Hauptmenü
Für Sie gelesen
Sehr geehrte Ärzte,
hier ist der vollständige Text für Sie:
APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute
Stand: Samstag, 31. Januar 2026, um 13:10 Uhr
Apotheken-News: Kommentar von heute
Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über Reformvollzug, Retaxpraxis, Sicherheitsanforderungen und die Verschiebung von Verantwortung im Versorgungssystem.
Der OTC-Teil bricht nicht an einem einzelnen Tag, sondern über Jahre in kleinen Stücken. Genau das macht ihn gefährlich. Wenn Stückzahlen sinken, bleibt der Aufwand trotzdem stehen, und oft steigt er sogar, weil Beratung, Rückfragen, Retourenlogik, Rezeptservice und Dokumentationspflichten nicht parallel schrumpfen. Das System entlastet nicht, es verlagert. Vor Ort wird daraus ein Dauerzustand, der wirtschaftlich wie psychologisch frisst.
Der Versand wächst, weil er den Erstkontakt in Auswahlarchitekturen verlegt. Preis, Packungsgröße, Lieferoption, Abo-Rhythmus, Rabattlogik, Bundle und Cross-Sell sind dort nicht Begleitmusik, sondern das Hauptinstrument. Wer dort gewinnt, gewinnt nicht nur Umsatz, sondern Gewohnheit. In einem Markt, der ohnehin kaum noch natürlich wächst, bedeutet das für die Fläche nicht einfach weniger Geschäft, sondern weniger Wiederkehr.
Das Bittere ist die Asymmetrie: Das stationäre System trägt Öffnungszeiten, Personalbindung, spontane Verfügbarkeit, Notfallbereitschaft im Alltag, Schnittstellen zu Arztpraxis, Pflege und Klinik, plus die Erwartung, dass Beratung auch dann stattfindet, wenn sie nicht direkt bezahlt wird. Der Online-Kanal kann sich auf das konzentrieren, was sich gut skalieren lässt. Das ist kein moralischer Vorwurf, sondern ein Strukturunterschied, der jede Prozentverschiebung härter macht, als sie auf dem Papier aussieht.
Wenn man die Zahlen in eine Betriebslogik übersetzt, wird aus Marktanteil sehr schnell Ertrag. Nicht weil jede Packung gleich viel wert wäre, sondern weil der OTC-Teil häufig den Spielraum liefert, der Fixkosten und unproduktive Zeiten mitträgt. Fällt dieser Spielraum weg, entsteht eine stille Kettenreaktion: weniger Luft für Personal, weniger Luft für Zusatzleistungen, weniger Luft für Lagerbreite, weniger Luft für die Art von Beratung, die Konflikte verhindert, bevor sie entstehen.
Das führt zu einer zweiten Geschwindigkeit im System. Die Durchschnittswerte je Betrieb können stabiler wirken, weil die Anzahl der Betriebe sinkt und der Rest statistisch mehr auf sich verteilt. Im Alltag fühlt es sich trotzdem nicht wie Wachstum an, sondern wie Verdichtung. Mehr Last pro Team, weniger Puffer im Monatsverlauf, stärkere Abhängigkeit von einzelnen Wochen. In so einer Lage wird jedes weitere Abwandern im OTC-Segment nicht nur ein Umsatzthema, sondern ein Stabilitätsthema.
Politisch wird es heikel, weil sich hier zwei Wahrheiten überlagern. Die eine ist Wettbewerbslogik. Die andere ist Versorgungslogik. Solange beide im gleichen Satz genannt werden, ohne sauber zu trennen, entstehen falsche Erwartungen. Wenn die Fläche Versorgung sichern soll, muss sie Finanzierung und Regeln so vorfinden, dass sie nicht jedes Jahr ein Stück weiter in eine Quersubvention gedrückt wird, die niemand offen ausspricht.
Der nächste Konflikt liegt nicht einmal im Preis, sondern in der Sichtbarkeit. Online lässt sich Verhalten messen und steuern, im Betrieb wird Verhalten abgefangen. Das ist der Punkt, an dem Unschärfe zur Lastverschiebung wird. Die Leistung wird erwartet, aber nicht als eigene Leistung geführt. Sie verschwindet im Hintergrundrauschen, bis sie fehlt. Dann heißt es plötzlich, der Betrieb sei unzuverlässig, dabei ist er nur ausgedünnt worden.
Und genau hier wird aus dem OTC-Thema eine Zukunftsfrage. Wenn der Versand sich weiter Richtung Anteile bewegt, die man aus anderen Branchen kennt, dann muss sich entscheiden, was der stationäre Teil künftig sein soll. Ein Ort für Akutes und Rx allein, flankiert von Online für alles Planbare. Oder ein breiter Gesundheitsknoten, der auch im Non-Rx-Bereich relevant bleibt, weil Regeln, Honorierung und Rollenbild dazu passen.
Der entscheidende Hebel ist deshalb nicht die nächste Schlagzeile, sondern die konsequente Übersetzung der Marktbewegung in Vollzugsfragen. Wer trägt welche Pflicht, wer darf welche Leistung, wer bekommt welchen Ausgleich, wer hält welche Reserve. Solange diese Fragen offen bleiben, läuft der Trend nicht einfach weiter, er beschleunigt, weil er sich selbst verstärkt. Gewohnheit wandert, Kosten bleiben, und am Ende hängt die Differenz dort, wo man am wenigsten ausweichen kann.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Was im Non-Rx-Markt nach „nur ein paar Prozent“ aussieht, wirkt in der Fläche wie ein Hebel: Auswahl findet immer früher statt, der Preis wird immer sichtbarer, der Weg zur Ware immer kürzer. Vor Ort bleibt dann nicht weniger Arbeit, sondern mehr Kontext, mehr Klärung, mehr Haftung im Gespräch – bei einem Erlös, der den Unterschied zwischen Ware und Leistung nicht sauber abbildet. Der Versand wächst nicht nur über Reichweite, sondern über Routinen, die den Erstkontakt standardisieren. So entsteht ein Markt, in dem Tempo belohnt wird, während Verantwortung kleinteilig bleibt.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn 300 Millionen Packungen nicht mehr am HV ankommen, verschiebt sich nicht nur Umsatz, sondern die Logik von Versorgung: weniger Puffer, weniger spontane Korrektur, mehr Nacharbeit an der falschen Stelle. Ein Preisdruck, der bei M-Produkten und Drogeriewelten gelernt wurde, wandert in die Arznei-Peripherie und frisst sich als Erwartung in die Beratung. Damit wird Non-Rx zum Dauerpflegefall, weil jeder kleine Rückgang die Fixkostenkante härter trifft. Und je länger Politik Pflichten addiert, ohne Reserve mitzudenken, desto schneller wird aus Marktbewegung Systemlast.
SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@docsecur.de
Autorenseite öffnen
Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.
Wir kennen Ihr Geschäft, und das garantiert Ihnen eine individuelle und kompetente Beratung
Sie haben einen Beruf gewählt, der weit mehr als reine Erwerbstätigkeit ist. Sie verfolgen im Dienste der Bevölkerung hohe ethische Ziele mit Energie, fachlicher Kompetenz und einem hohen Maß an Verantwortung. Um sich voll auf Ihre Aufgabe konzentrieren zu können, erwarten Sie die optimale Absicherung für die Risiken Ihrer Berufsgruppe.
Sie suchen nach Möglichkeiten, Ihre hohen Investitionen zu schützen und streben für sich und Ihre Angehörigen nach einem angemessenen Lebensstandard, auch für die Zukunft.
Mit der DocSecur FirmenGruppe steht Ihnen ein Partner zur Seite, der bereits viele Mediziner in Deutschland zu seinen Kunden zählen darf. Vergleichen Sie unser Angebot und Sie werden sehen, es lohnt sich, Ihr Vertrauen dem Versicherungsspezialisten für Ihren Berufsstand zu schenken.
DocSecur® RISKM: Professionelles Sicherheitsmanagement
DocSecur® CHECK: Geld sparen mit dem richtigen Überblick
DocSecur® KOMPASS: Die umfassenden Lösungen der DocSecur
DocSecur® LEITFADEN: Das Leben steckt voller Risiken - Wir begleiten Sie sicher in Ihre Zukunft
DocSecur® BUSINESS: Ihr betriebliches Sicherheitspaket
DocSecur® PRIVATE: Ihr privates Sicherheitspaket
DocSecur® TEAM: Versicherungslösungen speziell für Angestellte
DocSecur® OMNI: Eine einzige Versicherung für alle betrieblichen Gefahren
DocSecur® FLEX: Versicherungskonzept, flexibel wie Ihre Arztpraxis
DocSecur® JURA: Mit berufsständischem Rechtsschutz immer auf der sicheren Seite
DocSecur® CYBER: Eine einzige Versicherung für alle Internetrisiken
Sicher in die Zukunft – www.docsecur.de