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APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute
Stand: Sonntag, 18. Januar 2026, um 18:15 Uhr
Apotheken-News: Kommentar von heute
Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über den geplanten Versorgungszuschlag, die Verhandlungslösung im SGB V und die Verschiebung von Verantwortung im Versorgungssystem.
Die These ist eindeutig: Wenn ein Kassensprecher Apothekenschließungen als Ergebnis freier Inhaberentscheidungen beschreibt, wird betriebswirtschaftlicher Zwang in eine Komforterzählung verwandelt. Das entlastet nicht nur die eigene Kommunikationslage, es verschiebt auch Verantwortung im System, weil der Reformdruck aus der Frage verschwindet, wie Versorgung in der Fläche dauerhaft tragfähig bleibt. Schließungen sind in der Regel kein Ausdruck von Laune oder Standortromantik, sondern die Konsequenz aus einer Rechnung, die Fixkosten, Personal, Bürokratie, Vorfinanzierung und Vergütung nicht mehr zusammenbringt.
Die Mechanik dieser Umdeutung funktioniert, weil sie an Zahlen andockt, die plausibel klingen, aber den Kern nicht treffen. Umsatz kann steigen, ohne dass der Betrieb mehr Luft bekommt, weil Umsatz im Apothekenbetrieb vor allem Durchlauf abbildet. Gleichzeitig wachsen Kostenblöcke, Personalbindung, Dokumentationslast und organisatorische Komplexität, die sich nicht automatisch in besserer Tragfähigkeit niederschlagen. Auch wachsende Beschäftigtenzahlen sind in dieser Logik kein Beweis für Wohlstand, sondern können Ausdruck von Aufgabenverlagerung und Dichte sein, die den Alltag teurer und fragiler machen. Wer die Lage von Apothekeninhabern beurteilen will, muss nicht zuerst auf Durchlauf schauen, sondern auf den Abstand zwischen Aufwand und dem, was am Ende als unternehmerischer Spielraum übrig bleibt.
Vor diesem Hintergrund ist Standortbündelung häufig keine freie Entscheidung, sondern Notwehr. Wenn einzelne Standorte die Fixkosten nicht mehr tragen, wird verdichtet, filialisert oder zusammengelegt, um Personal, Organisation und Prozesse überhaupt noch stabil zu halten. Das ist keine Komfortstrategie, sondern ein Stabilisierungskorridor. Genau dort entsteht das Strukturproblem: Das System belohnt Skalierbarkeit und Menge, während die Fläche ausdünnt. Was im Gesamtbild wie Konzentration wirkt, ist im Einzelbetrieb oft ein Versuch, einen Kipppunkt zu vermeiden.
Das Gegenargument verdient Gewicht: Es gibt Apotheken, denen es gut geht, und es gibt Betriebe, die wachsen, auch weil andere schließen. Zudem stehen Krankenkassen selbst unter Finanz- und Rechtfertigungsdruck und reagieren auf Forderungen nach Honorar oder Anpassungen mit dem Hinweis, dass Kennzahlen insgesamt nicht nach Krise aussehen. Dieser Einwand ist nicht falsch, nur reicht er als Entwarnung nicht aus. Ein System kann im Durchschnitt ordentliche Werte zeigen und trotzdem eine Erosion in der Fläche produzieren, wenn Gewinner über Menge entstehen und Verlierer über Standortlogik. Dann ist „insgesamt“ keine Beschreibung der Versorgungslage, sondern eine statistische Beruhigung.
Die systemische Folgenebene ist damit klar. Wird Schließung als Entscheidung erzählt, sinkt der Reformdruck, weil das Problem zu einer privaten Präferenz erklärt wird. Sinkt der Reformdruck, bleibt die Vergütungs- und Kostenstatik unverändert, und die Konzentrationsbewegung wird nicht gebremst, sondern weitergetrieben. Für Versicherte und Patienten bedeutet das längere Wege, weniger spontane Erreichbarkeit und höhere Belastung der verbleibenden Standorte. Für die Apotheken bedeutet es eine Verschiebung der Risikolast: Wer bleibt, trägt mehr Komplexität, mehr Verantwortung und häufig auch mehr Erwartung, ohne dass die Statik des Systems entsprechend nachgeführt wird.
Genau an dieser Stelle wird Sprache ordnungspolitisch. Ein Satz, der Schließungen umdeutet, verändert nicht die Bilanz, aber er verändert die Zuständigkeitswahrnehmung. Und wenn Zuständigkeit unscharf wird, wird auch die Debatte über Finanzierung unscharf. Dann entstehen Sätze, die beruhigen sollen, während die Fläche weiter ausdünnt. Für ein Versorgungssystem, das ohnehin an vielen Stellen Verantwortung weiterreicht, ist das kein Nebengeräusch, sondern eine Verstärkung der Drift, weil es Lasten unsichtbar macht, statt sie sauber zuzuordnen.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Wenn ein System Bindung über Budgetlogik organisiert, muss es Wirklichkeit präzise benennen, sonst wird Deutung zur Entlastung des Apparats und die Fläche zur Rechnung der Apotheken.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wer Schließungen als freie Entscheidung rahmt, verschiebt Verantwortung aus der Tragfähigkeitsdebatte in eine Charakterdebatte, und genau dadurch wird es schwerer, die Statik der Versorgung zu reparieren, bevor die Fläche irreversibel kippt.
SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@docsecur.de
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Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.
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