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APOTHEKE | Systemblick - Kommentar von heute
Stand: Donnerstag, 15. Januar 2026, um 18:00 Uhr
Apotheken-News: Kommentar von heute
Kommentar von Seyfettin Günder zu den aktuellen Apotheken-Nachrichten über GKV-Überschüsse, Apothekenhonorar, Versorgungsnetz
Die Behauptung, den Apothekeneigentümern gehe es „insgesamt ziemlich gut“, wirkt in einem Januar der Schließungszahlen wie eine Entlastungsformel für das eigene System: Wer den Notstand kleinredet, muss ihn nicht lösen. Das Reizwort dabei ist nicht einmal der Ton, sondern die Logik dahinter. Denn die GKV finanziert sich prozentual aus Löhnen, und damit wachsen Einnahmen automatisch mit – auch ohne Reform, auch ohne Strukturentscheidungen. Apothekenvergütung dagegen wächst nicht automatisch mit der Realität des Betriebs, sondern hängt an Regeln, die in ihrer Grundform aus einer anderen Kostenwelt stammen: Personal, Energie, Miete, Finanzierungslasten und Vorfinanzierung sind keine Randnotizen, sondern die Statik des Alltags. Wer diese Statik ignoriert, ersetzt Betriebswirtschaft durch Erzählung.
Die Debatte kippt, sobald man so tut, als sei „Umsatz“ ein Synonym für „Ertrag“. Gerade im Arzneimittelbereich sind hohe Werte oft schlicht Durchlaufposten: Hochpreiser, Vorfinanzierung, Retax-Risiko, Zahlungsziele – viel Bewegung, wenig Luft. Dass Beschäftigung insgesamt gestiegen ist, sagt zudem wenig über Flächenwirkung. Versorgung ist nicht nur eine Summe von Köpfen, sondern eine Frage von Nähe, Erreichbarkeit, Nacht- und Notdienstfähigkeit, Reaktionszeit und Verantwortungsketten. Eine Apotheke weniger in der Fläche ist nicht „Konzentration“, sondern Distanz, und Distanz ist im Gesundheitswesen kein abstrakter Nachteil, sondern ein realer Risikofaktor.
Genau hier liegt die politische Bruchstelle: Die Kassen können Beiträge anheben, wenn das Geld nicht reicht. Apotheken können ihre „Beiträge“ nicht anheben, weil sie keine Beiträge erheben, sondern gesetzlich gebundene Vergütung erhalten. Wenn das System knapper wird, entstehen also zwei Bewegungsrichtungen: die eine Seite passt ihren Zufluss an, die andere Seite soll mit unveränderten Regeln die gleiche, oft sogar eine komplexere Leistung tragen. Das ist nicht „Markt“, das ist Staatsversorgung mit asymmetrischer Anpassungsfähigkeit. Und damit wird jede Beruhigungsformel zur Zumutung, weil sie den Mangel nicht behebt, sondern legitimiert.
In dieser Lage bekommt die Rx-Versanddebatte eine neue Schärfe. Nicht, weil ein Verbot allein die Betriebszahlen repariert, sondern weil sie die Frage freilegt, die in allen Strukturfragen darunterliegt: Handlungsfähigkeit oder Ausweichen. Wenn Verbände den politischen Willen betonen, ist das weniger Pathos als Diagnose. Ein System, das seine Versorgungsarchitektur ernst nimmt, entscheidet nicht nur über Eurobeträge, sondern über Steuerung: Welche Regeln gelten überall, wer trägt welche Pflichten, wer wird kontrolliert, und wer kann sich durch Distanz, Rechtsräume oder Modelllogik entkoppeln. Patientenschutz ist dann kein Etikett, sondern die Frage, ob dieselben Standards – Beratung, Interaktionsprüfung, Dokumentation, Missbrauchs- und Fälschungsschutz – als reale Verpflichtung verstanden werden oder als optionale Kulisse.
An dieser Stelle fügt sich das Bild.
Wer heute sagt, es gehe „eigentlich ziemlich gut“, sagt in Wahrheit: Das System soll weiter funktionieren, ohne dass das System seine eigene Lastenverteilung überprüft. Das ist die bequemste Haltung, weil sie jede Verantwortung in die Statistik verlagert. Aber Versorgung ist keine Statistik. Versorgung ist die Fähigkeit, im Kleinen zuverlässig zu sein, wenn es im Großen unübersichtlich wird – abends, am Wochenende, bei Lieferengpässen, bei Unsicherheit, bei echten Menschen mit echten Grenzen. Wenn Politik diese Fähigkeit will, muss sie aufhören, die Träger dieser Fähigkeit als Problemverursacher zu behandeln.
Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt. Ein solidarisches System kann harte Wahrheiten aushalten, aber es kann sich keine bequemen Unwahrheiten leisten: Nicht bei den Kassen, nicht bei den Apotheken, nicht bei den Regeln, die beide binden. Wenn Handlungsfähigkeit nur dort existiert, wo Beiträge steigen dürfen, und dort endet, wo Versorgung vor Ort teuer, mühsam und unverzichtbar ist, dann ist nicht das Honorar das Problem, sondern die politische Ehrlichkeit. Und genau daran entscheidet sich, ob „Versorgung sichern“ ein Satz bleibt – oder ein Auftrag, der endlich als Verantwortung getragen wird.
SG
Prokurist | Publizist | Verantwortungsträger im Versorgungsdiskurs
Kontakt: sg@docsecur.de
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Wer das für Formalie hält, unterschätzt die Verantwortung, die Sprache heute tragen muss.
Ein Kommentar ist keine Meinung. Er ist Verpflichtung zur Deutung – dort, wo Systeme entgleiten und Strukturen entkoppeln.
Ich schreibe nicht, um zu erklären, was gesagt wurde. Ich schreibe, weil gesagt werden muss, was sonst nur wirkt, wenn es zu spät ist.
Denn wenn das Recht nur noch erlaubt, aber nicht mehr schützt, darf der Text nicht schweigen.
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