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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |
Stand: Freitag, 16. Januar 2026, 18:01 Uhr
Apotheken-News: Bericht von heute
Die Laender setzen die Bundesregierung beim ApoVWG unter Zugzwang: Fixum, Grundkostenzuschlag, Ablehnung der PTA-Vertretung werden als Strukturfragen formuliert, nicht als Einzelwuensche. Parallel laeuft der Rueckruf bei Ramipril 089PHARM an, ausgerechnet bei einer Standardtherapie, die im Lager nicht selten still “mitlaeuft” und jetzt chargenscharf getrennt werden muss. Dazu kommen Signale, die weniger nach Schlagzeile aussehen, aber in den Betrieb greifen: ein TV-Test, der Beratung als Verkaufsimpuls framet, und eine Digitalansage bei apotheken.de, die KI als Prozesshilfe ins Zentrum stellt. In der Summe entsteht ein Tag, der zeigt, wie schnell Versorgung von Normen, Logistik und Vertrauen abhaengt.
Am Jahresanfang passiert etwas Merkwürdiges: Im Warenlager wird mit einer Ernsthaftigkeit gezählt, die fast schon tröstlich wirkt. Jede Packung, jede Ecke, auch die Billigware, alles wird erfasst, als ließe sich Sicherheit durch Genauigkeit herstellen. Und trotzdem bleibt oft ausgerechnet dort ein großes Loch, wo die Beträge wirklich schwer sind: bei der Gesamtsituation, die nicht im Regal liegt. Bilanz und BWA leuchten den Betrieb aus, aber sie sind nur ein Scheinwerferkegel, kein Tageslicht. Wer sich nur darin bewegt, kann sehr sauber rechnen und sich trotzdem über den eigenen Stand täuschen.
Die Idee der General-Bestandsaufnahme ist deshalb keine Motivationsfigur, sondern ein unangenehmes Kontrollinstrument gegen Selbstberuhigung. Es geht um die Frage, ob Werte geschaffen oder abgebaut wurden, und ob eine Lücke zwischen Schulden und Werten entstanden ist, die im Alltag noch nicht weh tut, aber im Ernstfall kippt. Das Wort „Inventar“ wird bewusst weit gefasst, weil die gefährlichen Dinge selten da liegen, wo man sie täglich anfassen kann. Teilwahrheiten sind das eigentliche Risiko: Sie wirken plausibel, weil sie aus echten Zahlen bestehen. Genau deshalb führen sie manchmal in die falsche Richtung, wenn der Rahmen fehlt.
Im Betrieb beginnt dieser Rahmen nicht beim Warenlagerwert, sondern bei der Kostenstatik, die Monat für Monat wiederkehrt. Abo-Modelle, Leasing, digitale Dienste, kleine Zusatzverträge, ein Stück Bequemlichkeit nach dem anderen, das sich zu einem festen Sockel verdichtet. Marketing ist in diesem Bild oft weniger ein „zu viel“ als ein „zu ungenau“, weil Ausgaben bleiben, während der Nutzen sich nicht sauber nachweisen lässt. Versicherungen gehören zwingend in diese Runde, aber nicht als Reflex „kann weg“, sondern als Prüfung, ob Umfang und Annahmen noch zur realen Betriebs- und Lebenslage passen. Wer dort nur den Beitrag sieht, übersieht, dass falscher Schutz im Ernstfall teurer ist als teurer Schutz, der passt.
Dann kommt das Personaltableau, und es ist meistens die Stelle, an der die Zahlen anfangen, in den Alltag zu greifen. Besetzungsgrade, Funktionen, Öffnungszeiten, Ausfallpuffer, eigene Wunsch-Arbeitszeit, das alles ist nicht „weiches Zeug“, sondern der Kern der Leistungsfähigkeit. Die Frage „bin ich zu knapp oder zu üppig“ klingt banal, entscheidet aber darüber, ob eine Apotheke in Stressphasen sauber arbeitet oder sich nur noch durchschiebt. Parallel dazu muss die Verschuldung so auf den Tisch, dass sie nicht mehr in Kategorien wie „läuft schon“ verschwindet. Kurzfristige Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sind nur dann unkritisch, wenn sie im normalen Ablauf aufgehen und nicht zu einem wachsenden Rückstand werden, der still die rote Lampe anschaltet. Bankverbindlichkeiten vom Dispo bis zum Darlehen sind der zweite Block, weil sie nicht nur Zinsen kosten, sondern Bewegungsraum binden, wenn der Markt enger wird.
Der heikelste Posten ist der Unternehmenswert, weil er selten exakt ist und trotzdem oft den größten Anteil der „Assets“ ausmacht. Ihn wegzulassen ist bequem, aber gefährlich, weil man dann so tut, als gäbe es nur Buchwerte und Lagerlisten. Die grobe Logik, die im Text skizziert wird, ist als Hausnummer gedacht, nicht als Wahrheit: Wer langfristig wächst, Rohertrag steigert und über dem Niveau eines leitenden Angestellten einen echten Vorsteuergewinn erwirtschaftet, kann näherungsweise mit einem Jahresrohertrag als Größenordnung arbeiten. Wer nur den Angestelltenlohn erreicht, landet eher beim Sachwert, weil die Ertragskraft keinen Preis trägt. Dazwischen liegt die Zone, in der ein kleiner kaufmännischer Überschuss existiert, aber die Kapitalverzinsung dünn ist, sodass Multiplikatoren nur einen Trend zeigen, nicht eine Gewissheit. Der eigentliche Zweck ist nicht die schöne Zahl, sondern die klare Frage: Trägt der Betrieb Vermögen, oder bindet er es, ohne genügend Luft zu erzeugen.
Und weil persönliche Haftung Betrieb und Privatbereich verschränkt, endet die Bestandsaufnahme nicht an der Apothekentür. Konten, Depots, Lebensversicherungen, Bausparverträge lassen sich leicht abgleichen, aber Immobilienwerte sind ein Feld der Schätzung, das gern verdrängt wird, weil es nach Unsicherheit riecht. Gerade ältere Objekte werden stark vom Bodenwert getragen, und Bodenrichtwerte machen sichtbar, wie viel davon überhaupt noch „Substanz“ ist. Komplizierter wird es bei gewerblichen Immobilien oder wenn die Apotheke in eigenen Räumen sitzt, weil der Immobilienwert dann an der erzielbaren Miete hängt, und die wiederum an der Ertragskraft des Betriebs. In weniger gefragten Lagen ist das der Moment, in dem die unangenehme Wahrheit auftaucht: Ein Standort kann im Tagesgeschäft noch funktionieren, aber als Vermögenswert schon an Nachmieterfragen scheitern. Dazu kommen private Assets, die tatsächlich veräußerbar sind, vom Gold bis zum Oldtimer, und Beteiligungen, die im Licht betrachtet unveräußerlich wirken und im Zweifel eher mit Null als mit Hoffnung zu rechnen sind.
Am Ende steht keine perfekte Wahrheit, sondern eine ehrliche Gesamtsicht, die man neben die Betriebsbilanz legt wie ein zweites Blatt, das man lange nicht anschauen wollte. Genau diese Doppelrechnung ist der Sinn: Betrieb plus Privat minus Schulden, einmal im Jahr, ohne Ausreden, ohne die Flucht in Teilbereiche. Das kann Ansporn sein, aber es kann auch beruhigen, wenn sich zeigt, dass nicht jede Krise existenziell ist, weil Reserven real vorhanden sind. Die eigentliche Leistung dieser Übung ist nicht, dass sie alle Probleme löst, sondern dass sie verhindert, dass man mit falscher Sicherheit weiterläuft. Wer sie ernst nimmt, merkt oft schon nach wenigen Zeilen, wo im System die größte Unwucht sitzt: nicht im Centartikel, sondern im großen Inventar, das sonst keiner zählt.
Man merkt dem Papier des Gesundheitsausschusses des Bundesrates an, dass es nicht nur um „mehr Geld“ geht, sondern um die Art, wie Geld im System überhaupt entstehen darf. Die Länder nehmen die sogenannte Verhandlungslösung auseinander, weil der Umweg über eine jährlich anzupassende Arzneimittelpreisverordnung am Ende an einer Stelle hängen bleibt: am Ministerium, das das Ergebnis erst vorgelegt bekommen müsste, bevor es wirksam wird. Genau diese Klammer wird als „unnötig bürokratisch“ bezeichnet. Dahinter steckt ein nüchterner Verdacht: Wer den Prozess so baut, schafft neue Blockadepunkte, neue Verzögerungen, neue Gelegenheiten, eine Einigung in der Praxis auszubremsen. Und wenn Strukturkrisen bereits laufen, wirkt jede zusätzliche Verfahrensstufe wie ein Zeitverlust mit Ansage.
Der Gegenvorschlag ist deshalb ein Eingriff in die Statik: Der „Versorgungszuschlag“ soll ins SGB V, also in das eigentliche Leistungs- und Finanzierungsrecht der GKV, nicht in die Preisverordnung als Nebenschauplatz. Damit ändert sich die Ebene von „Verordnungstechnik“ zu „gesetzlicher Anspruchslogik“. Der Zuschlag soll pro abgegebener Packung zusätzlich zum Preis nach Arzneimittelpreisverordnung abgerechnet werden und ausdrücklich dem Zweck dienen, die flächendeckende Apothekenstruktur und eine hochwertige pharmazeutische Versorgung zu sichern. Das ist nicht bloß eine Überschrift, sondern ein definierter Auftrag, an dem sich später auch Schiedsentscheidungen und politische Verantwortung messen lassen. Gleichzeitig wird der Notdienst als Anschlussstelle mitgedacht, weil die Verhandlungspartner auch festlegen sollen, welcher Anteil in den Notdienstfonds fließt. Wer das liest, erkennt: Es soll nicht nur „mehr“ werden, sondern gezielter, regelgebunden, und im Zweifel erzwingbar.
Entscheidend ist, woran sich diese Verhandlungen orientieren sollen, damit sie nicht in Behauptungen und Stimmung kippen. Der Ausschuss nennt als Leitplanken den Verbraucherpreisindex im Vergleich zum Vorjahr, den Grundsatz der Beitragssatzstabilität im Sinne des § 71 Absatz 1 Satz 1 und die Kostenentwicklung der Apotheken bei wirtschaftlicher Betriebsführung. Als Fundament der Fortentwicklung soll grundsätzlich die Kostenstrukturstatistik dienen, die das Statistische Bundesamt erhebt; ergänzend werden sachgerechte Stichproben zugelassen. Das ist der Versuch, das Gespräch zu erden: nicht „wir fühlen uns unterfinanziert“ gegen „wir können uns das nicht leisten“, sondern Daten gegen Daten, Kosten gegen Indizes, Entwicklung gegen Entwicklung. Der politische Trick liegt dabei im Offenen: Wer eine Datenbasis ins Verfahren schreibt, macht die Debatte weniger frei, aber auch weniger beliebig. Und genau darin liegt die eigentliche Machtverschiebung, die der Ausschuss vornimmt.
Weil Verhandlungen scheitern können, beschreibt der Ausschuss auch den Konfliktmodus, nicht als Drohung, sondern als Mechanik. Kommt eine Vereinbarung ganz oder teilweise nicht zustande, soll die Schiedsstelle ganz oder teilweise festlegen, und die Kosten sollen beide Seiten zu gleichen Teilen tragen. Das ist eine stille Disziplinierung, weil Stillstand nicht mehr „gratis“ ist und weil das Ergebnis am Ende trotzdem kommt. Zugleich wird in der Empfehlung sichtbar, dass die Länder das Verfahren nicht isoliert betrachten, sondern als Teil einer größeren Strukturfrage: Versandhandel, Plattformmodelle und die Entkopplung von Verschreibung, Beratung und Abgabe werden als Risiko für Transparenz, Aufsicht und Arzneimitteltherapiesicherheit beschrieben. Es wird explizit verlangt, die Auswirkungen der Zulassung des Rx-Versands seit 2004 auf den hoheitlichen Sicherstellungsauftrag zu prüfen, inklusive Katastrophenbewältigung bei großräumigen Stromausfällen, AMTS-Fragen und Umgehungsrisiken rund um Onlineplattformen. In dieser Logik ist der Zuschlag nicht nur Honorar, sondern ein Baustein, um Pflichten in der Fläche gegen selektive Ertragsabschöpfung zu stabilisieren.
Für die Apotheken vor Ort ist die zweite Konsequenz unangenehm, weil sie das System nicht mehr nur als „zu wenig Vergütung“ erzählt, sondern als Verteilungsproblem von Verantwortung. Wenn Plattformmodelle wirtschaftlich attraktive Teile herausziehen können, während der Kontrahierungszwang und der Krisenauftrag bei den Präsenzapotheken bleiben, wird jede Vergütungsfrage automatisch zur Ordnungsfrage. Der Ausschuss schreibt diese Ordnungsfrage in die Verfahren hinein: gesetzlicher Zuschlag, verhandelbar, datenbasiert, schiedsstellengesichert, und flankiert von der Forderung, Versand- und Aufsichtsregeln auf ihre Wirksamkeit zu prüfen. Das ist keine Romantik, sondern ein Versuch, die Versorgung nicht erst zu „retten“, wenn Schließungen und Notlagen als Zahlenkolonne vorliegen. Wer den Text ernst nimmt, sieht eine Linie: Struktur wird nicht durch Appelle gehalten, sondern durch Regeln, die in schlechten Jahren genauso funktionieren wie in guten. Und genau darum ist diese Empfehlung mehr als ein Nachbesserungswunsch – sie ist ein Verfahrenstest für das politische Versprechen, flächendeckende Versorgung nicht nur zu behaupten, sondern zu organisieren.
Wenn ein Fernsehbeitrag mit einem Testkäufer arbeitet, entsteht sofort ein schiefes Feld: Die Kamera zeigt einen Moment, aber das Publikum liest daraus ein System. In der NDR-Sendung „Markt“ wurden zehn Apotheken in Norddeutschland besucht, die Frage war bewusst klein gehalten: leichtes Halskratzen, was hilft. Heraus kam, so die Darstellung, eine große Spanne bei den Preisen, sehr unterschiedliche Empfehlungen, wenig Nachfragen zum Krankheitsbild, kaum Zusatzhinweise. Der Satz „In den anderen hatten wir den Eindruck, dass es eher ums Verkaufen ging“ sitzt wie ein Stempel, weil er nicht nur Verhalten beschreibt, sondern Motivation unterstellt. Und genau damit beginnt die zweite Geschichte hinter der ersten: Nicht die Bonbons sind das Thema, sondern Vertrauen.
Eine betroffene Inhaberin, Birgit Zimmermann von der Pharmazeutix Apotheke auf dem Rhen in Henstedt-Ulzburg, will diese Erzählung nicht stehen lassen. Sie sagt, ihre Apotheke sei im Beitrag mehrfach gezeigt worden, und sie hält die Kritik für mehr als zugespitzt. Ihr Konter ist ungewöhnlich, weil er nicht zuerst über Gefühle geht, sondern über Versorgungssinn: Salbeibonbons seien bei einem Kunden mit Halskratzen „definitiv unterversorgend“, die Apotheke sei eben nicht der Ort, an dem man nur eine Süßigkeit abholt. Der Satz trifft einen Kern, der in solchen Beiträgen leicht verloren geht: Wer in die Apotheke kommt, kommt nicht nur wegen eines Produkts, sondern wegen Einordnung. Und diese Einordnung beginnt nicht beim Regal, sondern bei der Frage, was überhaupt vorliegt, wie lange es besteht, welche Begleitsymptome da sind.
Der Beitrag selbst arbeitet mit dem Kontrast, dass eine Medizinerin im Format zu dem Ergebnis gekommen sei, man könne bei leichtem Halskratzen OTC-Produkte sparen und auf Bonbons setzen. Das klingt nach Vernunft und trifft dennoch die Apotheke an einer empfindlichen Stelle, weil es Beratung plötzlich als überflüssige Aufladung erscheinen lässt. Zimmermann zieht die Linie anders: Die Apotheke sei eine niedrigschwellige Anlaufstelle für kranke Menschen, die nicht gleich in der Arztpraxis ein Antibiotikum wollten oder heute oft gar keinen Termin bekämen. In diesem Satz steckt eine Systemfunktion, die im Preisvergleich nicht sichtbar wird: Apotheken fangen einen Teil der Versorgungsarbeit ab, gerade dort, wo Praxiszugänge eng sind. Wenn diese Funktion im öffentlichen Bild in „Verkauf“ umgedeutet wird, entsteht nicht nur Ärger, sondern ein Risiko für die Bereitschaft, sich beraten zu lassen.
Auf der Preisfrage verweist die Inhaberin auf einen blinden Fleck der Debatte: OTC-Preise sind seit 2004 frei kalkulierbar, „Schnee von gestern“ sei die Vorstellung, es gebe einen festen Maßstab. Das ist keine Ausrede, sondern ein Hinweis, warum Preisstreuung nicht automatisch ein Fehlverhalten beweist, sondern oft Struktur spiegelt: Einkaufskonditionen, Lagerstrategie, Sortimentsbreite, Beratungszeit, Lagekosten, Personal. Gleichzeitig bleibt der Punkt heikel, weil Preisfreiheit auch Verantwortung erzeugt, die nicht jeder Kunde im Kopf sortiert. Wer „Beratung“ hört, erwartet Sorgfalt; wer „frei kalkulierbar“ hört, vermutet Spielraum, und Spielraum wirkt schnell wie Willkür. Genau in dieser Reibung entstehen die Bilder, die ein Testkäuferbeitrag dann in ein paar Minuten verdichtet.
Der Konflikt endet deshalb nicht mit einem Brief und auch nicht mit einer Sendung, sondern mit der Frage, welche Geschichten über Apotheken in der Öffentlichkeit dominieren dürfen. Zimmermann fordert vom Sender eine Stellungnahme und wünscht sich einen Fokus auf das, was Apotheken für Gesundheitsversorgung und Gesellschaft leisten. Das ist mehr als eine Bitte um Fairness, weil es um die Ordnung geht, in der Leistungen gesehen und bewertet werden: als heilberufliche Arbeit mit Verantwortung oder als Verkauf mit Marge. Wenn Medien das Bild verschieben, verändert sich das Verhalten von Kunden, und dieses Verhalten verändert wiederum den Alltag in den Apotheken, bis hin zur Bereitschaft, Zeit für Nachfragen zu investieren. Insofern ist „Apothekenbashing“ nicht nur ein harter Begriff, sondern ein Hinweis darauf, dass öffentliche Kritik nicht folgenlos bleibt, auch dann nicht, wenn sie mit dem Etikett „Test“ daherkommt.
Stada baut eine neue Schicht in die eigene Unternehmenssteuerung ein, und sie ist weniger PR als Vorsorge: Der Konzern schafft den Bereich Government Affairs. Das klingt nach Berlin und Brüssel, nach Terminen und Papieren, aber der Kern ist eine Risikoannahme, die inzwischen jedes Arzneimittelunternehmen teilen muss. Regulatorik entscheidet nicht mehr nur über Details, sondern über Märkte, Lieferketten, Preislogiken und Produktionsanreize. Wer zu spät versteht, was politisch kippt, findet sich nicht in einer Debatte wieder, sondern in einem Kostenproblem. Genau deshalb ist es bemerkenswert, wenn ein Hersteller diese Funktion sichtbar nach oben zieht.
Die Leitung übernimmt Kommunikationschef Frank Staud, der seit Jahren Teil des erweiterten Vorstands ist. Allein dieser Zuschnitt verrät, dass es nicht um eine einzelne Lobby-Stelle geht, sondern um eine strategische Verbindung von Politik, Kommunikation und Geschäft. Stada formuliert das Ziel offen: auf legislative Risiken und Chancen vorbereitet zu sein und dafür zu sorgen, dass Unternehmensinteressen in politische Entscheidungen einfließen. Das ist ein nüchternes Bekenntnis, das viele im Markt zwar praktizieren, aber selten so klar aussprechen. Es markiert die Verschiebung von „Reaktion auf Gesetze“ hin zu „Mitgestaltung von Rahmenbedingungen“. Und es zeigt, dass Regulierung längst als eigenes Spielfeld behandelt wird.
CEO Peter Goldschmidt rahmt das Ganze mit einem zweiten Argumentationsstrang, der nach Versorgung klingt und zugleich Wachstum meint. Stada wolle stärker Regierungen ansprechen und mit nationalen Vertretern länderspezifische Lösungen und Wachstumsmöglichkeiten im Gesundheitswesen realisieren. Die Formulierung verbindet zwei Ebenen, die in der öffentlichen Debatte gern getrennt werden: Patientennutzen als legitimer Grund, unternehmerische Interessen als Treiber. In Zeiten, in denen Länder wieder über Produktionskapazitäten, Resilienz und strategische Abhängigkeiten sprechen, ist diese Doppelspur kein Widerspruch mehr, sondern die übliche Verhandlungsgrammatik. Wer Medikamente als Teil kritischer Infrastruktur versteht, verhandelt anders. Und wer als Hersteller liefern will, muss diese Sprache beherrschen.
Interessant ist auch, welche Länder im Kontext genannt werden: Saudi-Arabien und Vietnam, also Märkte, in denen staatliche Steuerung und industriepolitische Programme oft unmittelbarer wirken als in Europa. Stada spricht in diesem Zusammenhang von lokalen Maßnahmen, die Produktionserweiterungen ermöglichen sollen, um die Medikamentenversorgung in Europa zu attraktiven Preisen sicherzustellen. Damit wird ein Spannungsbogen aufgezogen, der in vielen Unternehmen gerade entsteht: Internationalisierung als Chance, aber zugleich der Druck, europäische Versorgungssicherheit glaubwürdig zu halten. Stada betont, bei der Produktion weiterhin stark auf Europa zu setzen, und nennt Standorte wie Deutschland, Großbritannien, Serbien oder Rumänien. Diese Nennung wirkt wie eine Absicherung gegen den Vorwurf, politisch nur „Standorte zu versprechen“, während die Realität abwandert. Ob das trägt, entscheidet sich später an Investitionsentscheidungen, nicht an Sätzen.
Der Personalaspekt wirkt dabei nicht zufällig: Staud hebt die interne Kultur und das Engagement der Mitarbeitenden hervor und beschreibt zufriedene Mitarbeitende als Multiplikatoren. Das ist mehr als ein Kulturstatement, weil Government Affairs im Kern auch Übersetzungsarbeit ist: nach innen erklären, welche politischen Risiken real sind, und nach außen erklären, warum bestimmte Unternehmensentscheidungen nicht bloß Renditelogik sind. Dass Staud aus dem Journalismus kommt, passt in dieses Bild, weil es um das Setzen von Deutungsrahmen geht, nicht nur um Technik. Für das Versorgungssystem bedeutet die neue Einheit vor allem eines: Politische Prozesse werden von Unternehmen zunehmend wie operative Risiken behandelt, vergleichbar mit Rohstoffpreisen oder Logistik. Je stärker das geschieht, desto häufiger wird Versorgung nicht nur als öffentliche Aufgabe diskutiert, sondern als Ergebnis von Verhandlungen über Anreize, Produktion und Marktzugang. Das ist die eigentliche Verschiebung hinter der Meldung.
Rueckrufe sind der Moment, in dem ein technischer Parameter ploetzlich alltagstauglich werden muss. Bei Ramipril 089PHARM 5 mg geht es nicht um einen exotischen Wirkstoff, sondern um eine Standardtherapie, die in vielen Apotheken regelmaessig ueber den HV geht. Und genau deshalb wirkt eine Beanstandung zur Bruchfestigkeit nicht wie eine Labor-Notiz, sondern wie eine Frage an die Lieferkette: Welche Ware ist im Markt, wie schnell laesst sie sich identifizieren, und wie verhindert man, dass betroffene Packungen versehentlich weiterlaufen. Der Hersteller erweitert nach einem Rueckruf im Dezember den Kreis der betroffenen Chargen deutlich. Es sind jetzt 36 Chargen, in mehreren Packungsgroessen, und der Rueckruf laeuft auf Apotheken- und Grosshandelsebene.
Die Liste der Chargen ist lang, und allein das ist fuer den Betrieb bereits eine Zumutung, weil sie den Blick von der Beratung auf die Logistik zwingt. Betroffen ist Ramipril 089PHARM 5 mg zu 20, 50 und 100 Tabletten, mit Chargen von 11024 bis 90625, darunter 100425, 110425, 140425, 190425, 20625, 250425, 30625, 60625 und viele weitere. Der Rueckrufgrund bleibt technisch klar: Abweichungen bei der Bruchfestigkeit. Bruchfestigkeit ist nicht nur „ob eine Tablette leicht zerbroeselt“, sondern ein Parameter, der Zerfallszeit und Freisetzungsgeschwindigkeit beeinflussen kann. Wenn der Pressdruck in der Herstellung nicht passend sitzt, veraendert sich die mechanische Stabilitaet, und damit kann sich auch das Verhalten der Tablette im Koerper verschieben. Das ist nicht automatisch eine akute Gefahr im Sinn einer toxikologischen Katastrophe, aber es ist ein Qualitaetsproblem, das im Arzneimittelverkehr keinen Spielraum hat.
Auffaellig ist die zeitliche Einordnung uebers Verfallsdatum. Im Markt befindliche Chargen mit Haltbarkeit bis einschliesslich Juni 2027 sind betroffen. Chargen mit spaeterem Verfall, ab Oktober 2027, seien laut Hersteller nicht betroffen, weil die Spezifikationen fuer die Bruchfestigkeit bereits angepasst worden seien. Das ist eine wichtige Trennlinie fuer die praktische Arbeit: Nicht „alles Ramipril 089PHARM 5 mg“ ist betroffen, sondern ein klarer Block, der sich ueber Charge und Verfall abgrenzen laesst. Genau das entscheidet darueber, ob eine Apotheke mit einem sauberen Check schnell wieder in den Normalbetrieb kommt oder ob ein Rueckruf in hektische Pauschalaktionen ausartet, die am Ende neue Fehler erzeugen.
Der operative Ablauf ist im Text ebenfalls klar beschrieben, und auch hier zaehlt die Disziplin. Apotheken sollen das Warenlager pruefen und betroffene Packungen per APG-Formular zurueckschicken, die Retoure wird zu 100 Prozent verguetet. Fuer Klinikapotheken wird ein separater Weg genannt: Versand nach Anmeldung an eine konkrete Logistikadresse, mit Kennzeichnung der Umverpackung als Rueckrufware. Man merkt daran, dass Rueckrufe nicht nur eine pharmazeutische, sondern auch eine vertrags- und abrechnungsnahe Dimension haben. Wer falsch retourniert, hat am Ende nicht nur Risiko im Bestand, sondern auch Aufwand in der Abwicklung. Rueckrufmanagement ist deshalb weniger Heldentum als Prozessstabilitaet.
Eine zweite, leise Konsequenz liegt in den Rabattvertraegen. Fuer Ramipril 089PHARM 5 mg bestehen Rabattvertraege mit mehreren Kassen, genannt werden unter anderem Barmer, BKKen, DAK, HEK, hkk, KKH, Knappschaft, SVLFG und TK. Rueckruf plus Rabattlogik ist im Alltag eine heikle Kombination, weil Austauschfragen, Lieferfaehigkeit und Wirtschaftlichkeitsdruck parallel laufen. Wenn eine rabattierte Ware betroffen ist, muessen Apotheken nicht nur den Rueckruf sauber abarbeiten, sondern zugleich sicherstellen, dass die Versorgung weitergeht, ohne in Retax- oder Dokumentationsfallen zu laufen. Das ist die echte Belastung: Die Technik im Hintergrund zwingt den Betrieb in eine Doppelspur aus Qualitaet und Vertrag.
Am Ende bleibt ein Rueckruf immer auch ein Test, wie schnell ein System zwischen Patientennutzen und Lieferkettenordnung umschalten kann. Der einzelne Kunde merkt davon im besten Fall nichts, weil die Apotheke die betroffene Ware rechtzeitig aus dem Verkehr zieht und eine sichere Alternative findet. Genau das ist die stille Leistung hinter solchen Meldungen: Nicht die spektakulaere Warnung, sondern das konsequente Trennen von Chargen, das saubere Dokumentieren, das schnelle Ausbuchen und das ruhige Weiterarbeiten. Rueckrufe sind keine Schlagzeile im Betrieb, sondern eine Uebung in Sorgfalt, die man nicht sehen soll, aber die jeder spaeter voraussetzt.
In den Papieren aus den Laenderausschuessen klingt Politik oft wie Technik, bis man merkt, dass Technik hier ueber Existenzen entscheidet. Beim ApoVWG, das als „Weiterentwicklung“ verkauft wird, haben die Laender im Gesundheitsausschuss eine Linie gezogen, die sich nicht mehr als freundlicher Hinweis lesen laesst. Sie sagen im Kern: Die Bundesregierung habe versprochen, was sie jetzt nicht liefert, und sie verstecke sich hinter der GKV-Finanzlage, obwohl diese Lage beim Abschluss des Koalitionsvertrags bereits bekannt war. Das ist ein ungewoehnlich direkter Vorwurf, weil er nicht nur die Höhe des Honorars streift, sondern die Glaubwuerdigkeit des politischen Verfahrens. Wer die Apothekenstruktur halten will, kann nicht erst dann anfangen, wenn Schliessungen zur Statistik werden.
Im Zentrum steht das Packungsfixum, diese scheinbar kleine Zahl, die in der Wirklichkeit wie ein Taktgeber wirkt. Die Laender fordern, die Anhebung auf 9,50 Euro netto umzusetzen, so wie es im Koalitionsvertrag als klare Zusage steht. Gleichzeitig legen sie offen, warum sie die Ausrede „Kassenfinanzen“ nicht akzeptieren: Die Parameter seien nicht ploetzlich vom Himmel gefallen, sie seien beim Vertragsschluss bekannt gewesen. Der Unterton ist: Wenn man im Wissen um die Lage etwas zusagt, kann man spaeter nicht so tun, als sei die Lage der Grund, es nicht zu tun. In dieser Logik wird das Fixum nicht nur als Honorarposition verhandelt, sondern als Symbol, ob Politik die Kostenrealitaet in Apotheken ueberhaupt als versorgungsrelevant anerkennt.
Die Begruendung der Dringlichkeit ist dabei bewusst aus dem Apothekenalltag gebaut. Die Laender verweisen auf steigende Betriebskosten, auf die Entwertung durch Inflation, auf Lohnsteigerungen, die gerade ueber den Mindestlohn und die Tarifdynamik in die Teams laufen, und auf die Entkopplung der Apotheken von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung. Sie argumentieren auch gegen einen Reflex, der in Debatten gern auftaucht: der Hinweis auf Umsaetze. Umsaetze sind in der GKV-Welt schnell beeindruckend, aber das Apothekenhonorar folgt nicht dem Umsatz, sondern der Packung. Wenn Packungszahl und Kostenstruktur auseinanderlaufen, entsteht ein Betrieb, der zwar viel bewegt, aber immer weniger Luft hat. Und Luft ist das, was man braucht, um Personal zu halten, Technik zu erneuern, Engpaesse zu managen und nicht bei jedem Stoergeraeusch in den Krisenmodus zu fallen.
Dass die Laender dabei selbst rechnen, ist kein Zufall, sondern ein Machtmittel. Sie beziffern die Mehrbelastung der GKV fuer die Fixumerhoehung auf rund 863 Millionen Euro und setzen das ins Verhaeltnis zu den angenommenen Gesamtausgaben der GKV. Heraus kommt eine Groessenordnung von etwa 0,26 Prozent. Die Botschaft ist: Das ist im System massgeblich fuer Apotheken, aber im Gesamtbudget eine steuerbare Groesse. Und wer diese Groesse nicht steuern will, nimmt in Kauf, dass die Struktur weiter ausduennt. Man spuert hier eine politische Verschiebung: Die Laender versuchen, die Debatte aus dem moralischen Eck „Mehr Geld fuer Apotheken“ herauszuholen und in eine Statistik-Logik zu ziehen, in der es um die Stabilitaet einer Versorgungsinstanz geht.
Gleichzeitig legen sie eine zweite Spur: Ein Grundkostenzuschlag soll geprueft werden, als Instrument, das kleinere Abgabemengen nicht bestraft und den Versorgungsauftrag in Regionen mit geringerer Frequenz abfedert. Die Skizze ist bewusst konkret: ein Fondsmodell, analog zum Nacht- und Notdienstfonds, mit einer hoeheren Foerderung fuer die ersten Abgaben im Jahr. Wer das ernst nimmt, erkennt die Systemidee dahinter: Nicht nur volumenstarke Standorte duerfen wirtschaftlich funktionieren, wenn Flaeche politisch gewollt ist. Und Flaeche ist nicht Romantik, sondern Krisenfaehigkeit, weil Krisen nicht dort entstehen, wo Umsatz am hoechsten ist, sondern dort, wo der naechste Weg am laengsten ist.
Die dritte Konfliktachse ist die PTA-Vertretung. Hier sind die Laender nicht auf der Suche nach einem Kompromiss, sondern stellen sich gegen die Erprobung. Ihre Begruendung ist hart im Ton und klar in der Statik: Apothekenleitung sei aus gutem Grund an eine universitaere wissenschaftliche Ausbildung gebunden, weil der Versorgungsauftrag auch in Krisenlagen, Katastrophen, Epidemien und Engpaessen gilt. Eine zeitweise Leitung durch PTA wuerde den Versorgungsauftrag und das Leistungsspektrum gerade in laendlichen Regionen einschraenken, und es entstehe eine Diskrepanz zwischen Ausbildung und Verantwortung. Zwischen den Zeilen steht eine Sorge, die in der Branche seit Jahren grollt: Jede Absenkung am Leitungsprinzip kann spaeter als Argument dienen, die inhabergefuehrte Struktur weiter aufzubrechen. Die Laender schreiben diese Sorge nicht als Gefuehl, sondern als ordnungspolitisches Risiko.
Auch im Zeitplan wird die Warnung scharf: Wenn erst eine Finanzkommission bis Maerz Vorschlaege zur Beitragssatzstabilisierung liefern soll, sei vor 2027 kaum mit einer Verguetungserhoehung zu rechnen. Das ist der Moment, in dem „Geduld“ zum Synonym fuer Strukturabbau wird. Denn Apotheken schliessen nicht, weil sie einen politischen Zeitplan nicht moegen, sondern weil Konten, Personal und Verpflichtungen keinen Zeitplan kennen. Wer zu spaet handelt, trifft nicht mehr auf eine Struktur, die man stabilisieren kann, sondern auf Luecken, die man teuer flicken muss. Und teuer wird es dann nicht im Fixum, sondern in Ausweichwegen: Wegezeiten, Arztkontakte, Krankenhausaufnahmen, Notfallbelastung, alles, was entsteht, wenn niedrigschwellige Versorgung duenn wird.
So wird Thema 6 am Ende zu einem Stueck Realitaetsbeschreibung: Die Laender versuchen, die Bundesregierung auf die Differenz zwischen Versprechen und Vollzug festzunageln und gleichzeitig Instrumente zu skizzieren, die Flaeche und Betriebskostenlogik ernst nehmen. Fixum, Grundkostenzuschlag, Ablehnung der PTA-Vertretung, das sind nicht drei Einzelpunkte, sondern ein Paket, das das Leitbild verteidigt: Apotheken bleiben heilberufliche Versorgungsorte mit persoenlicher Verantwortung, aber sie brauchen einen Finanzrahmen, der nicht so tut, als seien Betriebskosten ein Privatproblem. Ob daraus am 30. Januar im Bundesrat politischer Druck mit Wirkung wird, entscheidet sich nicht nur an Mehrheiten, sondern daran, ob die Bundesregierung akzeptiert, dass „Spaeter“ in der Versorgung oft nur ein anderes Wort fuer „zu spaet“ ist.
Eine Impfung wird oft als einzelner Schutz vor einer einzelnen Krankheit verstanden, wie ein Schirm gegen einen bestimmten Regen. Bei Herpes Zoster ist dieses Bild ohnehin zu klein, weil Guertelrose nicht nur ein Ausschlag ist, sondern ein Ereignis, das in Alter, Immunsystem und Folgeschaeden hineinreicht. Jetzt kommt ein weiterer Gedanke hinzu, der die Perspektive verschiebt: Eine neue Studie bestaetigt, dass eine Zoster-Impfung das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, signifikant senken kann. Allein diese Kopplung ist ein Signal, weil sie zwei Bereiche verbindet, die im Alltag getrennt behandelt werden: Infektionspraevention und neurodegenerative Langzeitlast. Und wenn diese Verbindung haelt, wird aus einer Impffrage eine Strukturfrage der Alterungsgesellschaft.
Das Ausgangsfeld ist bekannt und trotzdem unterschätzt, weil es selten spektakulaer wirkt. Das Guertelrose-Risiko steigt mit dem Alter, und Menschen mit geschwaechtem Immunsystem gelten als besonders gefaehrdet. Entsprechend empfiehlt die Stiko die Impfung fuer Risikogruppen ab 18 Jahren und fuer Menschen ohne Vorerkrankungen ab 60 Jahren. In der Praxis bedeutet das: Es geht um grosse, wiederkehrende Beratungssituationen, nicht um Randfaelle. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Demenzdiagnosen weltweit zu, weil die Bevoelkerung aelter wird, aktuell leben etwa 55 Millionen Menschen mit einer Demenz. In diesem Kontext wird jede Intervention interessant, die nicht nur Symptome begleitet, sondern Eintrittswahrscheinlichkeiten verschiebt.
Die Studie, die hier zitiert wird, stammt aus einem Team um den Epidemiologen Pascal Geldsetzer an der Stanford University und wurde im Dezember in einem Fachjournal veroeffentlicht. Der Ansatz richtet den Blick nicht nur auf Praevention im engeren Sinn, sondern auf verschiedene Krankheitsstadien, also auch auf die Frage, ob eine Impfung noch einen Effekt hat, wenn eine Demenz bereits diagnostiziert ist. Genau das ist die Stelle, die die Meldung schwer macht, weil sie nicht ins einfache Muster passt, nach dem „vorbeugen“ nur vor der Krankheit stattfinden kann. Das Team berichtet, dass die Immunisierung bei bereits Erkrankten mit einer Verlangsamung des Krankheitsfortschritts verbunden war. Zusaetzlich wird eine erhoehte Lebenserwartung beschrieben, und es wird eine Groessenordnung genannt, die sich im Kopf festsetzt: ueber sechs Jahre im Durchschnitt rund 164 zusaetzliche Tage ohne Demenzsymptome oder mit verlangsamtem Verlauf. Solche Zahlen sind keine Heilsversprechen, aber sie zeigen, warum die Frage ploetzlich ueber den Einzelfall hinausreicht.
Als zentrale Kennzahl wird zudem genannt, dass die Impfung schaetzungsweise eine von fuenf neuen Demenzdiagnosen ueber einen siebenjaehrigen Nachbeobachtungszeitraum abwenden koennte, also ein Risiko-Rueckgang um etwa 20 Prozent. Ob dieser Zusammenhang kausal ist oder ein Marker fuer andere Effekte, ist die Art von Streit, die Wissenschaft normalerweise erst spaeter entscheidet. In der Darstellung wird aber schon eine Hypothese sichtbar, die in die Diskussion hineinzieht: Das Herpes-Zoster-Virus koennte eine kausale Rolle bei Entstehung oder Verschlimmerung von Demenz spielen, und die Impfung koennte neurodegenerative Prozesse unterbrechen. Hinzu kommen geschlechtsspezifische Unterschiede, die in der Analyse auftauchen, etwa dass die positiven Effekte auf die Sterblichkeit bei Frauen deutlich staerker ausgepraegt gewesen seien als bei Maennern. Das ist kein Nebenaspekt, sondern ein Hinweis darauf, dass selbst ein scheinbar einheitlicher Impfakt in sehr unterschiedlichen biologischen und sozialen Kontexten wirken kann.
Methodisch interessant ist, dass die Auswertung auf einem sogenannten natuerlichen Experiment in Wales beruht, bei dem ein Stichtag ueber die Impfberechtigung entschied. Dadurch lassen sich Gruppen vergleichen, die sich nur um wenige Tage im Geburtsdatum unterscheiden, also in vielen Merkmalen aehnlich sind, ohne dass es ein klassischer randomisierter Impfversuch sein muss. Genannt wird ein Datensatz von 304.940 Personen, die zwischen 1925 und 1942 geboren wurden und am Stichtag 2013 in Wales lebten. Fuer das Versorgungssystem ist die stille Konsequenz: Wenn Impfprogramme nicht nur akute Infektionen verhindern, sondern langfristige Pflege- und Betreuungslasten beeinflussen, veraendert sich die Gewichtung von Praevention. Dann ist die Impfung nicht mehr nur ein Schutz fuer den Einzelnen, sondern ein Baustein, der spaeter an anderer Stelle Kapazitaeten freihaelt, in Familien, in Pflege, in der medizinischen Versorgung. Und genau deshalb ist diese Meldung nicht klein, auch wenn sie mit einem vertrauten Wort beginnt: Impfung.
Es ist eine dieser Meldungen, die im ersten Blick nach Fachdetail aussehen und im zweiten Blick nach Versorgungsstatik. Die Europaeische Kommission hat die 8-Milligramm-Dosis von Eylea zur Behandlung eines Makulaoedems infolge eines retinalen Venenverschlusses zugelassen, und damit bekommt eine bereits etablierte Wirkstofflogik eine weitere Einsatzflaeche. Fuer Bayer ist das wirtschaftlich relevant, weil Eylea zu den wichtigsten Umsatztreibern der Pharmasparte gehoert. Fuer das Versorgungssystem ist es mindestens genauso relevant, weil intravitreale Therapien ein Rhythmusgeschaeft sind: Termine, Intervalle, Kapazitaeten, Adhaerenz. Jede Zulassung, die an Intervalllaengen und Behandlungsplanung anknuepft, verschiebt am Ende nicht nur Marktanteile, sondern auch die Last in den Augenarztpraxen und bei den Patientinnen und Patienten.
Der medizinische Kern ist schnell erzaehlt und dennoch nicht banal. Aflibercept ist ein rekombinantes Fusionsprotein, das als Koederrezeptor VEGF bindet, sodass VEGF-Rezeptoren nicht aktiviert werden. In der intravitrealen Anwendung geht es damit um die Hemmung uebermaessiger Gefaessneubildung beziehungsweise der Signalwege, die Oedeme und Sehverschlechterung antreiben koennen. Dass der Wirkstoff auch in der Tumortherapie als Prinzip auftaucht, zeigt nur, wie universell diese Achse ist, aber im Auge zaehlt die konkrete Realitaet: Injektion in den Glaskoerper, wiederkehrende Termine, ein hohes Mass an Vertrauen und Routine. Die neue Indikation betrifft das Makulaoedem nach retinalem Venenverschluss, also eine Situation, in der der Sehverlust nicht als langfristige Degeneration daherkommt, sondern als klares Ereignis, das sich in den Alltag hineinbeisst.
Entscheidend ist, dass die hohe Dosierung schon zuvor in der EU in laengeren Behandlungsintervallen von bis zu fuenf Monaten fuer andere Indikationen verfuegbar war, unter anderem fuer die neovaskulaere altersabhaengige Makuladegeneration und fuer das diabetische Makulaoedem. Jetzt kommt die dritte Indikation hinzu. Damit wird das Versprechen, das hinter einer hoeheren Dosis meistens steht, neu in Stellung gebracht: weniger haeufige Injektionen bei vergleichbarer Wirksamkeit, also weniger Termindruck und weniger Belastung fuer Menschen, die nicht nur eine Behandlung, sondern oft einen ganzen Lebensplan um diese Termine herum organisieren muessen. Das ist die leise Dimension solcher Zulassungen: Die Therapie wird nicht nur medizinisch, sondern logistischer. Gerade weil die Anwendung direkt ins Auge erfolgt, ist jeder gewonnene Intervallmonat mehr als Komfort, er ist ein Stueck Alltag, das nicht von der naechsten Spritze diktiert wird.
Gleichzeitig ist das keine reine Erleichterungsgeschichte, sondern auch eine Marktgeschichte, die ueber Versorgung laeuft. Mit Vabysmo von Roche gibt es ein Konkurrenzprodukt, das im selben Feld um Vertrauen, Daten und Alltagstauglichkeit ringt. In diesen Therapien entscheidet nicht nur der Wirkmechanismus, sondern wie stabil sich ein Intervall in der Praxis halten laesst, wie gut Patientinnen und Patienten mitkommen, wie zuverlaessig Kontrolltermine und Behandlungstermine ineinandergreifen. Wo Kapazitaeten knapp sind, wird das Intervall zur Waehrung, und jede Verschiebung im Intervallregime veraendert Wartezeiten, Planung und im Zweifel auch die Schwelle, ab der Menschen ueberhaupt konsequent dranbleiben.
Dass Bayer die Indikationserweiterung am Freitag meldet, ist dabei kein Zufall des Kalenders, sondern Teil einer ueblichen Taktik: Zulassungen sind Zaehlpunkte im Wettbewerb, sie sind aber auch Signale an die Versorgungspartner, dass eine Therapie in mehr Situationen formal „darf“, also auch verordnet und erstattet werden kann. Und genau an dieser Schnittstelle wird die Meldung fuer Apotheken und das Gesundheitssystem anschlussfaehig. Nicht weil Apotheken intravitreale Injektionen abgeben, sondern weil jede Ausweitung von Indikationen und jede Verschiebung von Terminlast am Ende Kostenlinien, Versorgungslinien und Beratungsfragen beeinflusst, etwa bei Begleitmedikation, bei Komorbiditaeten, bei Transport- und Betreuungsaufwand in Familien. In einer alternden Bevoelkerung ist das Auge kein Spezialthema mehr, sondern ein Teil der Grundlast, die sich im System verteilt.
Am Ende bleibt eine klare Beobachtung: Eine neue Indikation ist formal ein Satz im Amtsblatt, praktisch aber ein neues Raster fuer die Versorgung. Wenn die 8-mg-Dosis sich in der RVV-Indikation bewaehrt und Intervalle wirklich laenger werden koennen, dann ist das nicht nur ein Plus fuer den Einzelnen, sondern auch eine Kapazitaetsfrage fuer Praxen und ein Stabilitaetsfaktor fuer einen Bereich, der ohnehin mit Terminverdichtung arbeitet. Und wenn es nicht so laeuft, wird die neue Indikation dennoch den Wettbewerb schaerfen, der wiederum Innovation und Preislogik antreibt. So oder so ist es eine Meldung, die nicht im Auge endet, sondern im System.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Die Schlagzeilen wirken verschieden, aber sie ziehen an derselben Naht: Versorgung ist nicht nur Leistung, sondern auch Ordnung. Wenn Laender beim Honorar auf Verbindlichkeit pochen, geht es um die Frage, ob Betriebskosten im System als harte Realitaet gelten oder als Privatproblem der Inhaber. Wenn Rueckrufe den Alltag kreuzen, zeigt sich, ob Prozesse so gebaut sind, dass sie auch unter Druck sauber bleiben. Und wenn digitale Dienste KI als Werkzeug fuer Teams ausrollen, ist das weniger Zukunftsmusik als die Suche nach Zeit, in einem Alltag, der laenger geworden ist als der Tag.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Die Versorgung kippt selten an einem einzigen Gesetz oder an einem einzigen Rueckruf. Sie kippt, wenn Zusagen weich werden, wenn Prozesse muede werden, wenn Vertrauen im Oeffentlichen zur Ware wird. Jede einzelne Meldung zeigt nur einen Ausschnitt, aber zusammen markieren sie, wie fragil “normal” geworden ist. Wer das heute liest, liest eigentlich eine Frage: Wo wird morgen zuerst nachgegeben, beim Geld, beim Personal oder bei der Sorgfalt.
Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Heute faellt auf, wie eng Honorar, Prozessdisziplin und Digitaltempo inzwischen ineinandergreifen.
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