• 18.01.2026 – Kassen deuten Schließungen um, Apotheken tragen die Rechnung, Versorgung verliert die Fläche.

    ARZTPRAXIS | Systemblick - Kommentar von heute | Kommentar zur Aussage, Apothekeninhabern gehe es insgesamt gut: Umsatz ist nicht Tragfähigkeit, Konzentration ist oft Notwe ...

DocSecur® OMNI
All-Inklusive Versicherung für alle betrieblichen Gefahren
DocSecur® FLEX
Die flexible Versicherung für alle betrieblichen Gefahren
DocSecur® JURA
Rechtsschutz gibt es nicht auf Rezept!
DocSecur® CYBER
Arztpraxen sicher im Netz

Für Sie gelesen

Sehr geehrte Ärzte,
hier ist der vollständige Text für Sie:

DocSecur® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute

Kassen deuten Schließungen um, Apotheken tragen die Rechnung, Versorgung verliert die Fläche.

 

Ausgabe Nr. 164 | Der Kassen-Satz macht Zwang zur Wahl, er drückt Reformdruck aus der Debatte, er lässt die Fläche weiter ausdünnen.

Stand: Sonntag, 18. Januar 2026, um 18:15 Uhr

Apotheken-News: Kommentar von heute

Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über den geplanten Versorgungszuschlag, die Verhandlungslösung im SGB V und die Verschiebung von Verantwortung im Versorgungssystem.

Die These ist eindeutig: Wenn ein Kassensprecher Apothekenschließungen als Ergebnis freier Inhaberentscheidungen beschreibt, wird betriebswirtschaftlicher Zwang in eine Komforterzählung verwandelt. Das entlastet nicht nur die eigene Kommunikationslage, es verschiebt auch Verantwortung im System, weil der Reformdruck aus der Frage verschwindet, wie Versorgung in der Fläche dauerhaft tragfähig bleibt. Schließungen sind in der Regel kein Ausdruck von Laune oder Standortromantik, sondern die Konsequenz aus einer Rechnung, die Fixkosten, Personal, Bürokratie, Vorfinanzierung und Vergütung nicht mehr zusammenbringt.

Die Mechanik dieser Umdeutung funktioniert, weil sie an Zahlen andockt, die plausibel klingen, aber den Kern nicht treffen. Umsatz kann steigen, ohne dass der Betrieb mehr Luft bekommt, weil Umsatz im Apothekenbetrieb vor allem Durchlauf abbildet. Gleichzeitig wachsen Kostenblöcke, Personalbindung, Dokumentationslast und organisatorische Komplexität, die sich nicht automatisch in besserer Tragfähigkeit niederschlagen. Auch wachsende Beschäftigtenzahlen sind in dieser Logik kein Beweis für Wohlstand, sondern können Ausdruck von Aufgabenverlagerung und Dichte sein, die den Alltag teurer und fragiler machen. Wer die Lage von Apothekeninhabern beurteilen will, muss nicht zuerst auf Durchlauf schauen, sondern auf den Abstand zwischen Aufwand und dem, was am Ende als unternehmerischer Spielraum übrig bleibt.

Vor diesem Hintergrund ist Standortbündelung häufig keine freie Entscheidung, sondern Notwehr. Wenn einzelne Standorte die Fixkosten nicht mehr tragen, wird verdichtet, filialisert oder zusammengelegt, um Personal, Organisation und Prozesse überhaupt noch stabil zu halten. Das ist keine Komfortstrategie, sondern ein Stabilisierungskorridor. Genau dort entsteht das Strukturproblem: Das System belohnt Skalierbarkeit und Menge, während die Fläche ausdünnt. Was im Gesamtbild wie Konzentration wirkt, ist im Einzelbetrieb oft ein Versuch, einen Kipppunkt zu vermeiden.

Das Gegenargument verdient Gewicht: Es gibt Apotheken, denen es gut geht, und es gibt Betriebe, die wachsen, auch weil andere schließen. Zudem stehen Krankenkassen selbst unter Finanz- und Rechtfertigungsdruck und reagieren auf Forderungen nach Honorar oder Anpassungen mit dem Hinweis, dass Kennzahlen insgesamt nicht nach Krise aussehen. Dieser Einwand ist nicht falsch, nur reicht er als Entwarnung nicht aus. Ein System kann im Durchschnitt ordentliche Werte zeigen und trotzdem eine Erosion in der Fläche produzieren, wenn Gewinner über Menge entstehen und Verlierer über Standortlogik. Dann ist „insgesamt“ keine Beschreibung der Versorgungslage, sondern eine statistische Beruhigung.

Die systemische Folgenebene ist damit klar. Wird Schließung als Entscheidung erzählt, sinkt der Reformdruck, weil das Problem zu einer privaten Präferenz erklärt wird. Sinkt der Reformdruck, bleibt die Vergütungs- und Kostenstatik unverändert, und die Konzentrationsbewegung wird nicht gebremst, sondern weitergetrieben. Für Versicherte und Patienten bedeutet das längere Wege, weniger spontane Erreichbarkeit und höhere Belastung der verbleibenden Standorte. Für die Apotheken bedeutet es eine Verschiebung der Risikolast: Wer bleibt, trägt mehr Komplexität, mehr Verantwortung und häufig auch mehr Erwartung, ohne dass die Statik des Systems entsprechend nachgeführt wird.

Genau an dieser Stelle wird Sprache ordnungspolitisch. Ein Satz, der Schließungen umdeutet, verändert nicht die Bilanz, aber er verändert die Zuständigkeitswahrnehmung. Und wenn Zuständigkeit unscharf wird, wird auch die Debatte über Finanzierung unscharf. Dann entstehen Sätze, die beruhigen sollen, während die Fläche weiter ausdünnt. Für ein Versorgungssystem, das ohnehin an vielen Stellen Verantwortung weiterreicht, ist das kein Nebengeräusch, sondern eine Verstärkung der Drift, weil es Lasten unsichtbar macht, statt sie sauber zuzuordnen.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Wenn ein System Bindung über Budgetlogik organisiert, muss es Wirklichkeit präzise benennen, sonst wird Deutung zur Entlastung des Apparats und die Fläche zur Rechnung der Apotheken.

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wer Schließungen als freie Entscheidung rahmt, verschiebt Verantwortung aus der Tragfähigkeitsdebatte in eine Charakterdebatte, und genau dadurch wird es schwerer, die Statik der Versorgung zu reparieren, bevor die Fläche irreversibel kippt.

 

SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@docsecur.de
Autorenseite öffnen

Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.

 

Zurück zur Übersicht

Kontakt
Jetzt Ihr persönliches Angebot anfordern!
Rückrufservice
Gerne rufen wir Sie zurück!
Suche
  • Die Versicherung mit Konzept

    DocSecur® OMNI | Für alles gibt es eine Police - wir haben eine Police für alles.

Wir kennen Ihr Geschäft, und das garantiert Ihnen eine individuelle und kompetente Beratung

Sie haben einen Beruf gewählt, der weit mehr als reine Erwerbstätigkeit ist. Sie verfolgen im Dienste der Bevölkerung hohe ethische Ziele mit Energie, fachlicher Kompetenz und einem hohen Maß an Verantwortung. Um sich voll auf Ihre Aufgabe konzentrieren zu können, erwarten Sie die optimale Absicherung für die Risiken Ihrer Berufsgruppe.

Sie suchen nach Möglichkeiten, Ihre hohen Investitionen zu schützen und streben für sich und Ihre Angehörigen nach einem angemessenen Lebensstandard, auch für die Zukunft.

  • Die DocSecur® FLEX

    Eine flexible Versicherung für alle betrieblichen Gefahren

Unter der kostenfreien Telefonnummer 0800. 919 0000 oder Sie faxen uns unter 0800. 919 6666, besonders dann, wenn Sie weitere Informationen zu alternativen Versicherern wünschen.

Mit der DocSecur FirmenGruppe steht Ihnen ein Partner zur Seite, der bereits viele Mediziner in Deutschland zu seinen Kunden zählen darf. Vergleichen Sie unser Angebot und Sie werden sehen, es lohnt sich, Ihr Vertrauen dem Versicherungsspezialisten für Ihren Berufsstand zu schenken.

Aktuell
Ratgeber
Vergleich
Beratung
Kontakt
  • Die DocSecur® CYBER

    Eine einzige Versicherung für alle Internetrisiken

Beratungskonzept

DocSecur® RISKM: Professionelles Sicherheitsmanagement
DocSecur® CHECK: Geld sparen mit dem richtigen Überblick
DocSecur® KOMPASS: Die umfassenden Lösungen der DocSecur
DocSecur® LEITFADEN: Das Leben steckt voller Risiken - Wir begleiten Sie sicher in Ihre Zukunft
DocSecur® BUSINESS: Ihr betriebliches Sicherheitspaket
DocSecur® PRIVATE: Ihr privates Sicherheitspaket
DocSecur® TEAM: Versicherungslösungen speziell für Angestellte
DocSecur® OMNI: Eine einzige Versicherung für alle betrieblichen Gefahren
DocSecur® FLEX: Versicherungskonzept, flexibel wie Ihre Arztpraxis
DocSecur® JURA: Mit berufsständischem Rechtsschutz immer auf der sicheren Seite
DocSecur® CYBER: Eine einzige Versicherung für alle Internetrisiken

Sicher in die Zukunft – www.docsecur.de

QR Code
Startseite Impressum Seitenübersicht Lexikon Checklisten Vergleichsrechner