• 18.11.2025 – Apotheken-Nachrichten von heute sind Adhärenzberatung im Fokus, Antibiotikaversorgung unter Druck, Biosimilare Entzündungstherapien als neue Chance

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DocSecur® Nachrichten - APOTHEKE:


APOTHEKE | Medienspiegel & Presse |

Apotheken-Nachrichten von heute sind Adhärenzberatung im Fokus, Antibiotikaversorgung unter Druck, Biosimilare Entzündungstherapien als neue Chance

 

Adhärenzorientierte Gespräche, eine sensible Antibiotikaversorgung und neue Biosimilare für chronische Entzündungserkrankungen prägen die Handlungsspielräume der Apotheken.

Stand: Dienstag, 18. November 2025, um 18:00 Uhr

Apotheken-News: Bericht von heute

Gespräche zur Therapietreue, die Zukunft der Antibiotikaversorgung und die Entwicklung neuer Biosimilare greifen auf mehreren Ebenen ineinander und prägen die Handlungsspielräume der Apothekenleitung. Wo Beratung zur Adhärenz gut strukturiert ist und das richtige Maß aus Empathie, Klarheit und Dokumentation findet, sinkt das Risiko, dass komplex verordnete Therapien im Alltag versanden oder durch Missverständnisse zu vermeidbaren Komplikationen führen. Gleichzeitig machen Fachkreise mit Nachdruck deutlich, dass ohne verlässliche Rahmenbedingungen für Forschung, Produktion und Vorhaltung von Antibiotika eine Versorgungslücke droht, in der resistente Erreger schneller voranschreiten als die Entwicklung neuer Substanzen. Reserveantibiotika stehen dabei exemplarisch für das Spannungsfeld zwischen medizinischer Unverzichtbarkeit und fehlenden Geschäftsmodellen, während Standardantibiotika unter anhaltendem Preisdruck und fragilen Lieferketten leiden. Auf der Innovationsseite zeigt ein neuer Biosimilar-Kandidat für entzündliche Atemwegserkrankungen, dass sich der Zugang zu biologischen Therapien perspektivisch verbreitern kann, wenn vergleichbare Qualität mit wirtschaftlicher Entlastung verbunden wird. Für Apotheken entsteht daraus ein Aufgabenbündel, das von Gesprächsleitlinien und Fortbildung über Beschaffungs- und Lagerstrategien bis hin zur Gestaltung vertrauensvoller Umstellungen auf Biosimilare reicht und damit betriebswirtschaftliche, rechtliche und pharmazeutische Anforderungen zusammenführt.

 

Gesprächsführung stärkt Therapietreue, Adhärenz braucht Struktur und Empathie, Apothekenleitungen müssen Beratungsprozesse gezielt absichern

Wer Adhärenz wirklich verbessern will, braucht mehr als gut gemeinte Einzelgespräche – es braucht einen strukturierten Rahmen, in dem jedes Teammitglied weiß, wie ein Beratungsdialog aufgebaut ist und welchen Ton er treffen soll. Für Apothekenbetreiber bedeutet das, dass das Thema Therapietreue nicht als „nice to have“, sondern als eigener Qualitätsbereich geführt werden muss. Ein Adhärenzgespräch beginnt idealerweise mit einer wertschätzenden Einstiegsfrage („Wie kommen Sie bisher mit Ihrer Einnahme zurecht?“), die signalisiert, dass Schwierigkeiten normal und besprechbar sind. Die Leitung sollte dafür sorgen, dass solche Einstiegsformeln trainiert, ausprobiert und in Standards festgehalten werden, damit sie nicht vom Zufall oder von der Tagesform einzelner Mitarbeitender abhängen.

Ein gut geführtes Adhärenzgespräch unterscheidet klar zwischen Informationsvermittlung und Dialog. Patienten brechen Therapien selten ab, weil niemand ihnen den Beipackzettel erklärt hat – sondern weil ihre eigenen Sorgen, Routinen und Hürden nicht vorkamen. Für Inhaberinnen und Inhaber heißt das: Schulungen müssen auf Kommunikationswerkzeuge zielen – offene Fragen, aktives Zuhören, Zusammenfassen in einfachen Worten und „Teach-back“, also die Bitte an den Patienten, das Wichtigste kurz in eigenen Worten zu wiederholen. Gleichzeitig sollte die Leitung vorgeben, dass genügend Zeitfenster für solche Gespräche zur Verfügung stehen; wenn jede Adhärenzberatung in bereits überlastete Minuten zwischen Tür und Angel gedrängt wird, bleibt das Projekt zwangsläufig Stückwerk.

Besonders sensibel ist der Umgang mit typischen Adhärenzbarrieren wie Angst vor Nebenwirkungen, Verunsicherung durch Medienberichte, komplexe Einnahmeschemata oder finanzielle Belastungen. Hier sind Apothekerinnen und Apotheker gefordert, Faktoren zu identifizieren, die mit fachlichen Mitteln aufgefangen werden können – etwa Vereinfachung der Einnahmezeiten, Hinweise auf Hilfsmittel oder Rücksprache mit der verordnenden Praxis – und solche, die externe Unterstützung benötigen. Apothekenbetreiber sollten dafür sorgen, dass im Team klar ist, welche Spielräume es bei Präparatewechseln, Dosierhilfen und Medikationsanpassungen gibt und wo zwingend an Arztpraxis oder andere Stellen zurückverwiesen werden muss. Eine Leitlinien- und SOP-gestützte Vorgehensweise reduziert das Risiko, dass Einzelentscheidungen im Grenzbereich später haftungsrechtlich angreifbar werden.

Dokumentation ist ein weiterer Schlüssel, der oft unterschätzt wird. Wenn in der Apotheke regelmäßig zu Adhärenz beraten wird, sollte zumindest bei komplexen oder risikobehafteten Therapien festgehalten werden, welche Kernpunkte besprochen, welche Probleme angesprochen und welche Empfehlungen gegeben wurden. Für die Betriebsleitung eröffnet das zwei Ebenen: Zum einen entsteht eine nachvollziehbare Spur, falls es zu Rückfragen von Patienten, Ärzten oder Versicherern kommt; zum anderen lassen sich aus den Einträgen Muster erkennen – etwa wiederkehrende Schwierigkeiten bei bestimmten Wirkstoffen, Darreichungsformen oder Patientengruppen. Auf dieser Basis können Fortbildungen, interne Fokusaktionen oder Kooperationen mit Praxen zielgerichtet geplant werden, statt nur auf Einzelfälle zu reagieren.

Schließlich sollten Apothekenbetreiber Adhärenz nicht nur als Gesprächsaufgabe am HV-Tisch verstehen, sondern als Querschnittsthema der gesamten Betriebsorganisation. Das beginnt bei verständlich gestalteten Aushängen und Informationsmaterialien, setzt sich fort in gut erreichbaren Beratungsplätzen mit etwas Zeit- und Sichtschutz und reicht bis zu digitalen Erinnerungs- oder Dokumentationshilfen, die Patienten freiwillig nutzen können. Entscheidend ist, dass die Leitung klare Prioritäten setzt: Adhärenzförderung muss als Bestandteil des eigenen Leistungsversprechens kommuniziert, in Zielvereinbarungen und Fortbildungsplänen abgebildet und in der Teamkultur verankert sein. Wer hier konsequent handelt, stärkt nicht nur die Versorgungsqualität, sondern reduziert langfristig auch Risiken aus vermeidbaren Therapieabbrüchen, Missverständnissen und Beschwerden – und genau das ist aus Betreiberperspektive ein handfester strategischer Vorteil.

 

Antibiotikaforschung verliert bedenklich an Tempo, Reserveantibiotika fehlen im Markt, Versorgungssicherheit braucht verlässliche Vergütungsmodelle

Die Diskussion anlässlich der Europäischen Antibiotikawoche zeichnet ein Lagebild, das zugleich wissenschaftlich, ökonomisch und gesundheitspolitisch alarmiert. Fachvertreterinnen und Fachvertreter machen deutlich, dass Antibiotika zwar zu den wichtigsten Arzneimitteln überhaupt gehören, der Nachschub an neuen Wirkstoffen jedoch stockt und die Gefahr wachsender Resistenzen immer greifbarer wird. Besonders kritisch ist die Situation bei Reserveantibiotika, die als letzte Option in schweren Infektionen dienen sollen und deshalb bewusst selten eingesetzt werden, wirtschaftlich aber genau daran scheitern. Wenn Entwicklungskosten hoch, Stückzahlen gering und Preise politisch gedrückt sind, entsteht ein systemischer Widerspruch zwischen medizinischer Notwendigkeit und betriebswirtschaftlicher Tragfähigkeit. In diesem Spannungsfeld wird sichtbar, dass ohne neue Vergütungsmechanismen und eine strategische Förderung der Forschung eine Versorgungslücke droht, die sich mit klassischer Marktlogik allein nicht schließen lässt.

Aus mikrobiologischer Sicht unterstreichen die Beiträge, wie dynamisch sich Resistenzlagen entwickeln und wie sehr sie von globalen Bewegungen beeinflusst werden. Nach einer goldenen Ära der Antibiotikaentwicklung sind in den vergangenen Jahrzehnten zu wenige neue Substanzklassen hinzugekommen, während bekannte Wirkstoffe immer häufiger auf resistente Keime treffen. Prognosen zu Todesfällen im Zusammenhang mit Resistenzen deuten auf einen deutlichen Anstieg hin und machen klar, dass es nicht genügt, lediglich den Verbrauch zu drosseln. Gleichzeitig zeigt der Blick nach Europa, dass Deutschland zwar derzeit vergleichsweise günstig dasteht, diese Position aber fragil ist, weil Keime über Reisen, medizinische Behandlungen und Krisensituationen wie Kriege leicht grenzüberschreitend verbreitet werden. Die Abhängigkeit von Wirk- und Grundstoffen aus wenigen Produktionsländern verschärft das Bild, weil Lieferengpässe und geopolitische Störungen unmittelbare Auswirkungen auf die Verfügbarkeit lebenswichtiger Therapien haben können.

Die wirtschaftliche Analyse der Reserveantibiotika offenbart eine strukturelle Schieflage, die mit Einzelmaßnahmen kaum zu korrigieren ist. Forschungs- und Entwicklungskosten sind hoch, regulatorische Anforderungen streng und Absatzmengen bewusst begrenzt, weil diese Arzneimittel nur im Notfall eingesetzt werden sollen. Gleichzeitig bilden bestehende Vergütungssysteme, insbesondere im stationären Bereich, die Kosten nicht ab; Krankenhäuser tragen die Last teurer Reserveantibiotika häufig aus Budgets, die dafür nicht vorgesehen sind. Selbst rechtliche Verbesserungen bei der Preisfestsetzung können diesen Widerspruch nur teilweise mildern, solange grundsätzliche Finanzierungsmechanismen unverändert bleiben. Modelle wie abgekoppelte Budgetlösungen oder pauschale Vergütungen, die unabhängig von der tatsächlich verordneten Menge gezahlt werden, zeigen erste Alternativen, erfordern aber politische Entschlossenheit und internationale Kooperation, um tragfähige Rahmenbedingungen zu schaffen.

Für Apotheken entsteht aus dieser Gemengelage eine doppelte Verantwortung, die weit über die reine Abgabe hinausreicht. Einerseits sind sie unmittelbare Ansprechpartnerinnen für Patientinnen und Patienten bei der richtigen Anwendung von Antibiotika, von Einnahmeintervallen über Therapiedauer bis hin zu Wechselwirkungen und Nebenwirkungsmanagement. Jede Beratung, die unsachgemäßen Gebrauch, eigenmächtige Therapieabbrüche oder unnötige Breitspektrumverordnungen verhindert, leistet einen Beitrag zur Verlangsamung der Resistenzentwicklung. Andererseits müssen Apotheken ihre Beschaffungs- und Lagerstrategien an ein Umfeld anpassen, in dem sowohl Standardantibiotika als auch spezialisierte Präparate von Preisdruck, Lieferabhängigkeiten und regulatorischen Veränderungen betroffen sind. Dazu gehört eine vorausschauende Beobachtung des Marktes, die enge Abstimmung mit dem Großhandel und das Bewusstsein, dass wirtschaftliche Entscheidungen der Industrie über Verbleib oder Rückzug einzelner Präparate die Beratungsrealität am Tresen direkt beeinflussen.

Langfristig zeigt die Debatte, dass Antibiotikapolitik nur im Zusammenspiel aus Forschung, Industrie, Krankenhäusern, Praxen und Apotheken funktionieren kann. Wenn Forschende vor Pipeline-Lücken warnen und Industrievertreter von nicht tragfähigen Geschäftsmodellen bei Reserveantibiotika sprechen, sind Apotheken als Teil der Versorgungskette aufgefordert, ihre Rolle in der Aufklärung und im rationalen Einsatz konsequent wahrzunehmen. Das betrifft auch interne Fortbildung, klare Beratungsstandards und eine enge Zusammenarbeit mit Ärztinnen, Ärzten und anderen Heilberufen, um Reservepräparate tatsächlich als letzte Option zu schützen. Gleichzeitig müssen Apothekenleitungen die gesundheitspolitische Diskussion aufmerksam verfolgen, weil neue Vergütungsmodelle, Umweltauflagen im Abwassersektor oder Änderungen im Generikamarkt die wirtschaftliche Basis vieler gängiger Therapien verschieben können. In der Summe entsteht ein Bild, in dem die sichere Versorgung mit Antibiotika nicht mehr als Selbstverständlichkeit gelten kann, sondern als Ergebnis bewusster Entscheidungen, die Forschung, Finanzierung und verantwortliche Anwendung dauerhaft aufeinander abstimmen.

 

Biosimilare Innovation stärkt Entzündungsmedizin, COPD-Therapie braucht bezahlbare Alternativen, Apotheken planen Zugang zu Biologika neu

Die Ankündigung eines neuen Biosimilar-Kandidaten für den Einsatz bei COPD und anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen ist mehr als nur eine Pipeline-Meldung aus der Industrie. Wenn ein Wirkstoff wie Dupilumab, der zentral in Entzündungsprozesse eingreift, als Referenzarzneimittel für ein künftiges Biosimilar dient, entsteht mittelfristig die Chance, hochwirksame biologische Therapien breiteren Patientengruppen zugänglich zu machen. Der erfolgreiche Abschluss eines technischen Similaritätsnachweises ist dabei ein entscheidender Schritt, weil er belegt, dass Struktur und funktionelle Eigenschaften des Kandidaten in hoher Übereinstimmung mit dem Original liegen. Für die Versorgung bedeutet das Perspektiven auf Wettbewerb, Preisentlastung und bessere Erreichbarkeit von Therapien, die bislang häufig durch Kostenbarrieren und Budgets begrenzt sind. Zugleich wächst die Verantwortung, diesen Fortschritt so in die Versorgungsrealität zu übersetzen, dass Qualität, Sicherheit und Transparenz für alle Beteiligten gewahrt bleiben.

Die Besonderheit eines Biosimilars besteht darin, dass es zwar dem Referenzarzneimittel sehr ähnlich, aber naturgemäß nicht zu hundert Prozent identisch ist, weil komplexe biologische Herstellungsprozesse nie völlig exakt reproduziert werden können. Regulatorisch kommt es daher weniger auf chemische Gleichheit als auf die Kombination aus analytischer Vergleichbarkeit, funktionellen Tests und, wo nötig, klinischen Daten an. Wenn ein technischer Similaritätsnachweis so belastbar ausfällt, dass möglicherweise auf eine große vergleichende Wirksamkeitsstudie verzichtet werden kann, beschleunigt dies die Entwicklung und senkt Kosten, ohne die regulatorischen Anforderungen an Sicherheit und Qualität zu unterlaufen. Für Apotheken ist wichtig zu verstehen, dass Zulassungsbehörden nur dann einen solchen Weg eröffnen, wenn die Datenlage überzeugend ist. Das Biosimilar ist also nicht die billigere, sondern die anders entwickelte Variante eines hochkomplexen Therapieprinzips, die unter strengen Maßstäben geprüft wurde. Dieses Verständnis bildet die Grundlage für glaubwürdige Beratung gegenüber Ärztinnen, Ärzten und Patientinnen und Patienten.

Gerade im Feld von COPD, Asthma und anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen spielen Biologika eine wachsende Rolle, weil sie an zentralen Schaltstellen der Entzündung eingreifen und so Verläufe stabilisieren oder Exazerbationen reduzieren können. Gleichzeitig sind diese Therapien teuer und erfordern eine sorgfältige Indikationsstellung, Überwachung und Adhärenz. Wenn neue Biosimilars auf den Markt drängen, entsteht für die verordnende Seite die Chance, modernere Behandlungspfade wirtschaftlich tragfähiger zu gestalten. Für Apotheken wiederum bedeutet das, sich auf eine wachsende Zahl komplexer Präparate mit inhalativer, subkutaner oder anderen speziellen Applikationsformen einzustellen. Dazu gehört nicht nur die Kenntnis der jeweiligen Produktbesonderheiten, sondern auch das Verständnis der Rahmenbedingungen, unter denen ein Wechsel vom Referenzarzneimittel zum Biosimilar erfolgt. Klare interne Regeln dazu, wann Rücksprache mit der Praxis erforderlich ist, wie Verordnungstexte gelesen werden müssen und welche Rabattvertragskonstellationen greifen, helfen, Fehler und Konflikte zu vermeiden.

Operativ stellt ein wachsender Biosimilar-Markt erhöhte Anforderungen an Lagerhaltung, Logistik und Informationsmanagement. Biologika benötigen häufig definierte Temperaturbereiche, sensible Transportketten und ein enges Monitoring von Haltbarkeiten. Apothekenleitungen sollten deshalb prüfen, ob vorhandene Kühl- und Dokumentationsstrukturen der erwarteten Dynamik gewachsen sind, insbesondere wenn mehrere Hersteller mit ähnlichen Produkten im Markt agieren. Hinzu kommt die Notwendigkeit, Teams regelmäßig zu schulen, etwa zu Unterschieden in Darreichungsformen, Pens oder Fertigspritzen, damit Einweisungen in die Anwendung sicher und konsistent erfolgen. Gleichzeitig bleibt die Pharmakovigilanz ein wichtiges Feld: Bei biologischen Wirkstoffen ist eine eindeutige Zuordnung von Chargen und Produkten zu Meldungen über Nebenwirkungen oder unerwartete Effekte unerlässlich. Sauber geführte Bestands- und Abgabedaten erleichtern es, bei Rückrufen oder Sicherheitsinformationen schnell und zielgerichtet zu handeln.

Schließlich eröffnet der Einstieg neuer Biosimilars auch eine kommunikative Chance gegenüber Patientinnen und Patienten. Viele Menschen begegnen dem Begriff „Biosimilar“ zunächst mit Unsicherheit, weil er für sie nach „Zweitwahlprodukt“ klingt, obwohl die regulatorische Prüfung sehr streng ist. Apotheken können hier Vertrauen aufbauen, indem sie erklären, wie Biosimilars entstehen, welche Prüfungen sie durchlaufen und welche Vorteile etwa in Bezug auf langfristige Verfügbarkeit und Finanzierung der Therapie entstehen können. Gleichzeitig sollten sie deutlich machen, dass ein Wechsel nie leichtfertig erfolgt, sondern auf ärztlicher Entscheidung, gesetzlichem Rahmen und etablierten Qualitätsstandards basiert. Für Apothekenbetreiber ist es daher sinnvoll, das Thema Biosimilars in Schulungskonzepte, Qualitätsdokumente und Gespräche mit Kooperationspraxen einzubinden. Wer frühzeitig vorbereitet ist, wenn neue Kandidaten von der Entwicklung in die Versorgung übertreten, kann Umstellungen geordnet begleiten und dadurch dazu beitragen, dass moderne COPD- und Entzündungstherapien langfristig nicht an Preisgrenzen scheitern, sondern als verlässlicher Teil der Behandlung zur Verfügung stehen.

 

Reserveantibiotika geraten ins Wirtschaftsrisiko, Vergütungsmodelle bestimmen Therapiezugang, Versorgungssicherheit braucht verlässliche Strukturen

Die geschilderte Veranstaltung zur Europäischen Antibiotikawoche legt schonungslos offen, wie weit Anspruch und Realität bei Reserveantibiotika auseinanderklaffen. Auf der einen Seite stehen dramatische Resistenzprognosen, globale Todesfallzahlen und das klare Bekenntnis, dass diese Substanzen als „Last Resort“ unverzichtbar sind. Auf der anderen Seite zeigt sich ein Markt, in dem sich Entwicklung, Produktion und Vorhaltung kaum tragen, weil Patientenzahlen gering, Preise niedrig und Vergütungssysteme nur unzureichend angepasst sind. Wenn Hersteller schildern, wie lange sie mit dem Markteintritt eines Reserveantibiotikums gezögert haben, obwohl der Bedarf strukturell erkennbar ist, wird deutlich, dass es nicht an Einsicht, sondern an Rahmenbedingungen mangelt. Vor diesem Hintergrund wird das Bild einer Versorgungslücke plastisch, in die das System geradezu hineinsteuert, wenn es bei klassischen Preis- und Erstattungslogiken bleibt.

Die mikrobiologische Perspektive verschärft diese Diagnose noch einmal. Seit der „goldenen Ära“ der Antibiotikaentwicklung sind neue Substanzklassen rar geworden, während Bakterien weiterhin mit großer Anpassungsfähigkeit Resistenzen ausbilden. Die drastisch genannten Todeszahlen und Prognosen bis zur Mitte des Jahrhunderts zeigen, dass Resistenzentwicklung kein abstraktes Zukunftsszenario ist, sondern bereits heute eine reale Bedrohung. Besonders heikel ist, dass selbst Reserveantibiotika nicht vor Resistenzen gefeit sind und die Lücke in der Pipeline neuer Wirkstoffe größer wird. Hinzu kommen geopolitische Faktoren wie Kriegssituationen und internationale Mobilität, die resistente Erreger buchstäblich über Grenzen tragen. Wenn Verletzte aus Konfliktgebieten mit bisher unbekannten Resistenzmustern behandelt werden müssen, geraten selbst bislang günstige Resistenzlagen ins Wanken. Gleichzeitig bleibt Europa bei vielen Wirk- und Grundstoffen von wenigen Produktionsstandorten abhängig, was im Krisenfall Lieferketten zusätzlich fragil macht.

Ökonomisch betrachtet steckt das System der Reserveantibiotika in einem klassischen Dilemma: Medizinisch sollen diese Präparate selten und zielgenau eingesetzt werden, betriebswirtschaftlich aber müssten sie hohe Entwicklungskosten und permanente Vorhaltung refinanzieren. Wenn Krankenhäuser teure Reserveantibiotika nicht kostendeckend über bestehende Fallpauschalen abrechnen können, entsteht ein struktureller Anreiz, den Einsatz zu vermeiden oder zu verschieben. Selbst gesetzliche Erleichterungen bei der Preisfestsetzung ändern daran wenig, solange das Geld faktisch aus ohnehin angespannten Budgets kommen muss. Modelle wie das britische Subscription- oder „Netflix“-Modell, bei denen Grundbudgets unabhängig von der verordneten Packungszahl vereinbart werden, zeigen alternative Wege, sind aber in Deutschland noch nicht etabliert. Gleichzeitig drückt der generelle Preisdruck im Generikamarkt die Erlöse bei Standardantibiotika auf ein Niveau, das selbst die Aufrechterhaltung bestehender Produktionen infrage stellt.

Für Apotheken entsteht aus dieser Gemengelage eine besonders anspruchsvolle Rolle im Spannungsfeld zwischen Versorgung, Beratung und betrieblicher Stabilität. Sie sind zentrale Anlaufstellen für Patientinnen und Patienten, wenn es um die richtige Einnahme, Therapiedauer und den rationalen Einsatz von Antibiotika geht. Jede Beratung, die dazu beiträgt, unnötige Verordnungen zu vermeiden, Therapien nicht vorschnell abzubrechen und Breitspektrumpräparate gezielt einzusetzen, zahlt direkt auf Resistenzvermeidung ein. Gleichzeitig müssen Apotheken ihre Lager- und Beschaffungsstrategien auf ein Umfeld ausrichten, in dem Reservepräparate selten, aber im Ernstfall extrem zeitkritisch sind und Standardantibiotika durch Preisdruck und Umweltauflagen gefährdet werden. Hier gilt es, Engpässe früh zu erkennen, Alternativen mit Ärztinnen und Ärzten abzustimmen und eigene Vorratshaltung so zu gestalten, dass sie medizinischen Anforderungen und wirtschaftlichen Grenzen gleichermaßen gerecht wird.

Für die Apothekenleitung bedeutet all dies, Antibiotika nicht nur als Warengruppe, sondern als strategisches Risikofeld zu führen. Dazu gehört ein konsequentes Fortbildungsprogramm zum Thema Antibiotic Stewardship für das gesamte Team, klare interne Standards zur Beratung und Dokumentation sowie eine aktive Beobachtung der politischen und regulatorischen Entwicklungen rund um Vergütungsmodelle, Umweltvorgaben und Lieferketten. Apotheken können sich in lokale und regionale Netzwerke zur Resistenzüberwachung und Versorgungsplanung einbringen, indem sie ihre Alltagserfahrungen mit Verordnungsrealität und Lieferbarkeit zurückspiegeln. Gleichzeitig sollten sie frühzeitig prüfen, welche Versicherungs- und Haftungsfragen sich aus möglichen Therapieausfällen, Engpässen oder Beratungsfehlern ergeben. Wer Reserveantibiotika und Standardantibiotika als Teil eines größeren, langfristig gefährdeten Systems versteht, kann Entscheidungen im Einkauf, in der Beratung und in der Zusammenarbeit mit Kliniken und Praxen so ausrichten, dass Patientenschutz, betriebliche Tragfähigkeit und Verantwortung für die Zukunft dieser Wirkstoffklasse möglichst gut miteinander vereinbar bleiben.

 

 

Dies ist kein Schluss, der gelesen werden will – sondern eine Wirkung, die bleibt, wenn das Verstehen längst vorbei ist. Was nicht gesagt wurde, wirkt trotzdem. Nicht für alle. Nur für jene, die hören, was zwischen den Sätzen spricht.

 

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