längst auf den Handys sitzt, im Alltag präsent ist und sich nicht erst in die Köpfe der Kundschaft vorkämpfen muss. Das Tempo entsteht nicht aus Rabatten, sondern aus Gewohnheit.
Auffällig ist dabei gerade das, was nicht passiert: Die meisten Artikel sind nach ersten Auswertungen nicht einmal günstiger als bei anderen Versendern. Trotzdem wird dm als größere Bedrohung wahrgenommen als mancher etablierte Player. Das wirkt auf den ersten Blick irrational, ist es aber nicht, wenn man versteht, dass hier nicht nur ein Sortiment erweitert wird, sondern ein Rollenbild wandert. Wer dm ohnehin für Körperpflege, Alltagssorgen und kleine Selbstbelohnungen nutzt, findet den Schritt ins Apothekensortiment plausibel, weil „Gesundheit“ im Kopf der Kundschaft bereits als Nähe, Routine und Verlässlichkeit abgespeichert ist.
Genau hier liegt der harte Kern: Rund 12,5 Millionen Installationen der dm-App sind nicht einfach eine Zahl, sondern eine fertige Infrastruktur für Erstkontakt. Andere Versender mussten und müssen Kundenbeziehungen mühsam aufbauen, dm ist bereits im Griff der alltäglichen Entscheidungen. Das verschiebt die Frage, wer überhaupt noch als erstes gefragt wird, wenn jemand ein Problem hat, das nach Arzneimittel riecht, aber noch nicht nach Arztbesuch. Und in diesem Zwischenraum entscheidet sich viel: ob Bedarf früh richtig einsortiert wird oder erst dann auffällt, wenn es drückt.
Die emotionale Bindung macht den Unterschied greifbar. Wer einmal beobachtet hat, wie Jugendliche durch eine dm-Filiale streifen, testen, vergleichen, dabei kaum kaufen und trotzdem erfüllt wieder rausgehen, sieht, wie stark Erlebnisbindung sein kann. Das ist die Logik der Wohlfühlmarke, die André Welke beschreibt: nicht der einzelne Artikel, sondern die Atmosphäre erzeugt Loyalität. Überträgt man diese Logik auf Arzneimittel, entsteht ein gefährlicher Kurzschluss, weil Vertrautheit leicht mit Kompetenz verwechselt wird.
Apotheken arbeiten anders, weil Arzneimittel anders sind. Dringlichkeit, Beratungsbedarf, Wechselwirkungen, Risiken, die im Drogerieregal nicht vorkommen, lassen sich nicht über Markenwärme auffangen. Die Apotheke trägt die Verantwortung genau dann, wenn die Entscheidung nicht mehr bequem ist. Wenn aber der Erstkontakt bereits in einer Umgebung stattfindet, die Reibung systematisch abbaut, verschiebt sich die Prüfung nach hinten, und das Korrektiv kommt zu spät oder unter Zeitdruck.
Hier kippt das Thema von Konkurrenz in Systemlast. Wenn Rollen unscharf werden, wird nicht nur Marktanteil umverteilt, sondern Verantwortung verlagert: weg von der frühen Einordnung hin zur späten Reparatur. Apotheken spüren das zuerst, weil sie die Folgen abfangen, wenn Selbstmedikation scheitert, Symptome sich verschärfen oder Unsicherheit plötzlich groß wird. Das ist der Punkt, an dem Angst berechtigt sein kann, ohne dass sie zur Lähmung werden darf.
Und genau dort schließt sich die Schleife: Die eigentliche Gefahr ist nicht, dass dm OTC verschickt, sondern dass die Kundschaft den Wechsel vom Drogerie- zum Apothekensortiment als logische Fortsetzung von Vertrauen erlebt. Wenn dieses Vertrauen nicht mehr als Gefühl erkannt wird, sondern als Ersatzsignal für pharmazeutische Zuständigkeit, rutscht die Prüffrage aus dem Anfang an das Ende der Kette, und die Vor-Ort-Apotheken merken es als Erste.
Es beginnt nicht mit Arzneimitteln, sondern mit einem Versprechen, das sich wie eine Handbewegung anfühlt: Nichts soll weh tun, nichts soll kompliziert sein, alles soll stimmig wirken. Wer dm als Marke versteht, versteht zuerst diese Stimmigkeit. Sie entsteht nicht aus einzelnen Produkten, sondern aus einem Raum, in dem Auswahl leicht wird, Fehler sich nicht wie Fehler anfühlen und der Alltag kurz den Eindruck bekommt, er sei beherrschbar. Genau darin liegt die Stärke, und genau darin liegt die Gefahr, sobald Gesundheitsnähe mitschwingt.
Die Reiseerzählung ist dafür kein exotischer Schmuck, sondern ein präzises Bild. Karibikküste, das Meer vor dem Laptop, dann Medellín, die Stadt, die sich selbst als Frühling erzählt, und schließlich die Plaza Botero: Körper, die in sich ruhen, so schwer und zugleich so gelassen, als würde die Welt draußen an ihnen abprallen. Diese Skulpturen zeigen, wie sehr Menschen nach einer Form von innerer Ordnung suchen, nach einer Vollendung, die nicht argumentiert, sondern einfach da ist. Wohlfühlmarken funktionieren ähnlich, nur in der Sprache des Konsums: Sie erzeugen nicht Wahrheit, sie erzeugen Ruhe.
In diesem Zustand verschiebt sich die Reihenfolge der Fragen. Auswahlarchitekturen setzen vor die Prüfung ein Gefühl, das sich wie Kompetenz anfühlt. Wer sich oft genug in einer Umgebung sicher und aufgehoben erlebt, überträgt diese Sicherheit leicht auf Themen, die eigentlich eine andere Logik verlangen. Das ist der kritische Punkt: Gesundheit wird dann nicht als Bereich verstanden, in dem Unsicherheit und Risiko normal sind, sondern als Fortsetzung einer Stimmung, die man schon kennt. Und genau dieser Transfer ist es, der die Rolle der Apotheke beschädigen kann, ohne dass jemand es laut ausspricht.
Die Apotheke arbeitet dort, wo Stimmigkeit nicht reicht. Dort entscheidet nicht, was sich gut anfühlt, sondern was unter Druck trägt: Dringlichkeit, Beratungsbedarf, Wechselwirkungen, Grenzen der Selbstmedikation, Verantwortung, Dokumentation, Haftung. Wenn das Rollenbild im Kopf der Menschen verwischt, rutscht die Prüffrage nach hinten. Erstkontakt wird Routine, und das Korrektiv kommt später, häufig dann, wenn Zeit fehlt, Symptome größer sind oder die Unsicherheit schon in echte Sorge gekippt ist. Systemlast entsteht so nicht in einem großen Knall, sondern in vielen kleinen Verschiebungen, die am Ende teuer werden, weil sie Reparatur statt Einordnung erzwingen.
Das Gegenargument bleibt ernst und verdient es, nicht weggewischt zu werden. Niedrigschwellige Zugänge können Menschen überhaupt erst an Prävention heranführen, und nicht jede Wohlfühlbotschaft ist Täuschung. Der Punkt ist nur: Prävention darf leicht sein, Zuständigkeit darf es nicht. Wer Nähe als Türöffner nutzt, muss die Grenze umso sichtbarer machen, damit aus der Tür nicht stillschweigend ein Ersatz für Prüfung wird.
Und damit zurück zu Medellín, zurück zu diesem seltsamen Nebeneinander von Schönheit und Schatten, das die Stadt unweigerlich mitträgt, wenn der Name Pablo Escobar einmal im Raum steht. Es ist genau diese Spannung, die das Thema auf den Kern bringt: Das Problem ist nicht, dass Menschen sich nach Ordnung sehnen, sondern dass Ordnung manchmal so überzeugend wirkt, dass sie Kontrolle simuliert. Wenn Wohlgefühl zur Abkürzung wird, verliert die Öffentlichkeit den Moment, in dem sie unterscheiden müsste, wer beruhigt und wer verantwortlich entscheidet. Die Apotheke muss diese Unterscheidung nicht aggressiv verteidigen, aber sie muss sie halten, weil sie sonst nicht nur Marktanteile verliert, sondern den Zeitpunkt, an dem Sicherheit beginnt.
Im Stadtteil Schildesche lässt sich der Strukturbruch in eine Zahl pressen, die trotzdem nicht klein wirkt: 2012 gab es dort vier Apotheken, heute ist nur noch eine übrig. Als Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer in der Adler-Apotheke nach den Ursachen fragt, steht deshalb nicht irgendein Standortproblem im Raum, sondern eine Frage nach der Belastbarkeit des Systems vor Ort. Hauke Stange erzählt diesen Bruch nicht als Anekdote, sondern als Biografie: 2012 selbstständig gemacht, Apotheke übernommen, anfangs gut gelaufen, sonst hätte er den Schritt nicht gewagt – und dann, rund zehn Jahre später, aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Übrig blieb die Adler-Apotheke, übernommen 2014, nun letzte Apotheke im Stadtteil.
Die Mechanik dahinter ist die, die seit Jahren überall in Deutschland gleich klingt und doch jedes Mal anders einschneidet. Das Honorar ist staatlich geregelt, aber die Realität der Kosten läuft davon. In den vergangenen 20 Jahren wurde die Honorierung nur ein einziges Mal geringfügig angehoben; 2013 waren es etwa 3,1 Prozent. Seitdem sind Personal- und Sachkosten um 65 Prozent gestiegen. Das Ergebnis ist nicht bloß „Druck“, sondern eine schleichende Entwertung des Betriebsrisikos: Apotheke bleibt Pflichtbetrieb mit immer neuen Anforderungen, aber ohne Reserve, die diese Pflicht finanzierbar macht. Wenn Stange und Rochell sagen, dass eine Honorarerhöhung im Reformpaket nicht vorgesehen sei, sondern auf unbestimmte Zeit verschoben, ist das nicht Empörung, sondern der Hinweis auf eine Terminkette, die den Betrieb auszehrt.
Gleichzeitig läuft im Entwurf etwas, das den Druck nicht nur erhöht, sondern die Grundlogik verschiebt. Es geht um die Präsenzpflicht des Apothekers und die Frage, ob damit ein Weg in „Apotheken ohne Apotheker“ geöffnet wird. Das ist mehr als ein Standesreflex, weil daran konkrete Versorgungsleistungen hängen, die nicht nebenbei passieren: Impfungen, die Abgabe starker Schmerzmittel, das Sortieren komplexer pharmazeutischer Fragen, Rezepturen. Wer diese Ebene ausdünnt, macht Versorgung nicht modern, sondern fragiler, gerade in einer alternden Gesellschaft, in der die Arbeit nicht weniger wird, nur weil weniger Standorte da sind.
Der zweite harte Punkt ist die Preisbindung, und hier wird es juristisch, weil politische Absicht ohne Rechtsform nicht trägt. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem vergangenen Jahr steht die Preisbindung aus Sicht der Apotheker auf tönernen Füßen. Sie argumentieren nicht nur mit Fairness, sondern mit Schutzlogik: Preisbindung soll Verbraucherschutz und Solidarsystem stabilisieren, damit in Notsituationen Preise nicht explodieren und Patienten nicht in akuten Lagen vergleichen müssen. Daraus wird eine Forderung, die im Alltag banal klingt und doch systemisch ist: rechtliche Absicherung – und zwar so, dass sie auch gegenüber ausländischem Versandhandel gilt, weil sonst genau der Teil der Wertschöpfung entkoppelt wird, der am stärksten auf Geschwindigkeit, Skalierung und Marketing reagiert.
In diesem Zusammenhang wirkt das Versandhandelsverbot wie ein alter Streit, bis man hört, wie nüchtern es hier verhandelt wird. Dr. Bauer kennt die Frage aus eigener juristischer Arbeit und hält eine Wiedereinführung grundsätzlich für möglich, solange der Versandhandel nicht leisten kann, was Apotheken leisten. Das ist ein Satz, der die Debatte aus der Symbolik holt und an eine Leistungsprüfung bindet: Wer Vollversorgung nicht abbildet, darf auch nicht so behandelt werden, als würde er sie ersetzen können. Und weil Bauer zugleich betont, Apotheken seien ein Bestandteil der Daseinsvorsorge, wird klar, dass es nicht um romantische Ortsbindung geht, sondern um Infrastruktur.
An dieser Stelle kommt man zurück an den HV-Tisch, auch wenn man ihn nicht beschwören muss, um zu verstehen, was passiert: Schildesche ist kein Einzelfall, aber als Beispiel ist es scharf genug, um den Mechanismus sichtbar zu machen. Sobald politische Reformen Pflicht addieren und Entscheidungen vertagen, während Kosten real steigen, werden Schließungen zur mathematischen Folge, nicht zur Ausnahme. Die offene Frage ist nicht, ob man ein paar Prozent Honorar irgendwann nachholt, sondern ob man die Kette aus Vergütung, Präsenz, Preisrecht und Versandlogik so schließt, dass die letzte Apotheke im Stadtteil nicht zur neuen Normalität wird.
Zum 1. März greift bei der Knappschaft ein Update, das auf den ersten Blick nach Routine klingt, in der Praxis aber genau dort wirkt, wo Apotheken derzeit am empfindlichsten sind: bei Formalitäten, die Zeit fressen, und bei Pflichten, die schnell als „Kleinkram“ abgetan werden, obwohl sie im Alltag die Abläufe bestimmen. DAV und Knappschaft haben die Ergänzungsvereinbarung nicht wegen einer neuen Idee geschlossen, sondern weil sich die Rechtslage verschoben hat: Für apothekenübliche Hilfsmittel entfällt die Präqualifizierung, und parallel ändern sich Betreiberpflichten für bestimmte Medizinprodukte. Solche Verschiebungen sind selten spektakulär, aber sie entscheiden darüber, ob eine Versorgung in der Fläche noch als Handgriff funktioniert oder als Aktenlauf.
Konkret wird das an der neuen Struktur der Preisanlagen sichtbar. Aus der bisherigen Anlage 1 werden die Anlagen 1A bis 1L, und die Logik dahinter ist klarer, als die Buchstabenfolge vermuten lässt. Anlage 1A bildet die apothekenüblichen Hilfsmittel gemäß § 126 Absatz 1b SGB V ab, für die eben keine Präqualifizierung mehr verlangt wird. Die übrigen Anlagen 1B bis 1L bündeln die Bereiche, in denen die Präqualifizierung weiterhin Voraussetzung bleibt, gestützt auf § 126 Absatz 1 Satz 3 SGB V. Die entscheidende Erleichterung liegt nicht nur im Wegfall des Nachweises, sondern in der Automatik: Ein Beitritt zur Anlage 1A ist nicht erforderlich, die bereits teilnehmenden Apotheken werden zum Inkrafttreten von der Knappschaft automatisch als Teilnehmer übernommen. Das nimmt Druck aus einem Vorgang, der in anderen Konstellationen gerne als „Fristfalle“ endet.
Auch in den Preislisten steckt ein Detail, das zeigt, wie stark diese Verträge in die Mikroökonomie der Versorgung hineinreichen. In einigen Produktbereichen wurden Preiserhöhungen vorgenommen, darunter bei Lanzetten von 8 Cent auf 10 Cent, ausdrücklich als Wunsch der Apothekenvertreter. Zwei Cent wirken banal, sind es aber nicht, wenn man bedenkt, dass solche Positionen in Summe über die Frage entscheiden können, ob eine Versorgung querfinanziert werden muss oder sich wenigstens nicht permanent selbst unterspült. Dazu kommt, dass die Preislisten künftig zusätzliche Spalten wie „Versorgungsbereiche“ und „Zuzahlungspflicht“ enthalten. Das ist kein Komfort-Feature, sondern ein Versuch, die Abrechnung und die Zuordnung im Alltag eindeutiger zu machen, damit weniger Rückfragen und weniger Fehler auflaufen, die später niemand bezahlt.
Die zweite Ebene betrifft die Betreiberpflichten, und hier wird die Änderung schnell unterschätzt, weil sie formal wirkt. Die Anlage 2 wurde an die gesetzlichen Änderungen der Medizinproduktebetreiberverordnung angepasst. Die Pflicht, ein Medizinproduktebuch zu führen, entfällt für Hilfsmittel, die an Versicherte der Knappschaft abgegeben wurden. Ebenso entfällt die Vorgabe, die Dokumentation einer Einweisung fünf Jahre aufzubewahren; die Apotheke kann die Aufbewahrungsdauer selbst festlegen und muss keine Unterschrift der Versicherten mehr einholen. Das ist Entlastung, ja, aber es ist auch Verantwortung, weil jede Freiheit bei der Dokumentation sofort die Frage nach der eigenen Risikostrategie aufwirft: Was ist minimal ausreichend, was ist klug, was ist im Streitfall tragfähig. Gerade in Zeiten, in denen Apotheken ohnehin lernen mussten, dass Formalien oft erst dann „wichtig“ werden, wenn etwas schiefgeht, ist diese Freiheit kein reines Geschenk, sondern eine neue Abwägung.
Interessant ist, wie deutlich sich hier die Logik des Vertragsrechts vom politischen Geräusch unterscheidet. Während große Reformdebatten oft im Ungefähren kreisen, passiert in solchen Anlagenarbeit ein stilles Nachjustieren der Realität: Was muss noch nachgewiesen werden, was wird automatisch übernommen, wo bleibt der Nachweis zwingend. Für Anlagen 1A, 8, 9 und 10 ist kein Präqualifizierungsnachweis erforderlich, bestehende Beitritte zu den Anlagen 8 bis 10 bleiben bestehen, Änderungen gab es dort keine. In anderen Bereichen bleibt der gültige Präqualifizierungsnachweis Voraussetzung, etwa für die Anlagen 1B bis L, 6 und 7. Das ist nicht elegant, aber präzise, und Präzision ist in der Versorgung oft wertvoller als ein großes Versprechen.
Am Ende schließt sich der Kreis über eine unscheinbare Vorankündigung: Im Laufe des Jahres soll es weitere Preisverhandlungen zwischen DAV und Knappschaft geben. Das ist der Moment, in dem man merkt, dass die jetzigen Änderungen nicht als Abschluss gedacht sind, sondern als Zwischenstand in einer Reihe von Anpassungen, die sich aus Recht, Kosten und Praxis ergeben. Wer die Vertragslogik nur als Bürokratie sieht, verpasst den Punkt: Solche Anpassungen sind die Stellen, an denen Versorgung entweder handhabbar bleibt oder in Kleinteiligkeit erstickt. Und genau deshalb ist das Update mehr als eine Anlagenkosmetik, auch wenn es sich auf dem Papier so liest.
Es ist eine dieser Debatten, die zunächst wie parteiinterner Krawall wirken, aber in Wahrheit etwas Größeres verraten: Welche Lasten sollen künftig als normal gelten, und wer soll sie tragen. Wenn der CSU-Vorsitzende Söder erklärt, eine Stunde Mehrarbeit pro Woche bringe enorm viel Wachstum und sei „wirklich nicht zu viel verlangt“, ist das nicht nur eine Zahl, sondern ein Signal. Es setzt voraus, dass die Lösung der wirtschaftlichen Probleme vor allem über zusätzliche Leistung der Beschäftigten laufen müsse. Gleichzeitig taucht aus dem Umfeld der Union die Forderung nach einem schrittweisen Abbau der Rente mit 63 und der Abschaffung der telefonischen Krankschreibung auf. Aus einzelnen Vorschlägen entsteht so eine Richtung: Mehr Druck, weniger Schutz, mehr Zumutung als politische Handlungsform.
Die Reibung entsteht nicht nur zwischen Parteien, sondern in der Union selbst. Dennis Radtke, Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, warnt vor einer „Schlagseite“ und fragt indirekt, welches Bild von Beschäftigten hier eigentlich verhandelt wird. Er spricht von einer gläsernen Decke bei Umfragen, die sich über der Union eingezogen habe. Das klingt nach taktischer Sorge, ist aber in der Sache ein Hinweis darauf, dass Sozialpolitik nicht nur Verteilungsfrage ist, sondern Bindungsfrage. Wer den Eindruck erweckt, dass am Ende alles auf der Seite der Beschäftigten abgeladen wird, verliert nicht nur Vertrauen, sondern die Idee, dass Politik Lasten fair sortiert.
Dann kommt der Vorschlag, der die Debatte aus dem Bereich der Arbeitszeit endgültig in die Grundstruktur des Sozialstaats zieht. Ein CDU-naher Unternehmerverband, der Wirtschaftsrat, pocht auf weniger Sozialversicherungsleistungen und stößt eine Diskussion an, die in Deutschland sofort das Temperaturlevel erhöht: Zahnarztbehandlungen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung herauslösen und privat absichern. Radtke nennt es eine „Erklärung von Superprivilegierten“, die anderen Leuten sage, worauf sie verzichten sollen. Der Satz sitzt deshalb, weil er den Mechanismus benennt: Verzicht wird dort gefordert, wo man ihn selbst kaum spüren würde.
Die Gegenreaktionen sind scharf, aber nicht nur moralisch, sondern auch systemisch begründet. Janosch Dahmen nennt den Vorstoß einen gesundheitspolitischen Irrweg, medizinisch falsch, sozial brandgefährlich und ökonomisch kurzsichtig. Sein Argument ist nicht, dass Zähne Luxus seien, sondern dass Zahngesundheit als Voraussetzung für allgemeine Gesundheit wirkt und Einsparungen an dieser Stelle später Folgekosten produzieren. Genau diese Folgekostenlogik macht das Thema für das Gesundheitssystem so heikel: Man kann Leistungen aus dem Katalog streichen, aber man kann die Folgen nicht streichen. Wer heute Prävention und frühe Behandlung erschwert, zahlt morgen mit Komplikationen und höheren Systemkosten.
An dieser Stelle wird aus einer parteipolitischen Debatte eine Frage nach Steuerungsfähigkeit. Wenn zugleich aus dem Regierungsumfeld betont wird, derartige Pläne gebe es nicht, und der stellvertretende Regierungssprecher klarstellt, es stehe jeder Organisation frei, Vorschläge zu machen, wirkt das wie Beruhigung. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken schließt die Umsetzung einer Streichung von Zahnbehandlungen aus und nennt es eine Abkehr vom Kerngedanken des Solidarsystems. Das ist eine klare Linie, aber es zeigt auch, wie stark der Druck von außen in die Regierungsarbeit hineinwirkt: Man muss nicht umsetzen, um eine Debatte zu erzeugen, die Stimmung, Erwartungen und politische Spielräume verschiebt.
Die zweite Erzählschleife liegt genau hier, im scheinbaren Widerspruch zwischen Idee und Realität. Politik kann Forderungen als Testballons in den Raum stellen und sich später davon distanzieren, aber die Verschiebung bleibt: Menschen hören, dass Leistungen zur Disposition stehen, und sie lernen, dass Sicherheit verhandelbar ist. Das wirkt nicht nur auf die Akzeptanz des Systems, sondern auf die Bereitschaft, es solidarisch zu finanzieren. Wenn der Sozialstaat als Kostenblock diskutiert wird, nicht als Stabilitätsarchitektur, dann wird Gesundheit schnell zur Ware, die man sich leisten muss, statt zu einem Risiko, das man gemeinsam trägt. Und genau in dieser Verschiebung liegt die eigentliche Gefahr der Debatte: nicht in einem einzelnen Vorschlag, sondern in dem stillen Umbau der Normalität.
Manchmal wirkt ein Versorgungsmangel wie eine Randnotiz, bis man liest, dass es keine Alternative gibt. Beim Depot-Penicillin ist genau das der Fall: Benzylpenicillin-Benzathin-haltige Präparate zur parenteralen Anwendung sind knapp geworden, und weil ein therapeutisch gleichwertiger Ersatz nicht ohne Weiteres verfügbar ist, wird aus Knappheit sofort Dringlichkeit. Hier lässt sich nicht elegant ausweichen, hier muss Versorgung organisiert werden, sonst kippt Therapie in Improvisation.
Der Engpass kommt nicht überraschend, zumindest nicht für jene, die die Lieferketten von kritischen Wirkstoffen schon länger verfolgen. Bereits seit Sommer 2025 sollen Hinweise auf einen absehbaren Einbruch der Verfügbarkeit des einzigen in Deutschland zugelassenen Präparats für das erste Quartal 2026 vorgelegen haben. Dass es trotzdem zu einem Versorgungsmangel kommt, zeigt, wie träge das System reagiert, wenn Wirtschaftlichkeit und Regulierung sich gegenseitig blockieren. Die wirtschaftlich begründete Einstellung der Produktion bei bisherigen Lohnherstellern wird als Ursache genannt. Das ist die nüchterne Formulierung für eine Realität, die man im Arzneimittelbereich zu selten beim Namen nennt: Wenn die Marge den Aufwand nicht trägt, verschwindet die Kapazität, und sie kommt nicht einfach zurück, nur weil sie plötzlich gebraucht wird.
Die kurzfristige Abhilfe kommt über Importware aus Portugal. Infectopharm nutzt die Feststellung des Versorgungsmangels, um eine Einführung von Importen zu erleichtern, und stellt zunächst 50.000 Packungen zur Verfügung. Es handelt sich um Lentocilin S1200 Atral 1.200.000 I.E./4 ml, bereitgestellt über die Tochterfirma Pädia; für den deutschen Markt trägt das Präparat die PZN 20375044. Solche Details sind in der Praxis nicht Beiwerk, sondern Orientierung: Welche Packung, welche Stärke, welche Abrechnung, welcher Vertriebsweg. Dass die Ware zulasten der Kassen abgerechnet werden kann und ab der ersten Märzwoche über den Großhandel bezogen werden soll, ist ein wichtiger Taktgeber. Kliniken sollen sich sogar voraussichtlich schon ab dem 15. Februar bevorraten können, was die Dringlichkeit unterstreicht, mit der hier Versorgung wieder eingefädelt werden muss.
Gleichzeitig zeigt der Fall, wie schnell formale Anforderungen zur zweiten Baustelle werden. Das Arzneimittel kommt ohne deutsche Kennzeichnung. Übersetzungen der portugiesischen Fach- und Gebrauchsinformation sollen auf den Homepages von Infectopharm und Pädia abrufbar sein und ab dem 15. Februar in der Lauer-Taxe zur Verfügung stehen. Für Apotheken und Kliniken ist das nicht nur ein Informationshinweis, sondern eine Frage der Prozesssicherheit: Wie wird beraten, wie wird dokumentiert, wie wird die Kommunikation im Alltag handhabbar gehalten, wenn die gewohnte Verpackungslogik fehlt. Import kann Versorgung retten, aber er erzeugt zugleich neue Reibungspunkte, die im Routinebetrieb auffallen.
Der Satz von Infectopharm wirkt wie eine Selbstverständlichkeit und ist doch ein Signal: Die lückenlose Versorgung der Patientinnen und Patienten habe oberste Priorität, und man freue sich über den Erfolg der frühzeitigen Initiative und die konstruktive Haltung des BfArM. Hinter dieser Freundlichkeit steckt ein stilles Eingeständnis: Ohne regulatorische Flankierung und ohne Bereitschaft, in der Krise pragmatisch zu handeln, bleibt der Markt bei kritischen Alt-Antibiotika nicht stabil. Und es steckt eine zweite Botschaft darin, wenn zugleich an einer nachhaltigen Lösung innerhalb Europas gearbeitet werde: Man kann Import als Notnagel nutzen, aber man kann ihn nicht zur Dauerlösung erklären, wenn man Versorgungsresilienz ernst meint.
Die strukturelle Ursache wird von Infectopharm selbst benannt: Herstellung von Depot-Penicillinen ist hochkomplex, erfordert dedizierte Anlagen und aseptische Fertigung. Diese hohen produktionstechnischen Anforderungen treffen auf stark regulierte und historisch niedrige Erstattungspreise, die eine wirtschaftliche Produktion für viele Hersteller unmöglich machen. Das ist die eigentliche Geschichte hinter der Meldung. Nicht der Einzelfall, sondern das Muster: Kritische Arzneimittel geraten in Engpässe, weil der Preisrahmen die Produktionsrealität nicht abbildet. Wer dann überrascht reagiert, übersieht, dass der Mangel nicht aus dem Nichts kommt, sondern aus einer kalkulierbaren Spannung zwischen Pflicht zur Versorgung und Unmöglichkeit, sie zu einem bestimmten Preis dauerhaft zu leisten.
In der zweiten Erzählschleife erscheint der Engpass deshalb weniger als Ausnahme denn als Warnlicht. Heute ist es ein Depot-Penicillin, morgen ein anderer Wirkstoff, der alt, unverzichtbar und wirtschaftlich unattraktiv ist. Import löst den Moment, nicht die Mechanik. Solange sich das System darauf verlässt, dass kritische Versorgung sich irgendwie schon finden wird, bleibt es anfällig für genau jene Brüche, die man erst dann bemerkt, wenn Ausweichen nicht mehr möglich ist.
Der CDU-Wirtschaftsrat macht aus dem Wort „Ankurbeln“ eine Zumutungsformel. In seiner Agenda für Arbeitnehmer wird nicht an einzelnen Stellschrauben gedreht, sondern am Grundgefühl dessen, was in Deutschland als soziale Normalität gilt. Arbeitslosengeld, Arbeitsmarktprogramme, Rentenleistungen, Krankenkassenkatalog, sogar Arbeitswege in der Unfallversicherung – es wird nicht mehr gefragt, wie man Systeme stabilisiert, sondern wie man sie schneller, billiger, schlanker macht. Wer solche Vorschläge liest, merkt sofort: Das ist kein technischer Sparplan, das ist eine politische Erzählung über Pflichten und Schuld.
Konkret wird diese Erzählung, wenn die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I pauschal auf zwölf Monate begrenzt werden soll und zugleich von einer „ausufernden Arbeitsverwaltung“ die Rede ist. Die Zahl „mehr als 100.000 Beschäftigte“ in der Bundesagentur für Arbeit wird dabei nicht als Kapazität gelesen, sondern als Beleg für Übermaß. Hinter der Formulierung steckt ein Muster: Verwaltung erscheint als Last, nicht als Infrastruktur. Das klingt effizient, ist aber riskant, weil es die Frage ausblendet, was passiert, wenn man Steuerungskapazität abbaut, während die sozialen Bruchstellen größer werden.
Am schärfsten wird der Konflikt dort, wo der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung angetastet wird. Zahnarztbehandlungen generell privat absichern zu lassen, wird als „ehrliche Debatte“ gerahmt, ist aber in der Realität ein Vorschlag zur Verschiebung von Risiken: weg vom Umlageprinzip, hin zur individuellen Zahlungsfähigkeit. Das Argument lautet, es müsse verhindert werden, dass Sozialabgaben weiter steigen und „immer weniger Netto vom Brutto bleibt“. Es ist ein Satz, der sofort plausibel wirkt, weil er den Druck im Portemonnaie anspricht. Gleichzeitig ist er ein Satz, der die Kosten nicht verschwinden lässt, sondern nur die Adresse ändert, an die sie geschickt werden.
Flankiert wird das Ganze von Forderungen, die wie ein Paket aus Entlastungsversprechen wirken: Grundfreibetrag rauf, Schwelle für den Spitzensteuersatz rauf, Unternehmenssteuern auf maximal 25 Prozent runter, Grunderwerbsteuer für den ersten Immobilienerwerb streichen. Das liest sich als Aufstiegsprogramm, doch die Gegenfrage bleibt: Wer trägt die Lücke, wenn die Einnahmeseite entlastet und die Ausgabenseite gekürzt wird, während demografischer Druck und Gesundheitskosten nicht kleiner werden. An dieser Stelle kippt Wachstumssprache schnell in Verteilungsrealität, auch wenn sie sich vermeidet, das offen auszusprechen.
Dass die Debatte politisch brennt, sieht man an der Reaktion aus verschiedenen Richtungen. Die Vorschläge werden als „Schlag ins Gesicht“ bezeichnet, als „Frontalangriff“, als Warnsignal für eine Zwei-Klassen-Medizin. Diese Worte sind zugespitzt, aber sie markieren den Kernkonflikt: Wird sozialer Schutz als gemeinsamer Besitzstand betrachtet, der in Krisenzeiten stabilisiert werden muss, oder als Kostenblock, der im Zweifel gekürzt gehört, damit Wachstum „entfesselt“ wird. In dieser Gegenüberstellung steckt bereits die Kampflinie der nächsten Monate, egal ob einzelne Punkte am Ende umgesetzt werden oder nicht.
Die zweite Erzählschleife beginnt dort, wo man die Wirkung solcher Forderungen im Alltag denkt. Viele Menschen hören keine Paragraphen, sie hören eine Botschaft: Leistungen, auf die man sich verlassen konnte, sind verhandelbar. Sobald das Gefühl entsteht, dass Absicherung nur noch eine variable Größe ist, verändert sich Verhalten. Man sichert sich privat ab, wo man kann, man verzichtet, wo man nicht kann, und man misstraut dem System, das beides zugleich auslöst. Das ist die stille Langzeitfolge, die in keinem Forderungskatalog steht: Ein Solidarsystem lebt nicht nur von Beiträgen, sondern von Glaubwürdigkeit.
Und genau deshalb ist der entscheidende Punkt nicht, ob ein Verband Forderungen stellen darf, sondern was Politik daraus macht. Wenn Vorschläge wie diese zum dauerhaften Sound werden, verschiebt sich das Koordinatensystem: Schutz wird zur Ausnahme, Zumutung zur Normalität. Dann wird die eigentliche Reformfrage nicht mehr sein, welche Leistung gestrichen wird, sondern ob man noch erklären kann, warum gemeinsame Absicherung überhaupt der klügere Weg ist, wenn die Debatte längst so geführt wird, als sei sie ein Luxus.
Um fünf Uhr aufstehen, Sport, dann Arbeit, dann der Tag als sauber getaktete Leistungskurve – das klingt wie eine moderne Form von Selbstbeherrschung, und genau so wird es verkauft. Die Bewegung lebt von einer stillen Unterstellung: Wer früher beginnt, muss disziplinierter sein, und Disziplin führt automatisch zu Erfolg. In der Erzählung ist Frühaufstehen kein Werkzeug, sondern ein Charakterbeweis. Das Problem ist nur, dass Biologie sich von Charakterbeweisen nicht beeindrucken lässt.
Schlaf folgt, wie der Schlafpsychologe Günther Amann-Jennson sagt, biologischen Gesetzen, und jeder Mensch habe eine genetische innere Uhr, die sich nicht einfach umprogrammieren lasse. Diese Aussage wirkt banal, bis man sie auf den Alltag legt. Denn viele der Erfolgsgeschichten im Netz erzählen nicht, was sie kosten: Sie setzen voraus, dass Schlaf irgendwo anders eingespart werden kann, ohne Folgen. Genau dort sitzt der Denkfehler. Disziplin wird über die Biologie gestellt, als wäre Biologie eine Ausrede. Dabei ist sie die Grundlage, auf der Leistungsfähigkeit überhaupt erst entsteht.
Die Forschung unterscheidet grob zwischen Früh- und Spättypen, zwischen Lerchen und Eulen, und wer die Begriffe einmal ernst nimmt, versteht sofort, warum der Trend so viele Menschen überfordert. Lerchen stehen früh gern auf, haben Appetit, sind morgens leistungsfähig. Eulen brauchen länger, kommen später in ihren geistigen Höhepunkt, oft am Nachmittag. Dazwischen liegt die große Gruppe, die sich anpassen kann, aber nicht beliebig. Birgit Högl von der Medizinischen Universität Innsbruck erklärt, dass frühes Aufstehen nur dann eine Option sei, wenn man die Gesamtschlafdauer berücksichtigen kann. Wer um fünf aufstehen will, müsste oft gegen 21 Uhr ins Bett. Für Frühmenschen kann das funktionieren, für Abendmenschen nicht, und für die Mehrheit ist es eher eine Rechenaufgabe als ein Lebensstil.
Amann-Jennson schätzt, dass etwa 20 bis 25 Prozent ausgeprägte Lerchen sind, rund 20 bis 30 Prozent ausgeprägte Eulen, und etwa die Hälfte liegt dazwischen, als intermediärer Chronotyp. Diese Zahlen sind deshalb so wichtig, weil sie den Trend entzaubern: Das Frühaufsteher-Rezept kann gar nicht universell sein, weil die Bevölkerung biologisch nicht universell getaktet ist. Was als Disziplin-Kanon verkauft wird, ist in Wahrheit ein Filter, der begünstigt, wer ohnehin früh tickt, und beschämt, wer anders gebaut ist.
Der Kern des Themas ist aber nicht Typologie, sondern Gewichtung. Högl sagt, man solle gut überlegen, was man bei begrenzter Lebenszeit und einem begrenzten 24-Stunden-Tag wie gewichtet. Dieser Satz ist unspektakulär, aber er trifft die Mechanik: Der Trend tut so, als könne man aus Zeit mehr machen, indem man sie vorzieht. In Wirklichkeit verschiebt man oft nur die Rechnung. Wenn Schlaf als Grundlage von Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit verstanden wird, dann beginnt der bessere Weg nicht mit einem Wecker, sondern mit der Bereitschaft, Grenzen ernst zu nehmen.
Die Praxisempfehlungen wirken im Vergleich zu den heroischen Frühaufsteherbildern fast langweilig, und genau das ist ihre Stärke. Dunkelheit, Ruhe, Temperatur, Essenszeit – vier Voraussetzungen, die nicht nach Erfolg riechen, aber nach Stabilität. Wer Licht am Abend dimmt, wer Lärm reduziert, wer das Schlafzimmer nicht überheizt, wer die letzte Mahlzeit so legt, dass Einschlafen möglich bleibt, betreibt keine Selbstoptimierung, sondern Selbstschutz. Das sind keine Lifestyle-Tricks, sondern Bausteine gegen ein Problem, das längst größer ist als das Individuum.
Denn Schlafmangel ist nicht nur ein privater Preis, sondern ein gesellschaftlicher. Högl nennt Beeinträchtigungen des Arbeitsgedächtnisses, des Sprachflusses, der Emotionsregulation und der Entscheidungsfähigkeit. Schmerzempfindlichkeit steigt. Langzeitstudien verweisen auf ein höheres Risiko für Stoffwechselerkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck. Amann-Jennson geht noch weiter und sagt, aus biologischer Sicht hätten 95 Prozent der Menschen einen unzureichenden Schlaf. Das ist eine Zahl, die man nicht als Pointe lesen sollte, sondern als Diagnose: Wenn fast alle zu wenig schlafen, ist das nicht nur persönliches Versagen, sondern ein Strukturproblem.
Hier schließt sich die zweite Erzählschleife, weil der Trend zum frühen Aufstehen genau in eine Gesellschaft fällt, die ohnehin an der falschen Stelle Takt vorgibt. Schulen starten früh, Arbeitszeiten passen oft nicht zur inneren Uhr, und Müdigkeit verändert das soziale Miteinander. Wenn Menschen weniger empathisch und aggressiver werden, ist das nicht nur ein Charakterthema, sondern ein Zustand, der sich durch Räume, Teams, Familien und Kundengespräche zieht. Der Frühaufstehertrend verkauft Kontrolle, aber er kann genau das Gegenteil verstärken: eine Gesellschaft, die sich ständig müde organisiert und daraus noch ein Erfolgslabel macht.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Der Tag wirkt zunächst wie eine lose Kette aus Markt, Vertrag, Politik und Gesundheit, doch die Verbindung entsteht dort, wo Erwartung schneller wächst als Verantwortung. Eine Wohlfühlmarke kann Nähe perfektionieren, ein Versandangebot kann diese Nähe in den Alltag verlängern, und plötzlich wird aus Gewohnheit eine Art stilles Gütesiegel, das medizinisch gar nicht gemeint war. Gleichzeitig zeigt der Blick auf eine Kommune, in der der Apothekenrückgang zur Tatsache geworden ist, dass Versorgung nicht nur aus Angebot besteht, sondern aus Verlässlichkeit, die ökonomisch getragen werden muss. Genau hier treffen dann die scheinbar kleinen Vertragsänderungen auf die große Realität: Wenn Betreiberpflichten anders gefasst werden und Nachweise entfallen, sinkt Reibung, aber die Pflicht zur eigenen Systematik steigt, weil im Ernstfall nicht der Vertrag tröstet, sondern die gelebte Praxis. Und wenn ein Depot-Penicillin mangels wirtschaftlicher Produktionslogik nur noch über Import stabilisiert werden kann, wird klar, dass Preisrahmen nicht nur “Budget” sind, sondern ein Steuerungsinstrument, das Versorgung entweder ermöglicht oder ausdünnt. In der politischen Debatte verschiebt sich währenddessen der Ton: Nicht mehr die Frage, wie Reserve gebaut wird, sondern wie Belastung verteilt wird, und zwar so, dass sie sich nach Stärke anfühlt. Das ist die eigentliche Systemlast des Tages: Nicht die Schlagzeile, sondern die dauerhafte Gewöhnung daran, dass Verantwortung gern dort landet, wo sie am spätesten widersprochen wird.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn Nähe Kompetenz ersetzt, wenn Verträge Pflichten neu sortieren und wenn Politik Sicherheit als Variable behandelt, dann entsteht ein Alltag, in dem Fehler nicht häufiger passieren müssen, aber teurer werden. Der Engpass beim unverzichtbaren Antibiotikum und der Streit um Sozialleistungen erzählen am Ende dieselbe Geschichte: Das System reagiert spät, weil es Reserven erst erkennt, wenn sie fehlen. Und selbst der Trend, den Tag früher zu beginnen, wirkt wie ein Symbol dafür, wie gern man biologische Grenzen in Moral umdeutet, statt die Rahmen so zu bauen, dass Menschen nicht gegen sich selbst funktionieren müssen. Wer heute Ordnung verspricht, ohne Verantwortung mitzudenken, produziert morgen nicht nur Ärger, sondern Kosten, Brüche und Misstrauen, die sich nicht mehr elegant zurückdrehen lassen.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Heute zeigt sich an Markt, Vertrag und Politik, wie schnell Verantwortung aus dem Versprechen in die Fläche wandert.
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