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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Samstag, 17. Januar 2026, um 17:10 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
Gefälschte Zahlungsaufforderungen mit Behördenlogo, Aktenzeichen und Drohkulisse wirken inzwischen so professionell, dass selbst ein einzelnes Detail wie eine irische IBAN nicht mehr automatisch als Warnsignal reicht. Parallel wird der hohe Krankenstand politisch als Produktivitätsproblem verhandelt, inklusive erneuter Kritik an der telefonischen Krankschreibung, während Krankenkassen und Statistikdebatten die Frage verschieben, ob es um Missbrauch oder um vollständigeres Erfassen geht. Im Gesundheitsmarkt wächst zugleich die Grauzone: Blutanalysen, KI-Screenings und Checks in Drogerien erzeugen Momentaufnahmen ohne ärztlichen Kontext, genau dort, wo Apotheken und Praxen ohnehin zwischen Versorgung, Beratung und Haftung stehen. Für den Nachwuchs trifft das System zusätzlich die Ausbildungsbasis, wenn Hochschulen Mittel kürzen und Qualität indirekt zur Haushaltsfrage wird. In der öffentlichen Gesundheitskommunikation verschärfen sich Narrative, wenn politische Aussagen zu Arzneimitteln wie Paracetamol in der Schwangerschaft viral werden, obwohl große Übersichtsarbeiten keinen klinisch bedeutsamen Risikoanstieg stützen. In der Praxis laufen diese Linien zusammen: Versorgungsengpässe bei Salbutamol, Leitlinienhinweise zu entzündungshemmender Basistherapie, unternehmerische Online-Offensiven einzelner Apotheken – und als Kontrastbild die Bordapotheke im All, die zeigt, wie teuer Redundanz ist, wenn Hilfe nicht „nebenan“ steht.
In der Apotheke kommt eine Zahlungserinnerung an, die auf den ersten Blick wie Behördenpost aussieht: Logo, Aktenzeichen, formale Sprache, klare Drohkulisse. Der geforderte Betrag liegt bei rund 375 Euro – nicht hoch genug, um sofort Alarmglocken auszulösen, aber genau richtig, um im Alltag als „schnell zu erledigen“ durchzurutschen. Das Schreiben behauptet ein Ordnungsgeldverfahren wegen angeblich unterlassener Offenlegung von Umsatzzahlen beziehungsweise Jahresabschlussdaten für das Geschäftsjahr 2023. Wer im Betrieb ohnehin mit Fristen, Retax, Personalplänen und Lieferdruck jongliert, spürt in so einem Moment nicht nur Unsicherheit, sondern auch den Reflex, den Vorgang rasch zu schließen. Diese Masche zielt nicht auf Unwissen, sondern auf Routine.
Die Konstruktion ist perfide, weil sie an echte Pflichten andockt und damit die innere Plausibilitätsprüfung unterläuft. § 325 HGB, elektronische Veröffentlichung, Ordnungsgeld, Verfahrenskosten, Mahngebühr: Das klingt nach dem Ton, den man aus realen Schreiben kennt, und genau dieser Wiedererkennungseffekt wird ausgenutzt. Dazu kommt eine benannte Sachbearbeitung, die das Ganze menschlicher und „zuständig“ wirken lässt, obwohl Namen hier oft nur Kulisse sind. Wichtig ist der psychologische Schritt: Aus einem vagen Verdacht soll ein pflichtgetriebener Handlungsdruck werden. Die Drohung mit Vollstreckungsmaßnahmen ist dafür der Hebel, weil sie gedanklich sofort Kosten, Ärger und Kontrollverlust aufruft.
Ein Detail kippt die Situation häufig nicht sofort, sondern erzeugt nur ein kurzes Stutzen – und das reicht Betrügern oft schon. In diesem Fall ist es die irische IBAN. Viele würden sie als roten Blinkpfeil lesen, aber internationale Kontoverbindungen sind inzwischen im Gesundheits- und IT-Umfeld nicht mehr ungewöhnlich, und genau diese Normalisierung wird als Deckung genutzt. Wenn parallel echte Dienstleister ebenfalls Auslandsbezüge haben, entsteht ein gefährlicher Zwischenraum: nicht eindeutig falsch, nicht eindeutig richtig. In diesem Zwischenraum passieren Fehlüberweisungen, weil die Entscheidung nicht auf Sicherheit, sondern auf Wahrscheinlichkeit getroffen wird. Und Wahrscheinlichkeit ist im Stress ein schlechter Berater.
Die entscheidende Abwehr liegt deshalb nicht in Bauchgefühl, sondern in einer harten Zuständigkeitslogik. Bei Ordnungsgeldverfahren rund um Offenlegungspflichten ist die zuständige Stelle keine Frage des Logos auf dem Papier, sondern eine Frage der tatsächlichen Verfahrenszuständigkeit. Sobald dieser Anker im Betrieb sitzt, schrumpft die Masche zusammen, weil sie an einer objektiven Prüfung scheitert. Genau das ist hier passiert: Die Inhaberin leitet das Schreiben an den Steuerberater weiter, und dort wird die Fälschung erkannt. Der Übergang von „ich bin erschrocken“ zu „ich gebe es in den richtigen Prüfkanal“ ist die eigentliche Schutzwirkung.
Damit wird sichtbar, wie teuer Betrug schon dann wird, wenn gar kein Geld fließt. Die Prüfzeit ist nicht gratis, sie frisst Aufmerksamkeit, unterbricht Abläufe und zieht Energie aus dem Tagesgeschäft. Jede zusätzliche Kontrolle konkurriert mit Rezeptannahme, Beratung, Kommissionierung, Botendienst und den vielen kleinen Störungen, die ohnehin schon im System stecken. Wenn dann auch noch Rezeptfälschungen, Rückfragen von Kassen, Lieferengpässe und digitale Störungen parallel laufen, wird die Summe zur Belastungslage. Betrug in dieser Form ist nicht nur ein finanzielles Risiko, sondern ein Organisationsrisiko. Er verschiebt Aufwand an die Stelle, an der der Betrieb am wenigsten Puffer hat.
Auffällig ist auch die Wahl der Beträge und der Formulierungen: Sie sind so gebaut, dass sie eine „kleine“ Entscheidung erzwingen sollen, keine strategische. Wer 375 Euro schnell überweist, glaubt oft, Ärger zu vermeiden, und merkt erst später, dass der Ärger dadurch erst entsteht. Deshalb ist die zentrale Frage nicht, ob ein Schreiben gut gemacht ist, sondern ob der Betrieb einen Mechanismus hat, der gut gemachte Kulissen zuverlässig entwertet. Dazu gehört ein fester Weg: Keine Zahlung ohne Abgleich von Zuständigkeit, Kontoverbindung, Kontaktkanal und Aktenlogik. Wenn diese vier Punkte nicht zusammenpassen, wird nicht diskutiert, sondern gestoppt. Das ist keine Paranoia, das ist Betriebsschutz.
Die Inhaberin beschreibt, dass Betrugsmaschen zunehmen und „an jeder Ecke“ Gefahr lauere. Dieser Satz ist mehr als Stimmung, er ist ein Hinweis auf eine strukturelle Verschiebung: Angriffe werden breiter, billiger und häufiger, weil sie auf Skalierung setzen. Wer hundert Betriebe anschreibt, braucht nur wenige Treffer, um erfolgreich zu sein. Und jeder Treffer ist nicht nur Geldverlust, sondern auch ein Signal an die Täter, dass der Weg funktioniert. Darum ist das Abwehren solcher Schreiben nicht nur Selbstschutz, sondern auch eine Frage der eigenen Angriffsfläche: Je klarer der Betrieb seine Prüfwege organisiert, desto weniger attraktiv wird er.
Als Friedrich Merz den hohen Krankenstand kritisiert und die Frage stellt, ob das „wirklich notwendig“ sei, setzt er einen Rahmen, der sofort mehr ist als Arbeitsmedizin. Es ist eine Deutung über Leistung, Verpflichtung und Grenzen des Systems. Seine Zahl – im Schnitt rund 14,5 Krankentage, also fast drei Wochen – trifft den Nerv, weil sie Alltagsgefühl in Statistik übersetzt. Genau das macht die Aussage so wirksam: Sie klingt wie eine schlichte Rechnung, ist aber ein politischer Zugriff auf Verhalten. Wer so spricht, verschiebt die Diskussion weg von Krankheit hin zu Anreizen.
Im Zentrum der Kritik steht die telefonische Krankschreibung, die seit 2021 möglich ist und später in die Routine übergegangen ist. Merz stellt die Pandemie-Begründung gegen die Gegenwart und deutet an, dass die Ausnahme nicht zur Normalität werden dürfe. Damit wird ein Instrument, das ursprünglich Kontakte reduzieren sollte, zu einem Prüfstein für Vertrauen. Die zentrale Unterstellung ist nicht ausdrücklich ausgesprochen, aber sie schwingt mit: Wenn es leichter wird, krank zu sein, steigt die Versuchung. Das ist der rhetorische Kern, und er funktioniert, weil er ohne Beleg auskommt und trotzdem plausibel wirkt.
Die Gegenposition setzt an derselben Stelle an, aber mit einer anderen Grundannahme. Karl Lauterbach verweist auf Prävention statt Kontrolle und nennt konkrete Hebel wie Früherkennung und Tabaksteuer, während er „Gängelei“ als falsche Richtung markiert. Linke Stimmen sprechen von Überlastung, Personalmangel und krankmachenden Bedingungen, also von Ursachen statt Verdacht. Fabio De Masi dreht den Blick auf Energiepreise und Infrastruktur und macht daraus ein Regierungsversagen statt ein Arbeitnehmerproblem. So entsteht das typische Dreieck: Verhaltensdebatte, Strukturdebatte, Systemdebatte – und jede Seite wählt ihre Schuldfrage.
Interessant ist, dass ein Teil des gemessenen Anstiegs selbst aus der Messmethode stammen kann. Mit der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab Anfang 2022 werden Krankmeldungen vollständiger erfasst, wodurch Zahlen steigen können, ohne dass Menschen häufiger krank sind. Das ist keine Spitzfindigkeit, sondern eine Statikfrage: Wer mehr sichtbar macht, erzeugt scheinbar mehr Realität. Genau an dieser Stelle kippen Debatten regelmäßig, weil Statistik als Moral gelesen wird. Wenn der Messfehler im Kopf zum Charakterfehler wird, ist die Stimmung schneller da als die Erklärung.
Die AOK-Studie, die Atemwegserkrankungen als Treiber nennt und bei der telefonischen Krankschreibung keine Anzeichen systematischen Missbrauchs sieht, wirkt in diesem Konflikt wie eine Bremse. Sie nimmt dem Verdachtsrahmen die Selbstverständlichkeit und zwingt zu Differenzierung. Gleichzeitig bleibt die politische Dynamik, weil es nicht nur um Missbrauch geht, sondern um das Gefühl, dass sich Leistung und Gegenleistung verschieben. In der Praxis der Betriebe ist dieses Gefühl oft stärker als jede Studienlage. Und genau deshalb wird die Debatte wiederkehren, selbst wenn sie faktisch entkräftet wird.
Hinzu kommt, dass „Telefon-AU“ in der Öffentlichkeit häufig mit „Online-AU“ vermischt wird. Im Koalitionsvertrag taucht eher die Idee auf, Missbrauch über Plattformen auszuschließen, nicht zwingend die Telefonlösung insgesamt zu beenden. Das ist ein wichtiger Unterschied, weil hier nicht das Instrument an sich, sondern ein bestimmter Zugangskanal adressiert wird. Wer diese Trennung nicht sauber hält, argumentiert im Nebel und trifft am Ende die Falschen. Im System entstehen dann Regeln, die Ärger erzeugen, ohne das eigentliche Problem zu lösen.
Die zweite Ebene ist ökonomisch und zugleich psychologisch. Arbeitgeberverbände bringen Karenztage oder Einschränkungen der Lohnfortzahlung ins Spiel und verweisen auf internationale Erfahrungen: großzügige Regelungen, höhere Fehlzeiten, vor allem bei leichten Erkrankungen. Das klingt nüchtern, ist aber sozialpolitisch hochexplosiv, weil es Krankheit in Verdachtsstufen sortiert. In einem Land, das sich über Absicherung definiert, sind solche Vorschläge immer auch ein Angriff auf Selbstverständnis. Und sobald diese Tür offen ist, verändert sich das Verhältnis zwischen Beschäftigten, Ärzten und Kassen.
Im Hintergrund steht die Frage, was ein System aushält, ohne Vertrauen zu verlieren. Wenn Kontrolle verschärft wird, können Menschen trotz Krankheit zur Arbeit gehen, um keinen Verdacht zu wecken – mit Folgen für Gesundheit und Infektionsgeschehen. Wenn Kontrolle zu lax erscheint, wächst die Bereitschaft, alle als potenzielle Ausnutzer zu betrachten – mit Folgen für Zusammenhalt und Arbeitsklima. Beides hat Nebenwirkungen, die in keiner Rede vorkommen, aber im Alltag spürbar sind. Ein Satz kann so eine Kettenreaktion auslösen, ohne dass der Satz dafür Verantwortung trägt.
Die eigentliche Schlüsselfrage ist deshalb nicht, ob 14,5 oder 14,8 Tage „zu viel“ sind, sondern welche Mechanik hinter der Zahl steckt. Atemwegserkrankungen, Arbeitsverdichtung, Demografie, Messmethoden, Versorgungslücken in der Prävention – das sind Erklärungen, die unbequem sind, weil sie nicht schnell zu reparieren sind. Die Versuchung, stattdessen am Zugang zur Krankschreibung zu drehen, ist politisch nachvollziehbar: Es ist ein Hebel, der sichtbar ist und kurzfristig Handlungsfähigkeit signalisiert. Nur ist Sichtbarkeit keine Wirksamkeit. Und in diesem Unterschied entscheidet sich, ob eine Reform später als kluge Korrektur gilt oder als reines Signal.
Wenn Drogeriemärkte Gesundheitschecks anbieten, wirkt das auf den ersten Blick wie ein modernes Service-Update: schnell, zugänglich, preislich niedrigschwellig. Genau darin liegt die Gefahr, vor der Ärztepräsident Klaus Reinhardt warnt. Diagnostik ist kein Produkt, das man aus dem Regal nimmt, sondern ein Prozess, der Verantwortung bündelt. Ein Messwert ohne Kontext ist kein Befund, sondern ein Fragment. Wer Fragmente als Sicherheit verkauft, verändert Erwartungen – und damit das Verhalten der Menschen.
Reinhardt setzt an einer Stelle an, die in der öffentlichen Debatte oft unterschätzt wird: Diagnostik ist mehr als „Messen“. Zu einer verantwortungsvollen Einordnung gehören Anamnese, körperliche Untersuchung, differenzialdiagnostisches Denken und, wenn es ernst wird, eine Therapieentscheidung, die nicht isoliert am Zahlenwert hängt. Das ist kein Standesdünkel, sondern eine Statikbeschreibung. Medizinische Entscheidungen entstehen nicht, weil ein Gerät etwas ausgibt, sondern weil jemand dafür haftet, den Wert in einen Gesamtzusammenhang zu setzen. Genau diese Haftung fehlt in einem Setting, das auf Durchlauf und Verkaufstaktung gebaut ist.
Damit wird die eigentliche Konfliktlinie sichtbar: Es geht nicht um Technikfeindlichkeit, sondern um Rollenlogik. Drogerien können Messungen anbieten, aber sie sind strukturell nicht dafür gemacht, medizinische Verantwortung zu tragen. Wenn ein Blutwert auffällig ist, entscheidet nicht der Wert allein über „gut“ oder „schlecht“, sondern über Dringlichkeit, Wiederholung, Fehlerquellen, Begleitumstände und die Frage, ob der Befund überhaupt verlässlich ist. In einer Arztpraxis ist diese Kette eingebaut. Im Ladengeschäft wird sie nachgelagert – oder sie fällt unter den Tisch, weil niemand zuständig ist.
Reinhardt nennt zwei gegensätzliche Risiken, die beide real sind. Erstens: Verunsicherung ohne Not, weil isolierte Auffälligkeiten Angst erzeugen, die sich festsetzt. Zweitens: falsche Sicherheit, weil unauffällige Momentaufnahmen als Entwarnung gelesen werden und notwendige Abklärung verzögert wird. Das ist die doppelte Wirkung von „Schnell-Checks“: Sie können gleichzeitig zu viel und zu wenig auslösen. Wer nur auf den Messwert schaut, verkennt, dass Diagnostik nicht nur Information produziert, sondern Verhalten steuert. Und Verhalten ist im Gesundheitswesen ein Hochrisikofaktor.
Besonders scharf wird die Frage bei Blutdiagnostik, weil hier schon vor der Auswertung Fehler entstehen können. Präanalytik ist kein Nebenthema, sondern die Voraussetzung für Aussagekraft: Blutentnahme, richtige Röhrchen, Lagerung, Transportzeiten, Temperatur, Verzögerungen. Reinhardt spricht das ausdrücklich an, weil genau hier im Drogeriesetting eine Lücke plausibel wird. Selbst wenn Fachpersonal die Entnahme vornimmt, bleibt die Umgebung eine andere: kein medizinischer Routinebetrieb, keine Infrastruktur, keine eingespielten Qualitätsprozesse wie im Laborverbund einer Praxis. Ein verfälschter Wert ist nicht nur ein Zahlendreher, er ist ein Trigger für Fehlentscheidungen.
Das Beispiel dm und die Kooperation mit einem Start-up, das Blutanalysen in einer Filiale anbietet, zeigt die neue Hybridlogik: Die Messung passiert im Markt, die Nachbesprechung kann optional telemedizinisch folgen. Optional ist hier das Schlüsselwort. Verantwortung darf nicht optional sein. Wenn die Einordnung „dazubuchbar“ wird, entsteht ein Anreiz, genau diesen Schritt zu sparen – aus Zeit, Geld oder dem Gefühl heraus, dass man ja schon etwas getan hat. Damit wird Einordnung zu einem Zusatzprodukt, obwohl sie eigentlich der Kern ist. In dieser Verschiebung liegt die Systemfrage.
Ein weiterer Punkt ist banal und gerade deshalb wichtig: Notfallfähigkeit. Reinhardt nennt Kreislaufkollapse oder akute Komplikationen. Das klingt dramatisch, ist aber schlicht Teil der Realität, sobald man medizinische Leistungen anbietet. Wer Blut abnimmt, kann Ohnmacht auslösen. Wer KI-Screenings macht, kann Angstreaktionen auslösen. Wer Menschen mit möglicherweise ernsten Befunden konfrontiert, trägt Verantwortung für den Moment, nicht erst für die Nachsorge. Drogeriemärkte sind weder räumlich noch organisatorisch auf solche Situationen ausgelegt. Das ist kein moralisches Urteil, sondern eine Betriebsbeschreibung.
In der zweiten Erzählschleife wird deutlich, warum Reinhardt den Gesetzgeber adressiert und „klare Grenzen“ fordert. Hier geht es um Regulierungsarchitektur: Wer darf diagnostische Leistungen anbieten, unter welchen Voraussetzungen, mit welchen Pflichten zur Aufklärung, Dokumentation und Nachverfolgung? Wenn der Markt die Diagnostik in den Einzelhandel verlagert, entsteht eine Grauzone zwischen Gesundheitsdienstleistung und Konsumprodukt. In dieser Grauzone entscheidet am Ende Marketing über Erwartung. Das Gesundheitswesen kann sich solche Grauzonen nur begrenzt leisten, weil Fehlsteuerung dort nicht bei Unzufriedenheit endet, sondern bei verspäteter Behandlung oder unnötigen Eingriffen.
Es gibt zudem eine Gefahr, die selten ausgesprochen wird: Diagnostikangebote können die Versorgungsrealität indirekt verschlechtern. Wenn niedrigschwellige Checks die Arztpraxen mit Folgeanfragen fluten, steigt dort der Druck, ohne dass mehr Kapazität entsteht. Gleichzeitig können Praxen unter Rechtfertigungsdruck geraten, wenn Patient:innen mit Drogerie-Befunden auftauchen und eine schnelle Entscheidung erwarten. So entsteht ein System, in dem Verantwortung weiterhin bei Ärzt:innen liegt, die Auslösung aber woanders passiert. Das ist eine klassische Asymmetrie: Trigger ohne Haftung, Haftung ohne Steuerung.
Reinhardts Argument lässt sich deshalb als Schutz von Verantwortungszonen lesen. Diagnostik braucht ein Setting, in dem Kontext, Sorgfalt und Zuständigkeit zusammenkommen. Wer Diagnostik „im Vorbeigehen“ normalisiert, verschiebt das Verhältnis von Medizin und Konsum. Der Messwert wird zur Ware, die Einordnung zur Option, die Verantwortung zur späteren Frage. Das ist keine Modernisierung, sondern eine Entkernung. Und genau deshalb ist Regulierung hier nicht Bremsklotz, sondern eine Form von Ordnung.
Wenn ein Land eine Universität finanziell ausdünnt, klingt das zunächst nach einer Verwaltungszahl, die irgendwo im Haushalt verschwindet. Im Pharmaziestudium verschwindet nichts geräuschlos. Kürzungen treffen dort nicht zuerst das „Image“, sondern die Substanz: Betreuung, Praktika, Geräte, Laborzeiten, Lehre, Prüfungsvorbereitung. Wer den pharmazeutischen Nachwuchs ausbildet, arbeitet ohnehin nicht im Luxus, sondern in einer Kette aus Pflichtformaten, Aufsicht und Verantwortung. Sobald in dieser Kette ein Glied dünner wird, wird nicht nur der Alltag härter – die Ausbildungsqualität wird unzuverlässig.
Der BPhD beschreibt die Berliner Situation als konkrete Belastung für das Studium: weniger Geld bedeutet weniger Spielraum. In der Pharmazie hat Spielraum eine besondere Bedeutung, weil viele Lernschritte nicht nur kognitiv, sondern handwerklich sind. Arzneiformen herstellen, Analytik verstehen, Qualität prüfen, Wirkstofflogik einordnen, Fehler erkennen – das sind Prozesse, die Zeit, Anleitung und Material brauchen. Sobald Kapazitäten fehlen, verlagert sich Ausbildung auf Selbstausgleich: Studierende kompensieren mit eigener Zeit, Lehrende mit Überstunden, die Struktur mit stillen Abstrichen. Das wirkt nach außen lange „funktional“, innen aber wird es porös.
Das Gefährliche ist der Zeitversatz. Kürzungen zeigen ihre Wirkung nicht sofort in einer Note, sondern später in Routinen: weniger Übung, weniger Feedback, weniger Gelegenheit, Unsicherheiten auszuräumen. Gerade in einem Fach, das später im Betrieb permanent Entscheidungen unter Unsicherheit fordert, ist diese Verdichtung riskant. Ein Studium kann Prüfungen bestehen und trotzdem weniger tragfähig werden, wenn die Praxisanteile ausgedünnt sind oder die Betreuung brüchig wird. Die Ausbildung wird dann nicht falsch – sie wird enger, dünner, anfälliger für Zufall. Das ist ein Qualitätsproblem, das erst auffällt, wenn die Absolventinnen und Absolventen bereits Verantwortung tragen.
In Berlin kommt eine zweite Ebene hinzu: Standortlogik. Hauptstadt, hohe Lebenshaltungskosten, Konkurrenz um Fachkräfte, steigende Belastungen in Gesundheitsberufen. Wenn ausgerechnet in dieser Lage Ausbildungsstrukturen geschwächt werden, entsteht ein Signal, das niemand offen so formuliert, das aber wirkt: Ausbildung ist verhandelbar. Im Gesundheitswesen ist sie es nicht. Wer heute am Hörsaal spart, zahlt morgen über Umwege: längere Einarbeitung, mehr Korrekturschleifen, mehr Reibung an Schnittstellen, mehr Risiko, dass Nachwuchs ausweicht oder gar nicht erst bleibt. Diese Folgekosten stehen in keinem Haushaltstitel, sind aber real.
Die Kolumne des BPhD macht damit eine Systemfrage sichtbar: Welche Qualität soll pharmazeutische Ausbildung haben, wenn sie gleichzeitig mehr können muss als früher? Digitalisierung, Lieferengpässe, neue Therapien, mehr Beratung, mehr Dokumentation, mehr Haftungsdruck – das alles erhöht nicht nur den Anspruch an Apotheken, sondern auch an die Ausbildung. Kürzungen treffen also nicht nur „irgendwo die Uni“, sondern einen Engpass, der sich ohnehin zuspitzt: gut ausgebildete Menschen sind das knappste Gut. Wenn dieser Engpass politisch wie ein Kürzungsfeld behandelt wird, entsteht langfristig ein Strukturproblem, das weder mit Appellen noch mit kurzfristigen Programmen zu reparieren ist.
Ein Satz auf einer Pressekonferenz kann mehr Schaden anrichten als eine schlechte Studie. Donald Trump hat im September schwangere Frauen vor Paracetamol gewarnt und dabei einen Zusammenhang mit Autismus angedeutet. Solche Warnungen sind anschlussfähig, weil sie simpel sind: ein Mittel, ein Risiko, eine Schuldfrage. Das Netz liebt diese Form. Medizin tut sich damit schwer, weil sie selten in Ein-Satz-Kausalitäten passt. Die Verunsicherung ist damit nicht „ein bisschen Aufregung“, sondern ein Risiko eigener Art.
Die neue Auswertung, die jetzt im Fachjournal The Lancet Obstetrics, Gynecology, & Women’s Health beschrieben wird, setzt genau an dieser Stelle an: nicht mit Meinung, sondern mit Methode. Grundlage sind 43 große, qualitativ hochwertige Studien, ergänzt um Geschwistervergleiche. Das ist entscheidend, weil Geschwisterdaten viele Störfaktoren abfangen, die bei Schwangerschaftsmedikation fast immer mitlaufen: genetische Anlagen, familiäre Umwelt, Lebensstil, soziale Faktoren. Hier wird nicht behauptet, Paracetamol sei „gut“, sondern: Bei sachgemäßer Anwendung zeigt sich kein klinisch bedeutsamer Anstieg der Wahrscheinlichkeit für Autismus-Spektrum-Störungen; Gleiches gilt für ADHS oder geistige Behinderung. Das ist eine harte Setzung gegen das diffuse Schuld-Narrativ.
Der Kern dieser Debatte liegt weniger im Wirkstoff als im Denkfehler. Viele frühe Hinweise auf mögliche Zusammenhänge basierten auf mütterlichen Selbstauskünften zur Einnahme, und genau dort entstehen Verzerrungen: Erinnerungslücken, Fehlklassifizierungen, nachträgliche Sinnsuche, gerade wenn später eine Diagnose beim Kind im Raum steht. Dazu kommt der Klassiker der Epidemiologie: Der Auslöser kann mit dem vermeintlichen Auslöser verwechselt werden. Schmerzen, Unwohlsein, Infekte, Fieber – also die Gründe, warum Paracetamol überhaupt genommen wird – können selbst mit Risiken für Schwangerschaftsverläufe und kindliche Entwicklung assoziiert sein. Dann wirkt das Medikament im Datensatz wie der Täter, obwohl es eher ein Begleiter des eigentlichen Problems ist.
Das zweite Standbein der aktuellen Einordnung ist der Blick auf die Alternativen – und der ist unerquicklich. Unbehandeltes Fieber und starke Schmerzen sind keine Bagatelle, sondern können für Mutter und Kind echte Gefahren tragen: von Fehlgeburten über Frühgeburten bis zu anderen Komplikationen. Das ist der Punkt, an dem politisch getönte Warnungen besonders riskant werden: Sie drängen Schwangere in Passivität, obwohl die klinische Realität oft das Gegenteil braucht, nämlich kontrolliertes, ärztlich eingebettetes Handeln. Angst ist kein Therapiekonzept.
Dass sich Fachinstitutionen nach den Trump-Äußerungen klar positioniert haben, gehört zur Statik dieser Geschichte. EMA, FDA und auch das BfArM haben dem Narrativ widersprochen und an die Grundregel erinnert: niedrigste wirksame Dosis, kürzest möglicher Zeitraum, so selten wie möglich – und grundsätzlich Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt. Paracetamol bleibt damit nicht „harmlos“, aber es bleibt das, was es in der Schwangerschaft seit Langem ist: das weltweit am häufigsten verwendete Schmerz- und Fiebermittel und in Leitlinien vieler Länder das Mittel der ersten Wahl, wenn es medizinisch angezeigt ist. Sicherheit ist hier nicht Gefühl, sondern Ergebnis sauberer Abwägung.
Am Ende zeigt sich ein typisches Muster moderner Gesundheitskommunikation: Ein politischer Satz erzeugt Wucht, die Wissenschaft muss dann mühsam entknoten. Langfristig hängt daran mehr als eine einzelne Medikamentenfrage, denn solche Narrative können sich festsetzen und Vertrauen in Medizin und Evidenz untergraben, selbst wenn die Datenlage klar dagegensteht. Genau deshalb ist die nüchterne Botschaft so wichtig: Paracetamol in der Schwangerschaft ist bei sachgemäßer Anwendung nach aktueller Evidenz nicht mit einem relevanten Mehr-Risiko für Autismus oder ADHS verbunden; die größeren Gefahren liegen oft in unbehandelten Beschwerden und in verfestigter Verunsicherung.
Angelika Wallis aus Ingolstadt zeigt eine Seite des Apothekenbetriebs, die im Tagesgeschäft oft unsichtbar bleibt: das Beharren auf eigener Herstellung als unternehmerische Linie. Seit 1994 ist sie selbstständig, führte zeitweise zwei Apotheken, und aus der Beratung für Familien entstand Schritt für Schritt ein eigenes Produktsystem. Es begann nicht als Markenidee, sondern als Nachfrage aus dem HV-Alltag: Kundinnen wollten Alternativen ohne bestimmte Zusatzstoffe, eine Hebamme bestellte gezielt, Rezepturen wurden erprobt, angepasst, wieder nachgefragt. Aus diesem Kreislauf wurden über Jahre feste Rezepturen, die nicht auf Trend, sondern auf Wiederkehr gebaut sind. Der Kern ist banal und stark zugleich: Wenn eine Lösung im Alltag fehlt, wird sie hergestellt.
Aus der handwerklichen Spur wurde eine Struktur. Inzwischen umfasst das Sortiment zwölf Produkte, die seit 2000 über eine eigene GmbH als Kosmetik hergestellt werden, darunter Baby-Popo-Creme, Wundsalbe, Engelwurz-Nasenbalsam, Thymian-Myrte-Balsam, Narbencreme oder Lippenpflege. Das ist keine Nebenbeschäftigung, sondern eine zweite Produktionswirklichkeit neben der Offizin: Rezepturkompetenz, Geräte, Personal, Qualitätssicherung, Lieferfähigkeit. Gerade weil diese Produkte aus Beratung entstanden sind, tragen sie einen Vertrauensanker, der nicht geklebt wirkt. Wallis beschreibt das als „sanft, natürlich und wirksam“, aber dahinter steckt eine betriebliche Entscheidung: eigene Rezepturen sind Bindung, aber auch Verantwortung. Wer herstellt, muss auch durchhalten, wenn es kompliziert wird.
Kompliziert wurde es, als der Rhythmus riss. Umsätze brachen zwischenzeitlich ein, weil Rohstoffe fehlten oder Produktionsgeräte defekt waren, und damit steht sofort nicht nur die Marke, sondern auch die interne Zuverlässigkeit unter Druck. Wallis sagt, sie sei frustriert gewesen und habe es schleifen lassen; der Steuerberater habe dann den Punkt gesetzt: anpacken oder lassen. Das ist der Moment, in dem viele Projekte sterben, weil sie sich nicht mehr „nebenher“ tragen. Bei ihr wird daraus ein Neustart, aber nicht mit neuen Rezepturen, sondern mit einem neuen Vertriebskanal: ein Online-Shop, der im Januar starten soll, samt Investitionen, die sich für einen Apothekenbetrieb nicht klein anfühlen. Der Satz „So ein Shop kostet schon mal 10.000 Euro“ ist kein Marketingdetail, sondern eine Schwelle.
Der Engpass liegt nicht im pharmazeutischen Wissen, sondern in der Sichtbarkeit. Wallis sagt offen, was vielen Betrieben schwerfällt: Marketing-Kenntnisse fehlen, Bewerbung und Platzierung sind zeitaufwendig, und genau diese Zeit konkurriert mit Beratung, Herstellung, Personalführung und dem restlichen Betrieb. Sie bekommt Hilfe unter anderem von ihrer Tochter und will sich nicht mit Bahnhofs-Apotheke Kempten oder der Ziethenapotheke vergleichen, obwohl der Markt solche Vergleiche automatisch zieht. Der Satz „Ich koche immer meine eigene Suppe“ markiert eine Haltung: Eigenprodukte sind kein Kopieren, sondern ein eigenes System mit eigener Tonlage. Gleichzeitig entsteht hier ein realistischer Blick auf Skalierung: Rezepturen sind Kompetenz, aber Reichweite ist Arbeit, und Reichweite kostet Geld.
In der zweiten Perspektive wird sichtbar, warum diese Geschichte mehr ist als ein Porträt. Apotheken, die eigene Produkte herstellen, bauen sich eine Form von Unabhängigkeit, die im klassischen Apothekenmodell selten geworden ist: Sie sind weniger austauschbar, weil sie etwas Eigenes tragen. Aber diese Unabhängigkeit hat eine Gegenrechnung: Sie braucht Organisation, Produktionsfähigkeit und einen Vertrieb, der nicht zufällig ist. Dass Wallis inzwischen auch eine Aromapflege-Linie für Tiere unter der Marke „Gustl“ anbietet, zeigt nicht nur Kreativität, sondern eine betriebliche Logik: Produkte wandern dorthin, wo Nachfrage entsteht und der Betrieb sie bedienen kann. Und der nächste Schritt – Eigenmarke für andere Apotheken – hängt wieder nicht an der Rezeptur, sondern an Etiketten, Abläufen, Verlässlichkeit. Am Ende bleibt eine klare Statik: Expertise macht Produkte möglich, aber erst Struktur macht sie tragfähig.
Der Engpass bei Salbutamol in pulmonaler Darreichungsform zieht sich weiter, und damit wird sichtbar, wie schnell ein Standardmittel zum Systemproblem wird. Lieferausfälle sind seit Februar 2023 gemeldet, einzelne Hersteller verlängern ihre Ausfallzeiträume, während Importe die Verfügbarkeit über Wasser halten sollen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte spricht davon, dass kontinuierliche Importe die bedarfsgerechte Versorgung mindestens bis Februar 2026 sichern. Parallel läuft die Wiederherstellung der Regelversorgung, aber das ist die Formulierung eines Prozesses, kein Ergebnis. Für die Versorgung bedeutet das: Der Alltag muss mit Übergangslösungen funktionieren, und Übergangslösungen haben eigene Reibungsverluste.
Spannend ist, dass die Diskussion an einer Stelle ansetzt, die keine reine Lieferfrage ist, sondern eine Therapie- und Verordnungsfrage. Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass gemäß gültigen Leitlinien Cortison-haltige Präparate bei Asthma bronchiale eingesetzt werden sollten: entzündungshemmende Basistherapie, die Exazerbationen reduziert und damit den Bedarf an Akutmedikation senken kann. Das Ziel wird ausdrücklich benannt: nicht Cortison statt Salbutamol, sondern weniger Asthmaanfälle, weniger Akutbedarf. In dieser Logik wird ein Engpass nicht nur „gemanagt“, sondern durch veränderte Praxis abgefedert. Das ist kein Trick, sondern eine Rückkehr zur Leitlinienstatik.
Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin bringt dabei eine konkrete Stellschraube ins Spiel: ein stärkerer Einsatz von ICS/Formoterol bei geeigneten Patientinnen und Patienten, auch als Bedarfstherapie, könne positive Effekte auf den Engpass und sogar auf die CO₂-Bilanz haben. Gleichzeitig liegt genau hier eine Friktion: Formal ist ICS/Formoterol als reine Bedarfstherapie nicht zugelassen, wohl aber als Dauer- und Bedarfstherapie. Das ist ein typischer Punkt, an dem Versorgungslogik, Evidenz und Zulassungsrahmen nicht deckungsgleich laufen. Der Engpass zwingt das System, diese Spannungen auszuhalten, statt sie in Leitlinienpapieren zu parken.
Die Fachgesellschaft benennt auch eine verbreitete Praxis, die den Engpass verschärfen kann: Patientinnen und Patienten mit ICS/Formoterol-Therapie bekommen dennoch Salbutamol als Bedarfstherapie verordnet, obwohl das nicht den Empfehlungen entspricht und dann „ohne Indikation“ sein kann. Das ist der Satz, der hängen bleibt, weil er nicht moralisiert, sondern Ordnung beschreibt. Wenn unnötige Verordnungen eingespart würden, könnte der Salbutamolmangel deutlich abgeschwächt werden, lautet die Folgerung. Hier zeigt sich, wie Engpässe nicht nur aus Fabriken kommen, sondern aus Routinen, Doppelverordnungen und einer Verschreibungskultur, die sich selbst stabilisiert.
Nebenwirklich, aber relevant: Fenoterol ist neben Salbutamol das einzige in Frage kommende SABA für Asthmatikerinnen und Asthmatiker. Und es gibt Patientengruppen, die weiterhin besonders auf Salbutamol angewiesen sind, etwa jene, deren ICS/LABA-Kombination nicht Formoterol enthält. Der Engpass ist also nicht gleichmäßig „wegtherapierbar“. Er ist differenziert, abhängig von Wirkstoffkombinationen, Darreichungsformen und Patientengruppen. Genau deshalb reicht es nicht, nur „auf Alternativen ausweichen“ zu sagen. Alternative ist kein einheitliches Produkt, sondern eine Umstellung, die fachlich getragen werden muss.
Die zweite Schleife beginnt bei der Darreichungsform und der realen Steuerungswirkung. Das BfArM empfiehlt, wenn möglich auf Pulverinhalatoren auszuweichen, und die DGP verweist darauf, dass sich das Verschreibungsverhalten bei Salbutamol als Trockenpulver vermutlich noch nicht stark geändert hat – obwohl es aus Klimaschutzgründen zu befürworten wäre. Der Vergleich, ein Dosieraerosol mit 200 Hüben entspreche konservativ etwa 100 km Autofahrt, ist ein Signal, dass Engpassmanagement und Klimabilanz sich im selben Korridor bewegen können. Bei vielen Asthma-Patientinnen und -Patienten wäre DPI problemlos möglich, heißt es, bei schwerer COPD sei das anders. Auch hier: Differenzierung statt Parole.
Sogar die Feuchtinhalation wird als Feld benannt: Für einige Zwecke könnte Ipratropiumbromid anstelle von Salbutamol einsetzbar sein. Aber auch das ist an Voraussetzungen gebunden, etwa daran, den Engpass genauer zu spezifizieren und die Darreichungsform einzubeziehen. Diese Argumentation wirkt trocken, ist aber hochpraktisch: Wer Engpässe nur als Mengenproblem betrachtet, verpasst die Stellschrauben, die im Versorgungsalltag tatsächlich verfügbar sind. Engpasspolitik ist im Kern Steuerung von Gewohnheiten, nicht nur Steuerung von Lieferketten.
Ein medizinisches Problem hat die Nasa diese Woche dazu veranlasst, eine Besatzung vorzeitig von der ISS zurückzuholen, ohne öffentlich zu sagen, wer betroffen ist oder was genau vorlag. Allein diese Kombination aus Eingriff und Schweigen zeigt, wie ernst solche Situationen bewertet werden: Wenn die Grenze zwischen „an Bord lösbar“ und „Rückkehr notwendig“ überschritten ist, zählt nicht mehr Routine, sondern Risiko. Das ist Raumfahrtlogik im Kern: Man muss vorbereitet sein, und man muss akzeptieren, dass nicht alles vorbereitet werden kann.
Dass Astronautinnen und Astronauten medizinisch geschult werden, ist dabei kein Zusatz, sondern Voraussetzung. Sie lernen Blut abzunehmen, Wunden zu nähen, einen Zahn zu ziehen, provisorische Füllungen zu setzen; sie trainieren Wiederbelebung und beherrschen Untersuchungen wie Ultraschall oder Augenchecks. Telemedizin hilft, aber sie ersetzt nicht das Handwerk, wenn niemand „mal eben“ vorbeikommt. Der Satz, sie müssten dort oben letztlich alleine klarkommen, ist hart, aber präzise. Er erklärt, warum eine Bordapotheke nicht nur Medikamente lagert, sondern ein System aus Können, Checklisten und Rollen ist.
Die Ausstattung klingt wie eine Mischung aus Hausapotheke und Notaufnahme: mehrere Medikamententaschen mit Aspirin oder vergleichbaren Mitteln und ein Notfallkoffer mit Schmerzmitteln, Anästhetika, Medikamenten für Zahnbehandlung, Verbandsmaterial, Stethoskop, Defibrillator und weiteren Instrumenten und Arzneimitteln zur Lebenserhaltung. Dazu kommt eine medizinische Checkliste, die Diagnose- und Behandlungsschritte strukturiert, weil Struktur im Notfall Zeit schafft. Und es gibt ein regelmäßiges, eher vertrauliches Gespräch mit einem Fliegerarzt, das weniger „Therapie“ als Frühwarnsystem ist: potenzielle Probleme erkennen, bevor sie eskalieren.
Die zweite Schleife beginnt beim Preis der Autarkie. Alles, was auf die ISS gebracht wird, ist teuer, deshalb sind die Vorräte groß und für mindestens ein halbes Jahr ausgelegt; lange bevor etwas knapp wird, wird nachgefüllt, damit selbst ein schiefgegangener Transport nicht sofort zur Krise wird. Das klingt nach Komfort, ist aber eher eine Versicherung gegen Unwägbarkeiten, die am Boden banal wirken und im Orbit existenziell werden. Gleichzeitig wird sichtbar, dass Raumfahrtmedizin nicht nur „mehr“ bedeutet, sondern auch „strenger“: Die Liste der Arzneimittel auf der ISS wird nicht veröffentlicht, Diskussionen darüber werden nicht geführt. Das ist der Preis, den Sicherheitslogik manchmal verlangt, gerade wenn es um Verwundbarkeit, Abläufe und Risiken geht.
Und dann ist da der Körper als Messgerät unter veränderten Bedingungen. Übelkeit, Schmerzen und Schlafstörungen gehören offenbar zu den häufigen Gründen, warum Medikamente gebraucht werden; die Schwerelosigkeit verschiebt Gleichgewicht, Flüssigkeitsverteilung und Belastungsmuster. Raumkrankheit ähnelt Seekrankheit, „puffy face“ beschreibt, wie Flüssigkeit in den Kopf steigt, und die Wirbelsäule streckt sich so, dass sie schmerzen kann. Zwei Stunden Sport am Tag klingen nach Fitnessprogramm, sind aber eher Wartung: Der Körper wird zum System, das nicht von selbst stabil bleibt. In dieser Perspektive ist die Bordapotheke weniger ein Schrank voller Präparate, sondern ein Teil der Betriebsfähigkeit – und die vorzeitige Rückkehr einer Crew erinnert daran, dass selbst die beste Vorbereitung nicht jede Lage in der Luft halten kann.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Die heutige Lage ist keine Sammlung von Einzelmeldungen, sondern ein Muster aus zusätzlicher Prüfarbeit, politischer Erwartung und verschobenen Zuständigkeiten. Betrug wird nicht nur digitaler, sondern bürokratischer inszeniert, weil Form und Ton Vertrauen imitieren. Arbeitsausfall wird zur Volkswirtschaftsformel, während Prävention, Arbeitsbedingungen und Erfassungssysteme als Gegenlogik danebenstehen. Und je mehr Diagnostik in Verkaufsflächen wandert, desto größer wird die Lücke zwischen Messwert und Verantwortung.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Wenn Systeme unter Druck geraten, sucht sich Verantwortung den schwächsten Übergabepunkt. Genau dort entstehen neue Reibungen: in der Buchhaltung, im Telefonat zur AU, im Ladenlokal mit Messgerät, im Engpass-Regime bei Inhalativa. Stabilität entsteht nicht durch mehr Signale, sondern durch klare Zuständigkeit, saubere Einordnung und das Anerkennen von Folgekosten, die außerhalb der ursprünglichen Entscheidung anfallen. Wer das ignoriert, spart kurzfristig Zeit und bezahlt langfristig Ordnung.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Der Maßstab des Tages ist, ob zusätzliche Komplexität als Schutz wirkt oder nur Arbeitszeit frisst.
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