• 01.02.2026 – Bundesrat stärkt Apotheken, Bundesregierung vertagt Honorar, Verantwortung rutscht in die Offizin.

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DocSecur® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute

Bundesrat stärkt Apotheken, Bundesregierung vertagt Honorar, Verantwortung rutscht in die Offizin.

 

Ausgabe Nr. 175 | Länder setzen Kette, Berlin verschiebt Verfahren, die Fläche trägt Reibung.

Stand: Sonntag, 01. Februar 2026, um 15:57 Uhr

Apotheken-News: Kommentar von heute

Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über ApoVWG, Honorarverfahren, Versandregeln und die Verschiebung von Verantwortung in den Vor-Ort-Apotheken.

Die Länder haben im Bundesrat etwas getan, was in der Berliner Apothekenpolitik selten geworden ist: Sie haben nicht nur die Bedeutung der Vor-Ort-Apotheken beschworen, sondern einen konkreten Stärkungsmechanismus skizziert, der Geld, Fläche und Regelklarheit zusammenbindet. Fixum rauf, Grundkosten abfedern, Versorgungszuschlag als Instrument für die flächendeckende Struktur, dazu ein Nein zur PTA-Vertretungsbefugnis und Skepsis gegenüber einer Zweigapotheken-Logik, die am Ende eher Etiketten austauscht als Tragfähigkeit erzeugt. Das ist kein romantischer Apothekenreflex, sondern ein Governance-Entwurf: Wenn Politik Verantwortung delegiert, muss sie auch die Grundbedingungen sichern, unter denen Verantwortung überhaupt getragen werden kann.

These: Die Bundesregierung droht die Apotheken nicht durch eine offene Abwicklung zu schwächen, sondern durch ein politisch bequemes Dazwischen, in dem „Flexibilität“ zum Ersatzwort für Unterfinanzierung wird. Genau dort sitzt der Kernkonflikt. Wenn der Bund erklärt, er stehe zur Fixumerhöhung, aber erst später, erst in einer Verordnung, erst nach Rücksicht auf die GKV-Finanzen, dann ist das für den parlamentarischen Betrieb ein normaler Satz. Für die Betriebe ist es die Botschaft, dass die Last im Jetzt bleibt, während die Entlastung in ein Verfahren verschoben wird, in dem niemand den Zeitpunkt garantieren muss. Das Problem ist nicht, dass die GKV-Finanzen eine Rolle spielen, sondern dass das Timing selbst zur Steuerungswaffe wird: Die Politik gewinnt Zeit, die Apotheken verlieren Planbarkeit, und die Versorgung verliert Puffer.

Die Verteidigungslinie „Flexibilität“ klingt modern, weil sie nach Anpassung und Spielraum riecht. In der Praxis meint sie häufig, dass Struktur, Pflichten und Wettbewerb so umgestellt werden, dass der Staat weniger direkt entscheiden muss, wer wie viel bekommt, und dass Konflikte in die Fläche verlagert werden. Sobald sich das Honorar nicht als klare Basis verbessert, sondern als Option für später herumgetragen wird, wird Flexibilität zum Code für Risikoverlagerung. Die Apotheke soll mehr abfangen, mehr erklären, mehr dokumentieren, mehr in die Breite gehen, aber sie soll das Risiko der Finanzierung, des Personals und der täglichen Kasse weiter selbst tragen. Das ist kein Fortschritt, das ist eine Verschiebung der Verantwortung auf den Betrieb, ohne dass die öffentliche Seite ihre Verpflichtung präzisiert.

Das Ländervotum hat deshalb eine zweite Bedeutungsebene, die man nicht übersehen darf: Es ist auch eine Absage an Ersatzarchitekturen. Zweigapotheken mit reduzierter Ausstattung klingen wie eine pragmatische Antwort auf Schließungen, können aber in der Realität eine schleichende Entwertung sein. Wenn in einem Raum Versorgungspunkte mit abgespeckten Anforderungen entstehen, sinkt die Leistungsfähigkeit nicht proportional zur Erwartung, die Patientinnen und Patienten an Versorgung haben. Die Vollapotheke im Umfeld steht dann nicht nur in Konkurrenz zu einem neuen Schild, sondern zu einem Modell, das mit anderer Ausstattung, anderer Kostenbasis und anderer Pflichtenlage operiert. Wer so Strukturen „erhält“, kann am Ende die wirtschaftliche Basis der leistungsfähigen Standorte untergraben, die die Systemlast heute tatsächlich tragen, vom Personalaufbau bis zur Notdienstrealität. Ordnungspolitisch ist das heikel, weil es das Prinzip gleicher Pflichten bei gleichem Markt verschiebt, ohne dass offen darüber gesprochen wird.

Dass die Länder zugleich die geplante PTA-Vertretungsbefugnis ablehnen, ist ebenfalls nicht nur Symbol. Man kann das als Schutz der Verantwortungsgrenzen lesen, man kann es als verpasste Entlastung lesen, und beide Lesarten haben Substanz. Der entscheidende Punkt ist aber der Zusammenhang: Eine harte Regel ohne finanzielle Stabilisierung erzeugt Friktion, weil sie die Erwartungen an Leistung nicht senkt, aber die Möglichkeit einschränkt, Personallücken pragmatisch zu überbrücken. Genau deshalb wird diese Entscheidung nur dann als Stärkung wirken, wenn die ökonomischen Maßnahmen wirklich kommen. Bleibt das Honorar in der Schwebe, wirkt das Nein zur Vertretungsbefugnis in der Fläche wie eine zusätzliche Festigkeit ohne zusätzlichen Boden.

Auch beim Versandhandel ist der Bundesrat näher an der ordnungspolitischen Kernfrage als die Debatte oft vermuten lässt. Die Forderung nach Anzeigepflicht und Regelbindung für EU-Versender ist kein Reflex gegen Wettbewerb an sich, sondern der Versuch, Wettbewerb über gleiche Regeln herzustellen. Wer in Deutschland verkauft, soll sichtbar sein und die deutschen Vorgaben einhalten. Doch auch hier gilt: Ein Register schafft noch keine Ordnung, und eine Anzeige noch keinen Vollzug. Wenn Kontrolle, Sanktion und Durchsetzung nicht mitgedacht werden, bleibt die Regel ein politisches Zeichen, während die Marktmechanik weiter über Kostenbasis, Skalierung und Risikoverteilung entscheidet. Dann hat man formal die Ordnung gestärkt, praktisch aber nur den Eindruck.

Ein ernsthaftes Gegenargument lautet, dass der Bund nicht einfach Geld in ein System geben kann, das seit Jahren unter strukturellen Spannungen steht, ohne Kriterien, Zielgenauigkeit und Kontrolle zu definieren. Jede Erhöhung wirkt in die GKV-Ausgaben hinein, und ohne klare Steuerung drohen Mitnahmeeffekte. Außerdem kann man argumentieren, dass Strukturvarianten im ländlichen Raum Versorgungspunkte erhalten, wo eine Vollapotheke wirtschaftlich nicht mehr darstellbar ist, und dass man ohne solche Instrumente schneller Versorgungslücken sieht. Diese Position ist nicht zynisch, sie ist eine nüchterne Haushalts- und Systemperspektive.

Sie wird aber dort brüchig, wo „Flexibilität“ die zentrale Frage umgeht: Wer trägt die Folgen, wenn die Tragfähigkeit der Vor-Ort-Struktur weiter erodiert. Denn wenn die finanzielle Basis nicht verlässlich angehoben wird, ist die Konsequenz nicht nur, dass einzelne Apotheken schließen. Die Konsequenz ist, dass die verbleibenden Standorte defensiver werden, weniger investieren, Personalentscheidungen härter treffen und zusätzliche Aufgaben eher abwehren als annehmen. Das ist Systemlast auf der Folgebene: weniger Bereitschaft für neue Versorgungsmodelle, mehr Konflikte an den Schnittstellen, mehr Druck auf Arztpraxen, mehr Frust bei Patienten, mehr politische Ad-hoc-Reparatur. Der Staat spart dann an der sichtbaren Stelle und zahlt später an der unsichtbaren, weil Reibung sich nicht als Haushaltsposition ausweist, aber als tägliche Belastung überall auftaucht.

Und genau hier schließt sich der Kreis zur Frage, die über dem Ganzen steht, auch wenn sie in den Papieren nicht als Überschrift steht: Welche Rolle soll die Apotheke künftig im System spielen. Sobald die Politik ernsthaft darüber nachdenkt, Aufgaben aus der Primärversorgung in die Apotheke zu ziehen, wird die Honorarfrage nicht mehr eine Branchenfrage, sondern eine Ordnungsfrage. Dann geht es nicht nur um ein Fixum, sondern um Zuständigkeit, Haftung, Dokumentationslast und die Grenze dessen, was man der Apotheke zumuten kann, ohne sie in ein Verschleißprogramm zu schicken. Eine Regierung, die sich beim Honorar auf später vertagt, aber gleichzeitig mit Rollenmodellen spielt, baut eine Schieflage in das System ein: Mehr Verantwortung wird wahrscheinlicher, während die Gegenfinanzierung unklar bleibt.

Die Länder haben mit ihrer Empfehlung gezeigt, dass man Stärkung als Kette denken kann, nicht als Slogan. Der Bund muss nun entscheiden, ob er diese Kette aufnimmt oder ob er das Thema in Verordnungen und Zeitgewinn zerlegt. Wer heute auf Zeit spielt, sollte wenigstens ehrlich sagen, wer die Zeit bezahlt. In der Apotheke ist Zeit nicht nur ein Kalenderbegriff, sondern die Substanz aus Personal, Vorfinanzierung und täglichem Risiko. Wenn Politik das ignoriert, wird „Flexibilität“ zur Ausrede, und „Stärkung“ zur Kulisse, die beim nächsten Versorgungsbruch niemand mehr glaubt.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Die Länder haben im Bundesrat eine Stärkung nicht als Gefühl, sondern als Kette formuliert: Fixum, Grundkosten, Fläche, dazu klare Grenzen bei PTA-Vertretung und Zweigapotheken. In Berlin wird dieselbe Kette in Zeit verwandelt, erst prüfen, dann später regeln, dann in eine Verordnung schieben. Zeit klingt administrativ, ist aber für die Offizin ein Rohstoff, der jeden Tag verbrannt wird: Personal bindet, Vorfinanzierung frisst Luft, Investitionen warten, und jeder ungeklärte Schritt wird als Praxisproblem zurückgeschoben. Genau dort kippt Flexibilität vom Versprechen in eine Technik, die Verantwortung wandern lässt, ohne dass Finanzierung und Haftung mitwandern.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wer Apotheken stärken will, muss nicht nur Ziele nennen, sondern Ordnung setzen, damit Leistung nicht durch Verzögerung herausgepresst wird. Wenn Honorar, Vollzug und Zuständigkeit auseinanderlaufen, entsteht eine Reibungszone, in der Versorgung nur funktioniert, weil Betriebe sie trotzdem tragen, bis Geduld zu Rückzug wird.

 

SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@docsecur.de
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Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.

 

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