• 11.01.2026 – ABDA im Managementmodus, Apothekenreform ohne Honorar, Erwartungsdruck auf Erdle

    ARZTPRAXIS | Medienspiegel & Presse | Neue ABDA-Spitze setzt auf Professionalität, doch Reformstatik bleibt ohne Honorarplus und Rollenklärung wacklig; der Druck steigt dur ...

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APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

ABDA im Managementmodus, Apothekenreform ohne Honorar, Erwartungsdruck auf Erdle

 

Der neue Führungsstil soll Professionalität beweisen, doch ohne Honorarfortschritt und klare Rollenlogik bleibt das Reformpaket politisch und betrieblich fragil.

Stand: Sonntag, 11. Januar 2026, um 10:22 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Der neue Ton in der ABDA-Führung verspricht Professionalität und Vergleichbarkeit, trifft aber auf eine Reform, deren Kernfrage weiter offen bleibt. Die nachgebesserte Apothekenreform wirkt glatter, ohne die Honorarseite zu ordnen, und verschiebt damit Druck in den betrieblichen Alltag. Gleichzeitig wirft die Rollenlogik Fragen nach Verantwortung und Führung auf, während Managementsprache Erwartungen erhöht. Ob der Anspruch auf Benchmark-Niveau trägt, entscheidet sich nicht am Auftritt, sondern an Vergütung, Zuständigkeit und Vollzug.

 

Im Berliner Verbändehaus klingt ein neuer Ton an: weniger Abwehrreflex, mehr Managementvokabular. „Planvoll, proaktiv, professionell“ wirkt wie ein Versprechen an eine Mitgliedschaft, die sich an Routinen aufgerieben hat und an Schlagworten satt ist. Der Anspruch, „state of the art“ zu werden, zielt auf Vergleichbarkeit: mit Wirtschaft, mit anderen Interessenvertretungen, mit einer Welt, in der Leistung über Kennzahlen kommuniziert wird. Wer so spricht, lädt aber auch zu einer neuen Art von Prüfung ein, weil sich Professionalität nicht mehr am Auftritt misst, sondern am Ergebnis. Der Wechsel im Hauptamt bekommt dadurch Gewicht, noch bevor die erste inhaltliche Linie wirklich sichtbar ist.

Das Timing ist brutal, nicht pathetisch: Es ist die Phase, in der Reformen nicht mehr angekündigt, sondern durchgerechnet und gegengezeichnet werden. Jede Unschärfe landet nicht im Protokoll, sondern im Betrieb, als Nacharbeit, als Haftungsfrage, als Wartezeit am Ende eines ohnehin eng getakteten Tages. „Crunch time“ ist in diesem Feld keine Pose, sondern eine Zustandsbeschreibung. Wenn die Spitze des Hauptamts das Wort benutzt, dann steht dahinter die Ahnung, dass rhetorische Stabilität nicht reicht. Es geht um die Fähigkeit, ein Paket so zu beeinflussen, dass es nicht nur politisch durchgeht, sondern organisatorisch trägt.

Die nachgebesserte Apothekenreform wirkt im Vergleich zum ersten Entwurf weniger kantig, aber nicht entschieden anders. Manche Formulierung ist weicher, manche Kurve ist abgeflacht, doch der Kern bleibt dort, wo er immer wehtut: bei der finanziellen Statik. Solange eine Honoraranpassung nicht enthalten ist, bleibt jede Modernisierungserzählung ein Haus, das auf der gleichen Fundamentplatte steht. Wer das Problem mit Skonti erklärt, beschreibt nur eine Nebenströmung, keine tragende Quelle. Skonti können Lücken lindern, aber sie ersetzen keinen ordnenden Vergütungsschritt, weil sie volatil sind, verhandelbar, angreifbar und nie für alle gleich.

Dazu kommt die Frage der Rollenlogik, die im Entwurf als scheinbar kleine Personalie auftaucht und in Wirklichkeit eine Verschiebung von Verantwortung beschreibt. Eine PTA als Kurzzeit-Chefin kann in der Praxis eine Lösung für Personalengpässe andeuten, im Systemdesign aber kippt sie schnell in ein Signal: Dass betriebliche Führung als Notbehelf gedacht wird, nicht als qualifikationsgebundene Funktion. Genau hier entscheidet sich, ob Reformpolitik ordnet oder ausweicht. Wenn die Union zu wissen glaubt, was Apothekerinnen und Apotheker wünschen, dann wird an dieser Stelle sichtbar, ob dieses Wissen als Regel übersetzt wird oder als Schlagzeile verpufft.

Die ABDA steht damit zwischen zwei Identitäten, die sich in Krisen gern widersprechen: Interessensvertretung und Steuerungsinstanz. Wird sie zu einem Wirtschaftsverband, verändert sich die Sprache, aber auch die Erwartung der Gegenseite, weil Wirtschaftssprache Ergebnisse fordert und Spielräume begrenzt. Wird sie zum Benchmark, wird sie nicht nur beobachtet, sondern gemessen, und zwar nicht nach Sympathie, sondern nach Wirksamkeit. Professionalität bedeutet dann, dass der Verband die eigenen Positionen nicht nur formuliert, sondern in Verhandlungslogik, Gesetzesform und Vollzugsfähigkeit übersetzen kann. Wer das ankündigt, kann nicht mehr auf die Trägheit des Systems hoffen.

Druck entsteht auch durch das, was man nicht kontrolliert: das fortlaufende Apothekensterben als Hintergrundrauschen, das irgendwann kein Rauschen mehr ist. Jeder Monat ohne strukturellen Ausgleich macht aus Einzelfällen ein Muster, aus dem Muster eine Erwartung, aus der Erwartung einen politischen Reflex. Wird die Honorarseite weiter vertagt, wirkt jede Modernisierung wie eine Verschiebung des Problems in neue Formulare. Dann bleibt vom Anspruch „professionell“ am Ende nur die Optik, während die Substanz weiterhin auf Verschleiß läuft. In so einem Klima wird jede Personalentscheidung an der Spitze zur Projektionsfläche, auch wenn sie inhaltlich noch nicht geliefert hat.

Und da ist noch ein dritter Ton, der in den Betrieb hineinfunkt: die Mischung aus Technikbegeisterung, Rechtsstreitlust und dem Versprechen, KI könne Realität ersetzen. Wenn ein KI-Fan-Anwalt halluziniert, ist das nicht nur ein Spottwort, sondern eine Warnung vor einer neuen Form von Autoritätsrhetorik, die sich auf Scheinpräzision stützt. In einem hochregulierten Feld reichen angebliche Effizienzgewinne nicht aus, wenn die Haftung und die Zuständigkeit unklar bleiben. Wer „state of the art“ sein will, muss genau dort hart werden: bei Verantwortungsketten, nicht bei Buzzwords. Sonst wird die Modernität zur Kulisse, vor der dieselben Konflikte nur schneller auftreten.

An dieser Stelle fügt sich das Bild.

Der Tonwechsel im Verband klingt nach Aufbruch, aber er steht im Schatten einer Rechnung, die nicht länger wegmoderiert werden kann. Professionalität ist hier keine Stilfrage, sondern der Moment, in dem eine Organisation beweist, dass sie Reformstatik versteht: Geldfluss, Rollen, Vollzug, Haftung, Arbeitszeit. Wenn ein neues Hauptamt diese Sprache beherrscht, verändert sich auch die Gesprächsposition gegenüber Politik und Kassen, weil nicht mehr nur Forderungen im Raum stehen, sondern begründete Wirkungsannahmen. Das ist die stille Messlatte, die „Benchmark“ tatsächlich meint.

Am Ende entscheidet sich die Glaubwürdigkeit nicht an markigen Worten, sondern an der Stelle, an der ein Entwurf in den Alltag fällt und dort entweder trägt oder bricht. Ohne Honoraranpassung bleibt jeder Professionalisierungsanspruch ein Versprechen auf später, und später ist im Betrieb meist der Name für Überlastung. Eine Rollenlogik, die Führung als kurzfristigen Notbehelf behandelt, verschiebt Verantwortung, statt sie zu ordnen. Wenn der neue Ton der ABDA eine neue Wirksamkeit sein soll, dann muss er genau diese beiden Punkte als harte Linie setzen: Vergütung als Statik, Zuständigkeit als Ordnung. Alles andere klingt modern, fühlt sich aber an wie die nächste Runde mit denselben Folgen.

Journalistischer Kurzhinweis: Themenprioritäten und Bewertung orientieren sich an fachlichen Maßstäben und dokumentierten Prüfwegen, nicht an Vertriebs- oder Verkaufszielen. Die Redaktion berichtet täglich unabhängig über Apotheken-Nachrichten und ordnet Risiken, Finanzen, Recht und Strukturfragen für Apotheker ein. Im Zentrum steht die Frage, ob Verbandsmodernisierung Verantwortung in Regeln übersetzt oder nur Erwartungen neu verpackt.

 

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